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Quickborner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 04:57 Uhr

Brandschutz in Ellerau : Die Feuerwehr will eine eigene Drehleiter

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Elleraus Wehrführer stellt Vereinbarung mit Quickborner Kameraden über gegenseitige Hilfe auf den Prüfstand.

Ellerau | Auf dem Papier sieht die Vereinbarung zwischen den Feuerwehren Ellerau und Quickborn aus dem Jahr 2012 über gegenseitige Hilfeleistung gut aus. Im Ernstfall könnten sich nach Einschätzung des Ellerauer Wehrführers Jan Ahlers daraus aber Risiken ergeben. „Der Vertrag ist nicht einzuhalten“, sagte er unserer Zeitung. Er empfiehlt, die Vereinbarung aufzulösen. Der Segeberger Kreiswehrführer Holger Gebauer teile diese Auffassung.

Die Kommunen beschlossen 2012, dass die Quickborner Feuerwehr bei Bedarf mit ihrem Drehleiterfahrzeug nach Ellerau ausrückt. Im Gegenzug sollen die Ellerauer zu Einsätzen in Quickborn-Heide fahren, bei denen Menschenleben in Gefahr sind.

Hintergrund: Die Ellerauer Wache liegt näher an dem Ortsteil Heide als die Quickborner. Daher sollte die Ellerauer Wehr sicherstellen, dass bei Einsätzen in Heide die vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten eingehalten wird. Im Gegenzug kann die Ellerauer Wehr nur mit der Quickborner Drehleiter gewährleisten, dass bei zwei Ellerauer Hochhäusern am Steindamm und einem dritten an der Stettiner Straße der vorgeschriebene zweite Rettungsweg aufgebaut wird. Laut Landesbauordnung von 2009 dürfen bei Gebäuden mit Etagen in einer Höhe von mehr als acht Metern keine Schieb-, sondern nur Drehleitern eingesetzt werden. Der spätere Hochhausbau war ein Anlass für die Vereinbarung.

Das Problem: Die Quickborner Feuerwehr erhält ihre Einsatzbefehle von der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn (KRLS-West), die Ellerauer dagegen von der Integrierten Leitstelle Holstein in Norderstedt. Die Norderstedter Leitstelle darf die Quickborner Drehleiter nicht direkt anfordern. Sie muss dazu in Elmshorn anrufen. Das aber kostet Zeit. Die Hilfsfrist beginnt mit der Annahme des Notrufs in der Leitstelle. Das Telefonat darf zwei Minuten dauern, sodass der Feuerwehr acht Minuten bis zum Einsatzort bleiben. Wenn sich aber zwei Leitstellen abstimmen müssen, vergehen nach Erfahrung von Jan Sahlmann, dem Diensthabenden Schichtführer der KRLS-West, bis zu zwei Minuten. Den Quickbornern bleiben damit nur noch sechs Minuten für den Weg zur Wache an der Marktstraße und zu den etwa drei Kilometer entfernten Hochhäusern. Nach Ahlers Ansicht gilt die Hilfsfrist auch dann für die Drehleiter, wenn schon ein anderer Feuerwehrtrupp am Unglücksort eingetroffen ist.

Er verglich zudem die Alarmzeiten anhand der Angaben der Wehren im Internet. Bei den 22 parallel gefahrenen Einsätzen zwischen Januar 2013 und September 2016 ergab sich: Im Schnitt wurde die eine Wehr um drei Minuten und 20 Sekunden später als die andere alarmiert. Der Wehrführer sieht noch ein weiteres Problem: Laut Vertrag soll er einen Ortsteil mitversorgen, der eine ähnliche Größe wie Ellerau hat. Seine Truppe bräuchte dazu ein weiteres Löschfahrzeug, das etwa 400  000 Euro kostet, und dafür eine Besatzung mit weiteren 27 Kameraden. „Das ist eine Last, die wir nicht tragen können“, sagte Ahlers. Seiner Wehr gehören 64 aktive Kameraden an, von denen tagsüber etwa zehn Prozent zur Verfügung stehen. „Wenn eine Fahrzeugbesatzung wegfährt, sind alle weg, die etwas machen können“, so der Wehrführer. Nicht zuletzt wird der S  21-Ausbau dazu führen, dass die Ellerauer auf dem Weg nach Quickborn-Heide öfter vor der Schranke stehen.

Ahlers empfiehlt: Die Kommunen sollen den Vertrag kündigen. Statt eines dritten Löschwagens sollte sich Ellerau eine eigene Drehleiter anschaffen, am besten noch 2016. Die Stadt Norderstedt biete ein gebrauchtes Fahrzeug an. Nachteil: Die Ellerauer Wehr müsste dafür neun zusätzliche Kameraden gewinnen.

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erstellt am 01.Dez.2016 | 16:30 Uhr

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