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Quickborner Tageblatt

03. Dezember 2016 | 07:50 Uhr

Quickborn : Bürger zweifeln am Gutachten 2030

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Kritik Unternehmer befürchten Nachteile, wenn Stadt Wachstum reguliert

Soll Quickborn die Wachstumsbremse ziehen? Einige Bürger zweifeln an dem Kurs, den Politiker und Rathausmitarbeiter jüngst ausgaben. Wie berichtet, sprachen sie sich für das sogenannte Intro-Szenario des Gutachters Peter Kramer (Foto) aus. Demzufolge wüchse Quickborn auch ohne neue Baugebiete bis 2019 um fünf Prozent. Entschiede sich die Stadt dagegen für das Extro-Szenario und verkaufte sämtlichen Interessenten Bauplätze, stiege die Einwohnerzahl bis 2023 um elf Prozent. Kramers zufolge könnte die Infrastruktur dieses Wachstum nicht auffangen. Der Kommune fehlten zum Beispiel 35 Kita-Gruppen.

Als er am Dienstag sein Gutachten zur „Bevölkerungs- und Gemeinbedarfsentwicklung der Stadt Quickborn bis zum Jahr 2030“ während einer Sondersitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt vorstellte, plädierten einige der fast 20 Besucher trotzdem für Wachstum. Der Bauunternehmer Joachim Schaffarzyk etwa wies auf die örtlichen Firmen hin. „Wir brauchen Wachstum, damit diese Leute leben können“, sagte er. Er zeigte sich verwundert darüber, dass das Gutachten anscheinend das Gegenteil empfehle. Besucher Thomas Blaume warnte: „Stagnation ist Rückschritt.“ Wenn Quickborn sich nicht um seine Bürger kümmere, würden andere Orte sie abwerben.

Kramer stellte klar, dass er keine Empfehlung für den einen oder anderen Kurs abgebe. Wolfgang Tröger (SPD) forderte ihn zwar dazu auf. „In einem Gutachten ist es wichtig, dass man auch Stellung bezieht“, betonte er. Aber Kramer erläuterte, dass er lediglich aufzeige, wie sich die Stadt entwickelte, wenn sich die Politik für den einen oder anderen Weg entschiede. Das Ergebnis des Gutachtens bestehe in der Frage: „Akzeptieren wir die Grenzen des Wachstums oder versuchen wir, sie nach oben zu schieben?“ Anders formuliert: Beschränkt sich die Stadt auf die vorhandene Infrastruktur? Dann dürfte sie keine neuen Baugebiete ausweisen. Oder baut sie Schulen und Kitas aus?

Sabine Bönning, Mitarbeiterin des Fachbereichs Stadtentwicklung, beschrieb einen Mittelweg zwischen Intro- und Extro-Szenario. „Wir bremsen jetzt die Baupläne und setzen dann später wieder ein“, schlug sie vor.

Kramer bestätigte, dass auch dieser Weg möglich sei und erläuterte nachdrücklich den Handlungsspielraum der Stadt. Quickborn sei den Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht ausgeliefert. Zum Beispiel müsse es das unkontrollierte Wachstum nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches nicht hinnehmen; demnach kann in Baulücken ohne politischen Beschluss mit Zustimmung der Kreisverwaltung gebaut werden. Wie berichtet, entstanden von 2009 bis 2014 etwa 64 Prozent der Immobilien in Quickborn auf diese Weise. Kramer wies auf die Ursache hin: Der Kreis Pinneberg lege den Paragrafen 34 sehr großzügig aus. „Wenn Sie eine restriktive Auslegung des Paragrafen handhaben, dann können Sie das deckeln. Dann sind Sie wieder Herr im Geschäft“, so Kramer. Dennoch spreche er sich weder für noch gegen diesen Weg aus. Er zeige nur auf, dass die Stadt diesen Handlungsspielraum habe.

Zugleich warnte Kramer vor der Erwartung, dass wachsende Gewerbegebiete der Stadt automatisch mehr Geld in die Kasse spülen. Eine Untersuchung der Universität Göttingen habe gezeigt, dass Kommunen meist mehr in die Ausweisung investierten als sie hinterher einnähmen.

Sonja Kruse (Grüne) begrüßte den Hinweis auf die Grenzen des Wachstums. „Es heißt ja nicht, dass es uns immer besser geht, wenn wir wachsen“, sagte sie.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 16:00 Uhr

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