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Quickborner Tageblatt

11. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Rabbi-Witze und lebhafte Lieder

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Konzert Klezmer-Ensemble „Familie Lachmann“ trat vor etwa 120 Zuhörern im Artur-Grenz-Saal auf / Erinnerung an Judenverfolgung

Daniel Lachmann klemmt sich seine Fiedel unter den Arm, reckt den Hals, hält sich eine Hand hinter das linke Ohr und blickt zur Decke des Artur-Grenz-Saals in Quickborn. „Wollt ihr noch eine Geschichte?“, ruft das weißhaarige Oberhaupt des Klezmer-Ensembles „Familie Lachmann“. Der temperamentvolle Musiker wartet das zustimmende Gemurmel der etwa 120 Gäste kaum ab und erzählt den dritten Rabbi-Witz des Abends:

„Der Rebbe und Moische gehen in eine Kneipe. Moische soll einen Krug Bier holen, aber er hat kein Geld. ‚Wie soll ich Bier holen?‘, fragt er. Der Rebbe erklärt ihm: ‚Einen Krug Bier mit Geld zu holen ist keine Kunst, aber einen Krug Bier ohne Geld zu holen, das ist eine Kunst.‘ Moische bringt ihm einen Krug ohne Bier. Stellt der Rebbe fest: ‚Der Krug ist ja leer!‘ Antwortet Moische: ‚Einen Krug mit Bier zu trinken ist keine Kunst. Aber einen Krug ohne Bier zu trinken, das ist eine Kunst.‘“

Etwa 90 Minuten lang verbreiteten die fünf Musiker unaufgeregte Lebensfreude. Drei Generationen standen auf der Bühne: Daniel Lachmann, seine Tochter Natalie (Bongo) und seine Enkelin Alexandra (Gesang und Tamburin). Wie die Familie lebt die Sängerin Irina Kaplan in Hamburg, stammt aber aus der Ukraine. Efim Kofmann aus Moldawien begleitete sie an einem E-Piano und spielte Klarinetten-Soli.

Das Ensemble ließ klassischen Klezmer ukrainischer und moldawischer Prägung mit Jazz-Elementen erklingen. Viele Stücke begannen mit wehmütigen Melodien und gingen in lebhafte Rhythmen über. „Wir haben das in unserer Kindheit gehört“, sagte Kaplan. Bei „Tumbalalaika“, „Homentaschen“ und „Bey mir bistu scheyn“ klatschte das Publikum mit. Aus allen Titeln und Anekdoten sprach eine Botschaft, die Kaplan auf den Punkt brachte: „Auf das Leben, für Freundschaft und Freude, für Alt und Jung: Alles Gute und Gesundheit bis 120!“

Der Träger- und Förderverein Henri-Goldstein-Haus Quickborn hatte eingeladen, um an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 und die folgende Judenverfolgung zu erinnern. Lachmann widmete die Lieder den Juden, die in Quickborn Zwangsarbeit leisteten. Klezmer sei trotz des Leides seiner Glaubensgenossen fröhlich. „Es hilft, um zu überleben“, sagte er.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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