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Quickborner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 06:10 Uhr

„Didi“ snackt Platt : Quickborner bringt „Didi“ Hallervorden auf die Leinwand

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

„Ostfriesisch für Anfänger“, der neue Film des Quickborner Drehbuchautors Sönke Andresen, feiert am kommenden Montag Deutschlandpremiere.

Quickborn | Uwe Hinrichs hat nichts gegen Ausländer. Sie passen bloß nicht zu Ostfriesland, findet der missmutige Eigenbrötler. Dass Bürgermeister Dietmar Holthagen ausgerechnet ihn als Deutschlehrer für ausländische Fachkräfte verpflichtet, lässt Wut in ihm aufsteigen. „Klei mi an’n Mors!“, ruft der grantige Witwer.

Dieter „Didi“ Hallervorden spielt die Hauptrolle in dem neuen Kinofilm „Ostfriesisch für Anfänger“, dessen Drehbuch der in Quickborn aufgewachsene Autor Sönke Andresen geschrieben hat. Die Geschichte: Nachdem Hinrichs Haus zwangsversteigert worden ist, quartiert der Bürgermeister darin Fachkräfte aus dem Libanon, Russland, Vietnam, Afrika und Südamerika ein. Hinrichs soll Sozialstunden ableisten und die Hinzugezogenen unterrichten. Hochdeutsch beherrscht er allerdings nicht. Hinrichs bringt seinen Schülern deshalb Plattdeutsch bei, was zu einigen Turbulenzen führt.

„Für ihn ist es logisch: Wer in Ostfriesland lebt, muss Platt sprechen“, sagte Andresen im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 39-Jährige spricht zwar nicht Platt, hat aber persönliche Erfahrungen in die Komödie einfließen lassen. Im Anschluss an das Abitur im Jahr 1997 am Quickborner Elsensee-Gymnasium leistete Andresen seinen Zivildienst beim Diakonieverein Migration in Pinneberg und begegnete dabei vielen Menschen aus anderen Ländern. Zudem unterrichtete er nach dem Studium des Fachs Drehbuch in Leipzig und München sowie des Fachs Deutsch für das Lehramt in Utrecht sieben Jahre lang Deutsch als Fremdsprache am Goethe-Institut in Amsterdam. Immer wieder schoss ihm dabei eine Frage durch den Kopf, die in seinem Film Widerhall findet: „Ich dachte mir oft: Was wäre, wenn ich denen Worte beibringe, die es gar nicht gibt?“

Hinrichs Plattdeutsch stellt eine Sprache dar, die es sehr wohl gibt, mit der aber im Film kaum noch jemand rechnet. Für Produzent Benjamin Seikel kommt der Streifen daher zur rechten Zeit: „Die Story ist ein ziemlich ironischer Umgang mit dem Begriff Leitkultur. Aber es steckt eben auch das Fünkchen Wahrheit darin, dass Regionalsprachen wie Platt vom Aussterben bedroht sind, und es wäre wirklich sehr traurig, wenn das so käme“, sagte er.

Sönke Andresen ist in Quickborn aufgewachsen.

Sönke Andresen ist in Quickborn aufgewachsen.

Foto: Frank
 

Als Andresen vor etwa vier Jahren mit der Arbeit am Drehbuch begann, ahnte er nicht, welche gesellschaftliche Aktualität der Stoff erreichen würde. „Ich entwickelte die Idee, als viele südeuropäische Fachkräfte nach Deutschland kamen. Dann hat uns die Realität überholt“, berichtete er. Nach der Ankunft von mehr als einer Million Geflüchteten in Deutschland schlüpften tausende Menschen ähnlich wie Hinrichs über Nacht in die Rolle ehrenamtlicher Deutschlehrer. Angesichts vielerorts erhitzter Debatten über den Flüchtlingszustrom betonte Andresen: „Für mich ist es wichtig, dass man dieses Thema ein bisschen herunterfährt – dadurch, dass man lachen kann.“ Zugleich zeige der Film auch Tiefe und Wärme. Als etwa der Libanese Abdullelah Hinrichs beim Buddelschiffbauen hilft, versteht er, dass die Bärbeißigkeit des Alten nur oberflächlich ist. „Ich wollte zeigen, dass in ihm ein ganz lieber Mensch verschütt gegangen ist“, so Andresen. Der Film feiert am Montag, 24. Oktober, Deutschlandpremiere in Berlin. Bundesweiter Kinostart ist am Donnerstag, 27. Oktober.

Nach der Produktion „Ich fühl mich Disco“ stellt „Ostfriesisch für Anfänger“ Sönke Andresens zweiten Kinofilm dar. Er war zunächst als Fernsehproduktion geplant. Der Norddeutsche Rundfunk, die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein und die Nordmedia Film- und Mediengesellschaft hatten ihn und weitere drei Streifen in ihr Nachwuchsprogramm „Nordlichter“ aufgenommen. Während die Komödien „1000 Mexikaner“, „Plötzlich Türke“ und „Strawberry Bubblegums“ im November im Fernsehen gezeigt werden, landet allein „Ostfriesisch für Anfänger“ im Kino. Grund ist die Besetzung der Hauptrolle mit Dieter „Didi“ Hallervorden. Die Universum Film GmbH berichtete, dass seine Agentur zunächst mitgeteilt hätte, das Drehbuch sei „nichts für den Dieter“. Dennoch habe seine Agentin es weitergereicht und schon bald zurückgemeldet: „Er findet’s großartig!“ Hallervorden lernte das Plattdeutsche innerhalb von zwei Wochen. Seine Dialoge hatte Uwe Andresen, Vater des Drehbuchautors, aus dem Hochdeutschen übersetzt. Gedreht wurde in Garstedt im Landkreis Harburg, in Geesthacht und Ostfriesland. Die ARD wird im Januar Andresens Abschlussarbeit der Filmhochschule München unter dem Titel „Familie Lotzmann auf den Barrikaden“ ausstrahlen. Im Frühjahr wird Andresens erster Tatort gezeigt. „Babbeldasch“ spielt in Ludwigshafen.
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erstellt am 20.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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