zur Navigation springen

Quickborner Tageblatt

04. Dezember 2016 | 15:23 Uhr

„Ein unrühmliches Schauspiel“ : Debatte um das Thema Nahversorger in Bönningstedt

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Bönningstedter Ex-Politiker Günther Ringle prangert Vorgehensweise an: Eingriff der Politik in die Ökonomie.

Bönningstedt | Beim Thema „Edeka“ geht Professor Günther Ringle der Hut hoch: Er ist genervt von den Bemühungen der Gemeinde, auf den Arealen von Ford Bunge und Blumen-Fromme ein neues Geschäftszentrum zu errichten.

Viele Jahre lang war in der Bönningstedter Kommunalpolitik aktiv: zunächst von 1982 bis 1986 im Vorstand des CDU-Ortsvereins, 1994 dann gehörte er zu den Mitbegründern der Bönningstedter Wählergemeinschaft (BWG). Zwei Wahlperioden lang war er Vorstandsmitglied der BWG, war jedoch aufgrund seiner beruflichen Situation weder Gemeinderat noch Ausschussmitglied.

2000 kam der Bruch mit der BWG und Ringle zog sich aus der Politik zurück. Dennoch war er im Hintergrund aktiv, leitete zuletzt den Arbeitskreis Verkehrberuhigung und -sicherheit. Das politische Geschehen verfolgt der Wirtschaftswissenschaftler, Diplom-Kaufmann und -Volkswirt immer noch aufmerksam. So auch die Debatten um die Ansiedlung eines Nahversorgers.

„Das bisherige Vorgehen irritiert und hat das Potenzial, die Bevölkerung zu spalten. Und zwar nicht allein wegen des Projektes selbst, sondern wesentlich ausgelöst durch die Art und Weise, wie ein Großteil der Gemeindevertretung damit umgeht“, erklärte Ringle im Gespräch mit dieser Zeitung. Zwischen den Wünschen der treibenden Kräfte und deren unnachgiebiger Verfolgung zeige sich eine dritte Dimension: die des kläglichen Taktierens der zuständigen Gemeindegremien, so sein Fazit.

,Dynamische Unternehmer‘

„Teile der hiesigen CDU-Ortsgruppe zeigen sich hoch motiviert und engagiert, das Projekt umzusetzen“, sagte er – und stellt die Frage, was den Politikern den wiederholt bekundeten Auftrag verschafft, zwei alteingesessenen Bönningstedter Unternehmen, die sich um die Gemeinde verdient gemacht haben, bei der Verwertung ihrer Betriebsflächen zu unterstützen.

„Der große Ökonom Schumpeter würde dazu sagen: Ein ,dynamischer Unternehmer‘ bedarf einer solchen Förderung nicht, er weiß sich in geeigneter Weise den Marktveränderungen anzupassen“, betonte Ringle. Andernfalls sei anzuraten, eine kompetente Unternehmensberatung in Anspruch zu nehmen.

Die politische Einmischung in ökonomische Prinzipien berge Gefahren: „Man sollte bedenken: Politische Einflussnahmen, denen auch nur ein Hauch von Gunsterweisung anhaftet, drohen das Klima im Ort zu beschädigen und geben der ohnehin verbreiteten Verdrossenheit der Wähler weiteren Auftrieb“, warnte Ringle.

Problematisch sieht Ringle auch Behauptungen eines Gemeindevertreters hinsichtlich der Stimmung in der Bevölkerung zur Ansiedlung an diesem Standort. „Dazu holte dieser die Meinung lediglich einiger weniger Einwohner ein. Was ihn aber nicht davon abhielt, daraus den nach den Regeln der Ökonometrie, also der Statistik, absurden Befund herzuleiten, die örtliche Bevölkerung sei deutlich überwiegend für die Ansiedlung eines Edeka-Marktes“, monierte der Wissenschaftler. Aussagen ohne Repräsentanz seien nicht nur wertlos, sondern auch anmaßend.

Ringle ist sich sicher

„Die Gemeinde wäre gut beraten gewesen, bereits im Frühstadium des Beratungsprozesses eine seriöse Umfrage in Auftrag zu geben, um des Volkes Stimme zur Geltung zu bringen“, sagte Ringle. Das hätten nicht nur die Zweifler, Kritiker und Ablehner des Projektes zu schätzen gewusst, ist sich Ringle sicher.

Beim Argument der „Sicherung der Nahversorgung in der Gemeinde Bönningstedt“ kann er nur den Kopf schütteln: „Als ob es gelte, eine klaffende Versorgungslücke zu schließen. Solche Sicht entbehrt jeder Grundlage“, betonte Ringle. Tatsächlich sei die Gemeinde bestens versorgt. „Diesen Standpunkt nimmt nicht zuletzt die Landesplanung in Kiel mit ihrer wiederholt bekundeten ablehnenden Haltung ein“, sagte er.

Im Ganzen mute die Bönningstedter Kommunalpolitiker der Bevölkerung ein unrühmliches Schauspiel ohne absehbares Ende zu. „In letzter Konsequenz läuft es darauf hinaus, dass das während der absoluten CDU-Mehrheit im Gemeinderat der 1980-er Jahre geschaffene Ortszentrum, der Bönningstedter Markt – der Verödung preisgegeben wird“, so die Meinung des ehemaligen Politikers.

Auch über weitere Belastungen des Verkehrs auf der Kieler Straße durch An- und Abfahrten ganz in der Nähe des zentralen Verkehrskreuzes im Ort werde kaum nachgedacht. „Und wer mag an das vollmundige Versprechen glauben, im weiteren Gang der Dinge würde für Transparenz durch schrittweise Information der Bevölkerung gesorgt?“, stellte Ringle in den Raum.

„Bürgernahe Politik vor Ort“, „Mehr Bürgernähe und Bürgerbeteiligung“ und „Mitbestimmung“ seien in der Wahrnehmung einer breiten Öffentlichkeit nicht mehr als nur Schlagworte aus den Parteiprogrammen zurückliegender Kommunalwahlen. „Noch ist Zeit, und es sollte alles getan werden, diesen Eindruck zu korrigieren“, schließt Ringle.
 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 25.Mai.2016 | 12:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen