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Quickborner Tageblatt

06. Dezember 2016 | 21:49 Uhr

Köppl gewinnt : Nach dem Wahlkrimi in Quickborn - das sagen die Parteien

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Der Quickborner Bürgermeister erhält 50,77 Prozent Zuspruch. Damit geht er in die dritte Amtszeit. Die Parteien analysieren jetzt die Wahl. Die SPD spricht von einem Warnschuss für Köppl.

Quickborn | Thomas Köppl (CDU) bleibt Bürgermeister von Quickborn. Mit einem Ergebnis von 50,77 Prozent r gültigen Stimmen hat er die Wahl um den Posten des Verwaltungs-Chefs gestern gewonnen. Der 50-Jährige wird am 1. November in eine dritte Amtszeit gehen. Köppl sagte: „Das Ergebnis ist ähnlich, wie das vor sechs Jahren. Ich freue mich sehr, weiterhin meine Arbeit machen zu dürfen. Das ist Demokratie, wie sie lebt.“ Das Ergebnis seiner Herausforderin Annabell Krämer (FDP) bewertete er als gut. Sie hatte 124 Stimmen weniger als er erhalten. „Damit kann sie sehr zufrieden sein“, so der Bürgermeister.

Die Wahlbeteiligung lag bei 46,4 Prozent und damit etwas niedriger als bei der Bürgermeisterwahl 2010. Vor sechs Jahren gingen in der ersten Runde 47,3 Prozent der Stimmberechtigten an die  Urnen, bei der Stichwahl waren es aber nur noch 43,6 Prozent. Die Auszählung der Stimmen spannte die Besucher der Ergebispräsentation in der Comenius-Schule sowie bei der CDU-Wahlparty im Hotel Seegarten auf die Folter. Zuletzt schien Krämer etwa 45 Minuten lang mit 113 Stimmen vorn zu liegen. In ihrem Wahlbezirk hatte sie sogar einen Zuspruch von 61 Prozent geholt. Währenddessen herrschte Sprachlosigkeit bei den Christdemokraten. Doch die Hoffnung gaben die etwa 120 Besucher nicht auf. Auch in Norderstedt wurde gestern gewählt. Der CDU-Politiker Hans-Joachim Grote wurde  nach Angaben der Stadt mit 84,4 Prozent der abgegebenen Stimmen zum inzwischen vierten Mal gewählt. Er hatte keinen Gegenkandidaten.

SPD: Ein Warnschuss für Köppl

Jubel bei der CDU: Gegen 19.30 Uhr stand gestern fest, dass der Unionskandidat und Amtsinhaber Thomas Köppl die Quickborner Bürgermeisterwahl mit 50,77 Prozent der Stimmen gewonnen hat. Der Bekanntgabe des Ergebnisses durch Gemeindewahlleiter Volker Dentzin waren spannende Minuten vorausgegangen. Die Herausforderin Annabell Krämer (FDP) hatte ab 18.47 Uhr etwa 45 Minuten lang die Nase vorn, zuletzt mit 113 Stimmen. In sieben von 15 Wahllokalen erhielt sie mehr Zuspruch als Köppl: Comenius-Schule (54,9 Prozent), städtische Kita (50,4 Prozent), Kita des Deutschen Roten Kreuzes (54,3 Prozent), Schießstand (50,9 Prozent), Goetheschule (52,5 Prozent), Hotel Quickborn (61 Prozent) und Waldschule (57,8 Prozent).

„Sie hat sich beachtlich geschlagen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Hermann Hensel. Mit solch einem knappen Wahlergebnis habe er nicht gerechnet. Mit Blick auf Köppl sagte er: „Ich habe ein wesentlich besseres Ergebnis erwartet.“ In Deutschland und darüber hinaus sei allgemein eine Stimmung der Unzufriedenheit festzustellen. „Das hat sich hier niedergeschlagen. Die Leistung, die in den vergangenen sechs Jahren erbracht worden ist, ist mit diesem Ergebnis nicht ausreichend gewürdigt worden“, sagte Hensel.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Bernd Weiher ergänzte: „Thomas Köppl genießt einen wesentlich größeren politischen Rückhalt als Frau Krämer – fraktionsübergreifend.“ Die Mehrheit habe sich für Fachkompetenz und Sachverstand entschieden. „Das ist für uns das Wichtigste“, so Weiher.

Thomas Köppl (l.) steckte seinen Stimmzettel in der evangelischen Kita am Harksheider Weg in die Urne.
Thomas Köppl (l.) steckte seinen Stimmzettel in der evangelischen Kita am Harksheider Weg in die Urne. Foto: Frank
 

Ebenso überrascht wie Hensel zeigte sich Heinrich Kut, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen: „Dass es so eng geworden ist, hätte ich nicht gedacht“, bemerkte er. Kut begrüßte das Wahlergebnis. „Die eingespielte Zusammenarbeit, die mit Thomas Köppl in der Politik gut gewesen ist, wird weiterhin gut sein“, betonte er.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Bernd Weiher freute sich über das Ergebnis.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Bernd Weiher freute sich über das Ergebnis.

Foto: Frank
 

Der Grünen-Ortsvorsitzende Dirk Salewsky sagte: „Ich hatte erwartet, dass so wie in anderen Kommunen des Kreises Pinneberg auch in Quickborn mal eine Frau gewinnt.“ Seiner Auffassung nach geht Köppl gestärkt aus der Wahl hervor. „Ich denke, dass er sich weiter aus dem Windschatten der CDU lösen und parteiunabhängige Entscheidungen treffen kann“, so Salewsky. Diese Entwicklung werde sich für Quickborn positiv auswirken.

FDP-Kreisvorsitzender Günther Hildebrand steht der Wahlverliererin Annabell Krämer zur Seite.
FDP-Kreisvorsitzender Günther Hildebrand steht der Wahlverliererin Annabell Krämer zur Seite. Foto: Frank
 

Die SPD-Fraktionsvorsitzende Astrid Huemke sprach Krämer Respekt für ihren Mut aus, sich zur Wahl zu stellen. Die Mobilisierung der jüngeren Generation gehe auf ihr Konto. „Das hat zu den extrem engen Wahlergebnissen in den Bezirken geführt“, analysierte sie.

Ragna Köppl, Ehefrau des Bürgermeisters, umarmte ihre Parteifreunde gestern im Hotel Seegarten.
Ragna Köppl, Ehefrau des Bürgermeisters, umarmte ihre Parteifreunde gestern im Hotel Seegarten. Foto: Hofmann
 

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Jens-Olaf Nuckel deutete das Wahlergebnis als Warnsignal für Köppl. „Das ist kein Fingerzeig, sondern ein ganzer Zaun. Er muss langsam mal nachdenken, ob sein Stil in Ordnung ist“, mahnte er. Seiner Ansicht nach habe auch Krämer gewonnen. „Respekt, dass sie immerhin fast 50 Prozent der Bürger auf ihrer Seite hat“, sagte Nuckel.

Krämer gab in einer öffentlichen Ansprache nach Bekanntgabe der Ergebnisse offen zu: „Ich bin enttäuscht. Wir sind immer fair und über der Gürtellinie geblieben.“ Im Gespräch mit dieser Zeitung räumte sie ein, dass sie sich das Ergebnis nicht erklären könne. Beim Wahlkampf auf der Straße habe sie stets einen großen Zuspruch erhalten. Möglicherweise hätte sie als Einzelbewerberin mehr Chancen als als Kandidatin der FDP gehabt. „Vielleicht haben es die Bürger doch zu sehr als Parteienwahlkampf empfunden“, so Krämer. Die Vorsitzende des FDP-Ortsverbands Friederike Rübhausen vermutete, dass die Mehrheit der Bürger Köppl aus Bequemlichkeit wiedergewählt habe.

 

 

 

 

 

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erstellt am 25.Apr.2016 | 10:00 Uhr

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