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Quickborner Tageblatt

05. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Von jetzt auf gleich zum Pflegefall : Ein neuer Verein möchte Antworten geben

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Gesundheit: Fragen zum rechtlichen Rahmen oder zur Vorsorge gibt es viele – ein neuer Verein möchte Antworten geben.

Quickborn | An die Zukunft gedacht und Vorsorgen getroffen – viele Menschen denken, sie haben alles richtig gemacht. Doch Sönke Gedaschko nennt Zahlen, die erkennen lassen, in welcher falschen Sicherheit sich viele Menschen wiegen: „Man sagt, dass 30 Prozent der Menschen eine Patientenverfügung haben. Aber etwa 70 Prozent dieser Verfügungen halten juristisch nicht Stand.“ Ein häufiger Fehler: Die Verfügungen sind zu ungenau und decken zu wenig Fälle ab.

Die Frage nach den Patientenverfügungen sind nur ein Bereich, der beim Thema Pflege und Vorsorge zu Fehlern führen kann. Um solche Fallstricke aufzuzeigen und Lösungen anzubieten, hat Gedaschko nun einen Verein gegründet. Die Initialzündung war dabei ein Ereignis, dass den Quickborner selbst zum Betroffenen gemacht hat. „Ich hatte einen Sportunfall und musste mehr als zehn Mal operiert werden“, sagt Gedaschko. Kurzzeitig war er auf einen Rollstuhl angewiesen – und hat gemerkt, mit welchen Problemen er plötzlich konfrontiert war. „Irgendwann wollte man mich aus dem Krankenhaus entlassen – aber wer sollte sich jetzt um die Pflege kümmern? Wie duschen mit Rollstuhl?“ Gedaschko wurde unterstützt von seiner Familie, doch plötzlich auf Hilfe angewiesen zu sein, schärfte seinen Blick für die Probleme von Pflegebedürftigen. Mit dem Verein zur Pflegestufenverordnung will er nun solchen Menschen helfen. Bei der Gründung geholfen hat der Umstand, dass Gedaschko als Gesundkeitsökonom seit 20 Jahren in der Branche arbeitet und so einiges an Erfahrung mitbrachte.

Der Verein stellt eine Hotline zur Verfügung, wo Betroffene um Rat bitten können. Schwerpunkte seien dabei Fragen zur Vorsorge, Organisation und zur rechtlichen Auseinandersetzung. Oft ginge es bei der Beratung um die Vermittlung zu anderen Stellen oder das Aufzeigen neuer Möglichkeiten. „Ein Beispiel sind die sogenannten Pflegehilfsmittel“, erklärt Gedaschko. Gemeint sind etwa Handschuhe, die bei der Pflege benötigt werden. „Die meisten kaufen diese Sachen einfach im Supermarkt und zahlen sie selbst. Dabei wird so etwas mit 40 Euro von der Pflegekasse übernommen“, erklärt er. Dieses Beispiel zeige, dass viele Menschen gar nicht wissen, was bei der Pflege erstattet werden kann.

Die Ratschläge werden dabei von zehn Vereinsmitgliedern gegeben. Viele von ihnen würden sich deshalb gut auskennen, weil sie selbst betroffen seien. Ihre Arbeit ist ehrenamtlich; der Verein ist gemeinnützig und finanziert sich aus Spenden. „Wir sind keine Versicherung und wollen diese auch nicht verkaufen. Aber wir wollen Unterschiede aufzeigen und verschiedene Möglichkeiten aufzählen“, sagt Gedaschko. Auch für juristischen Rat oder die Empfehlung von Pflegediensten sei man nicht zuständig. „Wir sehen uns eher als Vermittler.“

Der in Quickborn ansässige Verein zur Pflegestufenverordnung stellt eine Hotline für Fragen rund um das Thema Pflege und Vorsorge an. Erreichbar ist der Verein unter der Nummer 0800-5890505. Der Anruf ist kostenlos. Das Büro ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr besetzt. Weitere Informationen erhalten Interessierte auf der Internetseite des Vereins.

Der Verein ist erst seit kurzen aktiv und bearbeitet dennoch 20 bis 30 Anfragen jeden Tag. Die Anrufe kämen dabei aus dem gesamten Bundesgebiet. In Zukunft wolle man die Beratung auch auf Russisch und Türkisch anbieten. Ein großes Thema, das demnächst anstehe, sei auch die Reform der Pflegestufen ab Januar 2017. Durch die neue Einteilung in Pflegegrade, die auch geistige Zustände wie Demenz berücksichtigen, wird sich vieles bei der Pflege ändern. „Wir gehen davon aus, dass etwa 500  000 Menschen mehr in den Pflegebedarf eingeteilt werden“, sagt Gedaschko. Er rechne mit vielen Anfrage zu der anstehenden Reform. Doch viel sei ihm auch daran gelegen, Menschen, die bislang ohne Pflegebedarf auskommen, anzusprechen. „Ich rede nicht von den 80- oder 90-Jährigen, sondern auch von jüngeren Menschen, die Unfallopfer oder schwer krank werden können. Ich will Bewusstsein schärfen.“

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erstellt am 21.Okt.2016 | 12:45 Uhr

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