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Quickborner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 14:55 Uhr

Vortrag in Quickborn : Rüdiger Nehberg: Ein Wurm schmeckt wie eine Kohlroulade

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Abenteurer und Menschenrechtsaktivist Rüdiger Nehberg sprach über das Reisen, Ungerechtigkeit und kreative Wut.

Quickborn | Eine eigene Konditorei mit fünfzig Angestellten – aus Rüdiger Nehberg hätte ein seriöser Geschäftsmann werden können. Doch Bilder aus der Zeit belegen, dass Nehberg die Sache schon damals lieber mit Humor angegangen ist. Eine Aufnahme zeigt ihn auf der Straße sitzend, den Rücken an seinen Firmenwagen gelehnt. Darauf der Spruch: Konditorei Nehberg – es gibt schlechtere.

Der Lions-Club Quickborn hat einen Vortragsabend im Artur-Grenz-Saal organisiert, bei dem der ehemalige Konditor von seinen vielen Reisen. So überquerte Nehberg mehrmals den Atlantik, in einem Segelboot, einem Tretboot oder auf einem Baumstamm. Oft nutzte er die Touren, um auf Missstände hinzuweisen. Auch der Veranstalter engagiert sich. Der Lionsclub sagt zu, den Gewinn aus dem Abend an das Projekt „Elternlotsen“ aus Quickborn zu spenden.

Nehberg spricht frei und visualisiert seinen Vortrag mit Bildern seiner Touren. Essen ist dabei ein wichtiges Thema. „Prickelt besser als jeder Aldi-Sekt“, sagt er zu einem Glas Flusswasser mit Wasserflöhen. Und ein im Urwald aus der Erde gezogener Wurm schmecke „genau wie Kohlrouladen“. Das Publikum lacht viel an diesem Abend. Das liegt an Nehbergs Vortragsart, an seinen Witzen und lustigen Geschichten. Aber der 82-Jährige nimmt auch ernste Themen nicht aus. So erzählt er von einer Expedition zu einem Indianerstamm in Brasilien, von dem er gehört habe, dass sie von Goldsucher gedroht wurden. „Ich wollte mir selbst ein Bild machen“, erläutert Nehberg. Er fuhr hin. In seinem Vortrag zeigt er auch Bilder von Verletzten und Toten aus diesem Kampf. „Mein Gott“, raunt es einmal aus dem Publikum. Doch das sind nicht die schlimmsten Bilder, die Nehberg dabei hat.

Hilfe für die Menschen vor Ort

Seit mehreren Jahren engagiert sich der Abenteurer für die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung. Der gesamte zweite Teil des Abends befasst sich mit dem Thema. „Die Bilder, die ich dazu zeige, sind zumutbare Bilder. Die anderen habe ich in diesem Ordner“, sagt er und platziert ihn am Bühnenrand. Nehberg zeigt auf, dass Gegebenheiten nicht einfach hingenommen werden müssen: „Meine Wut hat mich immer kreativ gemacht, nie depressiv.“

Er zeigt Bilder, wie er mit geistlichen Größen des Islam an einem Tisch sitzt und über Genitalverstümmelung debattiert („Von wegen, mit dem Islam kann man nicht reden“) oder wie seine Organisation Target half, ein Geburtszentrum in Äthiopien aufzubauen. Dafür erhält er viel Applaus, vielleicht aber noch wichtiger: In Quickborn interessieren sich die Menschen für seine Themen. So bildet sich um den Ordner mit den schlimmeren Bildern eine kleine Menschentraube und viele besorgen sich einen Flyer seiner Organisation. Am Ende wird klar, es war nicht der witzigste oder fröhlichste Abend – aber es gab schlechtere.

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erstellt am 27.Okt.2016 | 16:15 Uhr

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