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Quickborner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 16:45 Uhr

Porzellanmalerin sagt Adé

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Letzte Ausstellung Künstlerin Maren Nitschke geht in Ruhestand und verkauft ihre Objekte

Bei der Porzellanmalerei sitzt kein Pinselstrich endgültig. „Wenn es mal nicht gelungen ist, kann man es vor dem Brennen einfach wegwischen“, erläutert die Quickborner Künstlerin Maren Nitschke. Nach den Brennvorgängen überdauern die Farben aber länger als bei manch anderen Kunstwerken.

Nach fast 30 Jahren als hauptberufliche Porzellanmalerin und Dozentin in Ellerau, Quickborn und Pinneberg will Nitschke einen Strich unter ihrer Arbeit ziehen – nicht endgültig. Die 75-Jährige möchte weiterhin malen, wegwischen und neu ansetzen, aber nur noch für sich und Freunde. „Ich öffne mein Atelier, weil ich es für immer schließe“, sagt sie.

Am Sonnabend, 12. November, von 10 bis 16 Uhr und am Sonntag, 13. November, von 11 bis 16 Uhr, bietet Nitschke im Keller ihres Hauses in Quickborn, Himmelmoorchaussee 14, hunderte Kunstwerke an: Vasen, Ikonenbilder, Eier, Teller, zudem Acrylgemälde und Glasmalerei. „Das sind 30 Jahre Arbeit. Es ist wehmütig“, sagt sie und betont: „Ich möchte daran nicht reich werden. Die Stücke sollen nur jemandem übergeben werden, der daran Gefallen hat.“ Sie hofft, dass ihre Werke bei anderen Menschen überdauern.

Nitschke entdeckte die Kunst für sich in Brasilien. Ihr Mann arbeitete bei einer Hamburger Reederei und wurde 1976 nach Sao Paulo versetzt. Maren Nitschke suchte dort eine Herausforderung. „Ich hatte Angestellte genug und viel Freizeit“, berichtete sie. An einer Akademie, die der Schule ihrer Töchter angeschlossen war, studierte sie Kunst und spezialisierte sich auf die Porzellanmalerei. Die Vielfältigkeit der Farben und die Vorläufigkeit der Arbeitsweise habe sie fasziniert. Nach der Rückkehr 1981 vermittelte sie ihr Handwerk an der Volkshochschule (VHS), zuerst in Ellerau, ein halbes Jahr später in Quickborn und Pinneberg. Hunderte Teilnehmer lernten bei ihr die Porzellanmalerei. „Das war ganz aktuell. Keiner machte das“, sagte sie.

1998 bestand sie die Prüfungen zum Master Artist und Master Teacher des Verbands International Porcellain Artists and Teachers in Houston (USA). Bei internationalen Konventen ihrer Zunft in den USA, in Südafrika und Südamerika gewann Nitschke erste und zweite Preise, in Hamburg zudem einen Publikumspreis. Als das Paar von 2000 bis 2005 in Rio de Janeiro lebte, setzte die Künstlerin das Quickborner Wappen als Fliese in die berühmte Treppe der Fliesen („Escada dos azulejos“) ein.

2008 zwang eine Krebserkrankung Nitschke, ihre Kurse aufzugeben. „Stille meinen Kummer“ lautet der Titel einer ihrer Porzellan-Ikonen. „Während ich sie gemalt habe, strahlten sie schon Ruhe aus. Wenn ich allein im Wohnzimmer sitze, weiß ich, dass ich nicht allein bin“, sagt sie. Doch auch von einigen Ikonen will sie sich trennen. Künftig möchte sich Nitschke stärker um ihre fünf Enkelkinder in Hamburg und den USA kümmern.

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erstellt am 09.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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