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Quickborner Tageblatt

30. Juli 2016 | 18:49 Uhr

Nach der Silberhochzeit ist Schluss : Freiwillige Feuerwehr Quickborn sehnt nach 25 Jahren neue Drehleiter herbei

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Die Zahl der Einsätze lag im vergangenen Jahr bei 276.

Quickborn | Silberne Hochzeiten sind für gewöhnlich ein Grund zur Freude. Die zwischen der Freiwilligen Feuerwehr Quickborn und ihrer Drehleiter allerdings nicht. 25 Jahre hat das Einsatzfahrzeug der Brandschützer aus der Eulenstadt bereits auf dem Buckel. „Alte Lady“ nennen sie die Kameraden zwar liebevoll, sehnen aber dennoch ihre Nachfolgerin herbei. Die Ausschreibung ist immerhin beendet. „Aber die Lieferzeit beträgt locker ein Jahr. Von 2016 gehe ich deshalb nicht mehr aus“, sagt Wehrführer Wido Schön und ergänzt: „Das ist sehr schade, da die ,Alte Lady‘ schon ein paar Macken hat.“

Bei dem Brand eines Wohnhauses in der Feldstraße am 6. Januar tat sie einwandfrei ihren Dienst, obwohl sie zunehmend belastet wird. Daran wird sich auch 2016 nichts ändern, wenn sich die Entwicklung fortsetzt, die Schön und seine Kameraden für das vergangene Jahr konstatiert haben. „Wir haben eine steigende Tendenz in den Einsatzzahlen“, sagt der Wehrführer. Rückten die Quickborner Brandbekämpfer 2014 „nur“ 184 Mal aus, waren es 2015 276 Einsätze. „Der Schnitt der vergangenen fünf Jahre liegt bei 242 Einsätzen pro Jahr“, fügt Schön eine statistische Angabe hinzu.

Die Zahlen hätten vielfältige Ursachen, sagt Schön, der am 6. Februar 2015 in sein neues Amt gewählt wurde, das er am 8. April von Christof Fehrs übernahm. „Die Unwettereinsätze haben stark zugenommen“. Meldungen wie „Baum droht zu kippen“ oder ähnliche gaben im vergangenen Jahr 96 Mal Anlass zum Ausrücken. Hinzu kommt der Ausbau der Autobahn 7. „Es ist ganz klar ersichtlich, dass die Einsatzzahlen auf der Autobahn seit Beginn der Baustelle hochgehen“, so Schön. 33 Mal seien Quickborner Kameraden 2015 ausgerückt, davon 19 Mal zur Unterstützung des Rettungsdiensts. Dabei bewähre sich das Konzept, dass jeweils eine Wehr aus Norden und Süden alarmiert wird, um an die betreffende Unfallstelle zu gelangen, erklärt Pressesprecher Thorsten Wiehe.

Private Rauchmelder

Grund Nummer drei in Schöns Bilanz: private Rauchmelder. „Ganz klar, wir begrüßen Rauchmelder, weil sie Menschenleben retten. Aber sie lösen eben auch Fehlalarme aus“, sagt Schön. Deshalb lautet seine Forderung: „Die Leitstelle muss die Qualität der Abfrage erhöhen, wenn der Alarm ausgelöst wird.“ Darüber stehe man im Austausch.

Eine Ursache, einzustufen in die Kategorie vermeidbar, sind laut Schön zahlreiche kleine Einsätze: „Die Hemmschwelle, die Feuerwehr zu rufen, ist niedriger geworden.“ Dass die Quickborner bisweilen wegen Bagatellen ausrücken müssen, nimmt Schön zum Anlass, um mit einem Irrtum, aufzuräumen: „Schon in einer Stadt wie Quickborn gehen Leute oft davon aus, dass es sich um eine Berufsfeuerwehr handelt – dabei gibt es in ganz Schleswig-Holstein gerade einmal vier davon“, verweist der Wehrführer auf die Kameraden aus Kiel, Flensburg, Lübeck und Neumünster.

„Wenn es piept, werden wir entweder aus der Arbeit gerissen oder aus der Freizeit“, sagt Schön. Besonders nachts sei das gravierend. „Passiert das um drei oder vier Uhr morgens, dann ist die Nacht gelaufen.“ Fast 80 Prozent der Einsätze 2015 – das ohne Großfeuer an den Eulenstädtern vorüberging – fanden laut Wehrführer allerdings tagsüber statt. Dann seien etwa 30 Leute sofort verfügbar, da sie in Quickborn arbeiten und für Einsätze der Feuerwehr freigestellt werden. „Da haben wir momentan personell kein Problem, aber langfristig sehe ich da eins auf alle Wehren zukommen“, sagt Schön. Dafür seien Strategien gefragt.

Eine sei die Hilfe von Kameraden aus umliegenden Gemeinden und Dörfern. Wie zuletzt Anfang Januar, als Brandschützer aus Bilsen, Bönningstedt, Hasloh und Pinneberg die Quickborner unterstützten. „Wir haben freundschaftliche Verhältnisse zu den Nachbarwehren, die wir auch pflegen“, betont Schön. Kooperationen seien ein Weg, um die personelle Schlagkraft aufrecht zu halten. Nach knapp zehn Monaten im Amt des Wehrführers resümiert er: „Es gibt viel zu tun – und es macht Spaß.“ Sein Nachfolger in der Funktion des Pressesprechers, Thorsten Wiehe, sagt: „Dem schließe ich mich an.“

Zu den zahlreichen Aufgabengebieten „des zweiten Jobs“, wie Schön die Tätigkeit in der Feuerwehr nennt, zählt auch, die Ausschreibung für die Atemschutzgeräte vorzubereiten, die nach der Drehleiter als nächste Anschaffung anstehen. „Die jetzigen sind so veraltet, dass kaum noch Ersatzteile dafür zu bekommen sind“, sagt Schön und betont die Notwendigkeit: „Bei diesem Thema geht es nicht um Gesundheit, sondern um Leben.“ Genauer um die Leben von 107 aktiven Quickborner Brandschützern, die Menschen retten. In ihrer Freizeit.

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erstellt am 22.Jan.2016 | 14:00 Uhr

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