zur Navigation springen

Quickborner Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:18 Uhr

Nach Unfall : Diskussion um hochstehende Gehwegplatte

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Karin Kahl aus Quickborn stürzte über eine hochstehende Gehwegplatte. Die Behörde weist Verantwortung zurück.

Quickborn | Eine gute Warnung vor einer Stolperfalle stellt nach Ansicht des Landes die Stolperfalle selbst dar. Diese Einsicht geht aus einem Schreiben des Kommunalen Schadenausgleichs (KSA) Schleswig-Holstein, der Haftpflichteinrichtung des Landes, an ein Quickborner Ehepaar hervor.

Das Landgericht Lücbeck entschied am 13. Dezember 1990 über einen ähnlichen Fall. Damals war ein Bürger in Reinbek über drei lose Gehwegplatten gestürzt, die zwei bis fünf Zentimeter in die Höhe ragten. Er brach sich einen Arm, war mehr als drei Monate lang arbeitsunfähig, hatte einen Verdienstausfall zu beklagen und forderte einen Schadensersatz in Höhe von 1500 DM. Doch das Gericht lehnte die Klage ab. Begründung: „Der Verkehrssicherungspflichtige muß jedoch nicht jeden Gefahrenzustand beseitigen. Er muß vielmehr nur die Gefahren ausräumen, die für einen Benutzer, der die erforderliche Sorgfalt walten läßt, nicht oder nicht rechtzeitig erkennbar sind; mit gewissen Unebenheiten müssen Fußgänger rechnen.“ Der Bürger hätte mit etwas Sorgfalt ausweichen können.

Karin und Detlev Kahl hatten an einem Sonnabend im Oktober einen Spaziergang unternommen. Es war noch hell, als sie gegen 19 Uhr nebeneinanderher einen Gehweg an der Kieler Straße Richtung Nordwesten entlang schlenderten. In Höhe der Hausnummer 47 stieß Karin Kahls Fuß plötzlich gegen die Kante einer Gehwegplatte, die durch das Wurzelwerk einer Birke etwa drei Zentimeter nach oben gedrückt worden war. Die 74-Jährige verlor das Gleichgewicht. Ihrem Ehemann gelang es nicht, sie aufzufangen, sodass sie mit dem Gesicht auf die Steinplatten stürzte. Der Mittelsteg ihrer Brille zerbrach. Sie prellte sich die Nase sowie die Oberlippe und schürfte sich die Hand auf. „Meine Knie und die Hand waren blau. Die Nase war doppelt so breit und abgeschürft“, berichtete sie. Gebrochen hatte sie sich nichts, aber ihr Gesicht hätte aber noch tagelang geschmerzt. Die Brillenreparatur kostete etwa 100 Euro.

Da sich der Unfall auf einem öffentlichen Weg ereignet hatte, schrieb Detlev Kahl eine E-Mail an die Verwaltung. „Es gibt dort kein Warnschild über Schäden“, beklagte sich der 73-Jährige. Seiner Ansicht nach sei die Stadt für den ordnungsgemäßen Zustand der Gehwege verantwortlich.

Als Antwort erhielt Kahl etwa zehn Tage später ein Schreiben der KSA. Die Einrichtung weigert sich darin, Schadenersatz zu zahlen. Grund: Eine Plattenverkantung von wenigen Zentimetern stelle „keine objektive Gefahrensituation dar“. Die Plattenverkantungen seien unverkennbar. „Gerade aber dieser Umstand ist es, der auch dem Fußgänger einen Hinweis auf eine teils eingeschränkte Begehbarkeit liefert.“ Vor allem auf Wegen neben Bäumen sei mit Unebenheiten zu rechnen. „Ausmaße von vier Zentimeter und mehr sind hier keine Zahlen, die von der Rechtsprechung toleriert werden“, führte der KSA aus und verwies auf ein Urteil des Landgerichts Lübeck von 1990.

Kahl empfindet diese Begründung als kurios. Wenn man nicht genau hinsehe, reiche ein Zentimeter aus, um zu stolpern. „Ich finde das unmöglich, dass die Stadt die Verantwortung abstreitet“, sagte er. Karin Kahl wurde nach dem Unfall von vielen Seiten auf ihre blauen Flecken angesprochen. „Da hörte ich von allen Ecken: Das ist mir auch passiert. Das ist das Quickborner Pflaster.“ Jens Kröger, der neben der Unglücksstelle wohnt, berichtete unserer Zeitung von vielen Unfällen auf dem Weg. Die Wurzeln hätten auch Teile der Radspur hochgedrückt, sodass eine Radlerin stürzte. Kahls Anwalt riet von einer Klage ab. „Da lassen Sie nur Geld. Da ist kein Durchkommen“, habe der Rat des Juristen gelautet. Uwe Scharpenberg, Leiter des Fachbereichs Tiefbauten, kündigte eine Reparatur des Gehwegs an. Seine Mitarbeiter würden die Hauptstrecken alle acht bis zehn Wochen in Augenschein nehmen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 03.Nov.2016 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen