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Quickborner Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Neuer Zuschuss : Geld für die Flüchtlingsbetreuer

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Das Land sagt 37,5 Millionen Euro zu. Ist damit die Arbeit von Diakonie und Caritas gesichert?

Quickborn | Es gibt Hoffnung auf eine Verlängerung der Verträge der hauptamtlichen Flüchtlingsbetreuer in Quickborn. Wie berichtet, war die Finanzierung der Stellen ab 2017 bisher unklar. Bei der zweiten Flüchtlingskonferenz der schleswig-holsteinischen Landesregierung am Mittwoch in Lübeck hat Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) den Kommunen für 2017 aber eine Unterstützung in Höhe von 37,5 Millionen Euro zugesagt. Das geht aus einer Pressemitteilung der Landesregierung hervor.

Die Unterstützung besteht demnach aus zwei Teilen: einem Integrationsfestbetrag in Höhe von 17 Millionen Euro sowie einer Integrations- und Aufnahmepauschale in Höhe von 1250 Euro pro Geflüchtetem. Erstmals zahlt das Land diese Pauschale auch für Kinder, Angehörige aus dem Familiennachzug und Minderjährige ohne Begleitung von Erziehungsberechtigten. Für 2018 sicherte das Land den Kommunen einen Festbetrag in derselben Höhe zu. Die Pauschale soll dann mindestens 750 Euro pro Kopf betragen.

Volker Dentzin, Leiter des Fachbereichs Einwohnerangelegenheiten im Quickborner Rathaus, sagte gestern: „Es ist noch nicht so weit, dass wir diese Erträge im Haushalt festhalten und Verträge unterschreiben können, aber die Signale stimmen uns hinsichtlich der Beratungsstelle positiv.“

Wie berichtet, stellten das Diakonische Werk Hamburg-West/Südholstein und der Caritasverband für Schleswig-Holstein zum 15. Mai mit Christian Chinery und Richard Döbler jeweils einen vollzeitlichen Geflüchtetenbetreuer sowie mit Mirija Mullikas und Felicitas Straßberger jeweils eine Verwaltungskraft mit einer Viertelstelle ein. Die Stadt Quickborn finanziert diese Mitarbeiter aus der Integrations- und Aufnahmepauschale des Landes, die aber zum Jahresende ausläuft. Angesichts der knappen Stadtkasse beschloss der Sozialausschuss daher, den Kooperationsvertrag mit der Diakonie und der Caritas nur zu verlängern, wenn das Land auch künftig die Kosten übernimmt. Nötig sind pro Jahr 160.000 Euro.

Weitere Unklarheiten

Unklar ist, ob Albigs neues Doppelmodell diese Kosten abdeckt. 2016 zahlte das Land zwar keinen Festbetrag, dafür aber eine höhere Pauschale. Sie betrug pro Asylsuchendem 1000 Euro und seit März 2000 Euro. In diesem Jahr wurden der Stadt bisher 110 Geflüchtete zugewiesen. 15 Personen kamen durch den Familiennachzug nach Quickborn. Dentzin rechnet damit, dass die Stadt daher bis Jahresende etwa 200.000 Euro aus der Pauschale einnehmen wird.

Sollten 2017 ebenso viele Schutzsuchende nach Quickborn kommen, würde die Stadt 156  250 Euro erhalten. Dieser Betrag würde die Kosten knapp decken. Wenn Quickborn weniger Geflüchtete zugewiesen werden sollten, könnte der neue Integrationsfestbetrag die Differenz ausgleichen. Offen ist, wie er zwischen den Kreisen, Städten und Gemeinden aufgeteilt wird. „Die Arbeit wird vor allem bei den Städten und Gemeinden gemacht. Man müsste daher davon ausgehen, dass ein Großteil des Geldes auch dort landet“, sagte Dentzin. Noch sei aber unbekannt, welcher Anteil an die Kreise und welcher an die Gemeinden und Städte fließt.

Ohne hauptamtliche Mitarbeiter kann die Integration geflüchteter Menschen in Quickborn nicht gelingen. Darin sind sich Christian Rohde, Leiter der Werkstatt Quickborn und Mitarbeiter des Diakonischen Werks Hamburg-West/Südholstein, Anda Ždravac-Vojnovic vom Caritas-Migrationsdienst Quickborn und der Ehrenamtskoordinator Mathias Wittig  einig. In der Eulenstadt sei innerhalb von zwei Jahren eine gute Struktur zur Aufnahme und Integration geflüchteter Menschen gewachsen. Mehr als 160 Freiwillige kümmerten sich in ihrer Freizeit um die Asylsuchenden. „Ohne unsere Ehrenamtlichen wäre das nicht gegangen, aber wir brauchen auch die fachliche Unterstützung“, betonte Rohde im Gespräch mit dieser Zeitung. Ždravac-Vojnovic sagte: „Ehrenamtliche sorgen dafür, dass sich die Leute wohlfühlen. Wir sorgen dafür, dass der Rahmen gegeben ist.“ Die freiwilligen Helfer könnten zum Beispiel Wohnungen und Jobs finden, bräuchten aber Hinweise, unter welchen Voraussetzungen die Asylsuchenden die Verträge abschließen dürfen. Zum Teil stünden die Ehrenamtlichen vor Problemen, mit denen sie allein nicht zurechtkämen. Die Fachkräfte wüssten aber, was zu tun ist, wenn zum Beispiel im Kindergarten Anzeichen für Traumatisierungen bei geflüchteten Kindern auftreten. Rohde erläuterte: Bei drohenden Abschiebungen könnten sie darauf hinweisen, welche Rechtsmittel eingelegt werden können. Ohne die hauptamtlichen Kräfte ließe sich die Gesamtstruktur der Flüchtlingsbetreuung nicht aufrechterhalten. Die Gefahr: Die Asylsuchenden könnten sich in Parallelgesellschaften zurückziehen. Das wäre das Ende der Integration.
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erstellt am 11.Nov.2016 | 12:15 Uhr

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