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Quickborner Tageblatt

30. September 2016 | 23:55 Uhr

Thomas Köppl : „Porno-Panne“? Quickborns Bürgermeister wehrt sich gegen Bild-Bericht

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Thomas Köppl, Chef der Stadtverwaltung Quickborn, sorgt mit einem Facebook-Beitrag für Furore.

Quickborn | Der Bürgermeister der Stadt Quickborn, Thomas Köppl (CDU), hat es erneut in die Schlagzeilen bundesweiter Medien geschafft: Nachdem der Chef der Stadtverwaltung im Februar 2015 mit einem kontrovers diskutierten Werbevideo für ein Restaurant in der Eulenstadt für Wirbel gesorgt hatte, verursachte nun ein von ihm verfasster Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook für Furore. Allerdings ging es nicht um den von ihm geäußerten Inhalt, sondern vielmehr um das, was der Betrachter des „Posts“ sonst noch zu sehen bekam.

Köppl schrieb zu einer Debatte um die Partei AfD: „Nein, die AfD ist keine Partei mehr wie jede andere. Nach dem Rausrücken der Demokraten um  Lucke und Co. steht diese Partei nicht mehr auf dem Fundament unseres Grundgesetzes.“ (Orthografiefehler wurden von der Redaktion behoben, Anmerkung der Redaktion) – und darunter veröffentlichte der Bürgermeister einen „Screenshot“ seine Tablets.

Darauf war sowohl ein Auszug aus dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland zu sehen, als auch, welche Homepages Köppl sonst noch in seinem Browser geöffnet hatte. Dabei handelte es sich neben der Online-Enzyklopädie Wikipedia um Sex-Seiten, zum Beispiel „Xhamster“. Die  „Bild“ machte diesen Facebook-Post am Donnerstagabend auf bild.de sowie in ihrer Bundesausgabe am Freitag öffentlich. Die Boulevard-Zeitung titelte: „Steht der Bürgermeister von Quickborn auf Klick-Porn? – Peinliche Porno-Panne im Internet“.

Was wohl unser Bürgermeister dazu sagt?

Posted by Quickborn - meine Stadt on  Donnerstag, 18. Februar 2016

Nach „Bild“-Angaben hat Köppl seinen eigenen Beitrag gelöscht und „kurze Zeit später“ geschrieben: „Also gleich nochmal, man soll nicht alles posten, was man so bekommt.“ Die „Bild“ schreibt in ihrem Beitrag weiter: „Hat er etwa den Auszug des Grundgesetzes inkl. Porno-Leiste selbst als Foto geschickt bekommen – und nur weitergeleitet? Die ‚Bild‘-Anfrage erreichte den Bürgermeister im Tirol-Urlaub an der italienischen Grenze. Er äußerte sich nicht zum Thema. Verdächtig allerdings: Der Porno-Screenshot wurde mit einem iPad gemacht, das sich in einem italienischen Mobilfunk-Netz befindet...“

Köppl räumte am frühen Morgen öffentlich auf der Facebook-Seite „Quickborn – meine Stadt“ ein, Sex-Homepages besucht zu haben. Eigenen Angaben zufolge hat er sich aufgrund eines Gesprächs, das er in einem Skilift mitgehört habe, über die sexuellen BDSM-Praktiken informieren wollen. Bei BDSM handelt es sich um einen Sammelbegriff für sogenannte härtere sexuelle Vorlieben, die oft verkürzt als Sado-Maso bezeichnet werden. „Sorry, da war ich nicht so ‚up to date“, schrieb der Bürgermeister und fügte an: „Auf meinem Zimmer angekommen, habe ich mich mal schlau machen wollen.“

Folgenden Beitrag hat Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) am Morgen unter dem auf den „Bild“-Bericht „Steht der Bürgermeister von Quickborn auf Klick-Porn“ verwiesenen Beitrag „Was wohl unser Bürgermeister dazu sagt?!“ auf der Facebook-Seite „Quickborn – meine Stadt“ verfasst. Der Beitrag des Verwaltungschefs im Wortlaut

Hallo liebe Leser!

Typisch Bildzeitung, ein Teil Wahrheit – ein Teil Mutmaßung und etwas Falsches.

Ja, ich habe die betreffenden Seiten besucht.

Die Publikation der Seiten auf Eurer Seite ist mir auch nicht peinlich oder so. Allerdings gab es eher freundliche Kommentare, welche vom Hauptartikel deutlich ablenkten. Deshalb die Löschung und die bewusste Wiedereinstellung mit Kommentar.
Die Bildzeitung scheint etwas verklemmt zu sein oder die wilden Fantasien der Leser sollen angesprochen werden?!
Kurzum, und das ist peinlich, eine Gruppe junger Männer hat sich im Skilift ausführlich über BDSM (Sammelbegriff für sexuelle Vorlieben, Anmerkung der Redaktion) unterhalten. Sorry, da war ich nicht so „up to date“, auch peinlich. Das nervt. Die Seite „Xhamster“ (leicht zu merken) wurde öfter genannt. Auf meinem Zimmer angekommen, habe ich mich mal schlau machen wollen. Für die Filme war das Netz zu langsam. Wikipedia hat geklappt und „Fifty Shades of Gray“ war bei Wiki auch gut zur Erklärung. Anschließend ging auch gleich das Grundgesetz gut zu finden.
Also, wer sich informieren möchte, kann diese Seiten besuchen.
Ich bin jetzt informiert.

Wer es mag, kann bestimmt viel Spaß mit BDSM haben – ich finde es eher verstörend. Also nicht meins. Hab mit Gewalt generell ein Problem.

Falls ich erneut Informationsbedarf habe, werde ich wieder entsprechende Seiten öffnen. Das ist mir auch nicht peinlich. Im Übrigen dürften auch im Browserverlauf einiger Bildredakteure und einiger User spätestens jetzt Spuren entsprechender Seiten vorhanden sein.

Was nun nicht stimmt ist, dass die Bildzeitung mich in Südtirol rechtzeitig erreicht hat und ich die Aussage verweigert hätte. Mich ernsthaft zu erreichen, hat man auch gar nicht erst versucht. Hätte vielleicht den Artikel zu langweilig gemacht.
Tatsache, es gab einen Anruf bei mir im Büro und eine E-Mail. Eingang in meinem E-Mail-Ordner um 14.30 Uhr mit Rückmeldung bis 16.30 Uhr, spätestens. Da war ich noch nicht zurück.

Liebe Grüße
Thomas Köppl

(Orthografiefehler wurden von der Redaktion dieser Zeitung behoben)

Auf die Reaktion des Bürgermeisters gibt es seitdem zahlreiche Kommentare auf Facebook. Dabei handelt es sich neben hämischen Beiträgen und Kritik in vielen Fällen auch um Verständnis sowie Lob für die Reaktion von Köppl.  

Der 50 Jahre alte Familienvater Köppl dementierte indes, dass er gegenüber der „Bild“ nichts sagen wollte. Die Redaktion der Boulevard-Zeitung habe sich zwar in seinem Quickborner Büro gemeldet und ihm auch eine E-Mail geschrieben, jedoch: „Mich ernsthaft zu erreichen, hat man auch gar nicht erst versucht.“

Im Gespräch mit der Redaktion fügte Köppl an: „Das ist saublöd gelaufen.“ Die Veröffentlichung zeige ihm, dass er wohl „Feinde“ hat, die ihm etwas Schlechtes wollen. Anders sei es nicht zu erklären, dass wenn er mit einem privaten iPad über einen privaten Facebook-„Account“ auf einer privaten Seite etwas postet, in dieser Form nach außen dringt. „Das ärgert mich kolossal.“ Schließlich müsse es doch erlaubt sein, so der Bürgermeister, zu einem Thema zu recherchieren. Für Köppl ist der große Medienrummel nach eigener Aussage nur eins: „Ein Sturm im Wasserglas.“

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von
erstellt am 19.Feb.2016 | 12:00 Uhr

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