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Quickborner Tageblatt

10. Dezember 2016 | 02:23 Uhr

Tour de France mit Hindernissen : Margwald Pohl fuhr mehr als 1000 Kilometer von Paris nach Niendorf

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Von Paris führte ihn seine Reise quer durch Frankreich, Belgien und entlang der deutsch-niederländischen Grenze bis nach Geldern. Über Bremen und Buxtehude ging es zurück nach Hamburg.

Quickborn | „Ich habe lieber keinem davon erzählt. Wenn ich hätte abbrechen müssen, wäre es mir unangenehm gewesen“, sagt Margwald Pohl. Der 84-Jährige ist am 7. Juni mit dem Rad in Paris gestartet. 14 Tage später kam er in seiner Heimat Niendorf an. Und saß am nächsten Tag wieder im Sattel, um auf seiner Stammstrecke zwischen Quickborn und Hasloh zu radeln. „Ich habe schon verschiedene Strecken ausprobiert, aber ich komme immer wieder hierhin zurück“, sagt Pohl.

Von Paris führte ihn seine Reise quer durch Frankreich, Belgien und entlang der deutsch-niederländischen Grenze bis nach Geldern. Über Bremen und Buxtehude ging es zurück nach Hamburg. „Ich weiß gar nicht, wie viele Kilometer es waren“, ärgert sich Pohl. In Aachen musste er seinen Tacho wechseln lassen, dieser zeigte bei seiner Heimkehr plötzlich null an. „Vielleicht können sie den in der Werkstatt auslesen“, hofft Pohl. Etwa 1200 Kilometer spuckt Google Maps für die Strecke aus. „Das waren definitiv mehr“, sagt Pohl schmunzelnd und ergänzt: „Ich habe mich so oft verfahren und musste mich durchfragen.“ Dabei spricht er kein Wort französisch. Versicherte aber: „Irgendwie bin ich immer da angekommen, wo ich hin wollte.

Dabei war schon der Start in Paris ein Hinderniss. Sein Fahrrad war beim Transport beschädigt worden. „Die kommen in Pappboxen, aber so wie es verbogen war, wurde das Rad vermutlich rausgenommen und beim Ausladen dran rum gezerrt“, berichtet Pohl. Dabei wurde auch die Schaltung beschädigt. „Ich konnte nur auf dem größten Ritzel fahren. Also die Gänge 14 bis 21“, sagt der 84-Jährige. Einfach beim Fahrradhändler reparieren lassen? Fehlanzeige. „Ich hatte das Gefühl, in Frankreich fährt niemand Fahrrad. Rund um Paris gab es nicht eine Werkstatt und an zwei Tagen haben wir ebenso viele Radfahrer gesehen“, berichtet Pohl.

Die etwa 120 Kilometer bis Roye, wo ihm eine Werkstatt empfohlen worden war, fuhr er mit den vorhanden Gängen. „Ich habe die Kette mal manuell umgezogen, aber die sprang sofort zurück“, berichtet Pohl. Neben den technischen Problemen und einigen unplanmäßigen Umwegen bleiben ihm vor allem die Menschen in Erinnerung. „Ich habe viele kennengelernt. Wenn es schief gegangen ist, haben sie mich immer wieder auf die Strecke gebracht“, freut sich Pohl. Mit einigen habe seine Lebensgefährtin, die Englisch und Französisch spreche, bereits Kontakt aufgenommen.

Als er mit 65 Jahren in Ruhestand ging, entdeckte er das Radeln für sich. Mit 77 Jahren startete er seine erste große Tour vom Nordkap nach Hamburg. Es folgten Radreisen um die Ostsee, nach Weißrussland und quer durch Deutschland. Doch soll die Frankreichrundfahrt seine letzte gewesen sein. „Ich bin 84 und irgendwann muss auch für mich mal Schluss sein“, sagt Pohl. Vor allem die Ardennen hätten ihm zu schaffen gemacht. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel rauf und runter geht“, erinnert sich Pohl. Teilweise habe er das Rad mehrere Kilometer geschoben. Immer in Abschnitten. „Da ging mir meine Pumpe und ich wusste, danach, was ich am Flachland so schätze“, berichtet Pohl. Das Radfahren generell aufgeben wolle er aber nicht. Derzeit trainiere er wieder für die Cyclassics.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 13:45 Uhr

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