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Typisierung : 120 Schüler im Einsatz gegen Krebs

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Jugendliche des Dietrich-Bonhoeffer- und des Elsensee-Gymnasiums registrieren sich in Knochenmarkspenderdatei.

Quickborn | Oliver Höfling reihte sich gestern als einer der ersten in die Schlange im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium (DBG) in Quickborn ein. „Ich mache hier mit, weil ich Leben retten will“, sagte der 18-Jährige. Bei der ersten gemeinsamen Typisierungsaktion des DBG und des Elsensee-Gymnasiums (ESG) ließen sich 125 Personen in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) eintragen. Mehr als 350 Oberstufenschüler beider Einrichtungen hatten am Vormittag eine Informationsveranstaltung der Gesellschaft im DBG besucht. Die DKMS-Mitarbeiterin Julia Matschke freute sich, dass sich mehr als ein Drittel der Jugendlichen und ein paar Lehrer registrieren ließen. „Das ist ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis“, sagte sie.

Die DKMS unterstützt den Kampf gegen Blutkrebs. Die Gesellschaft hat in Deutschland die Gewebemerkmale von etwa sechs Millionen Menschen gespeichert. Mehr als 60  000 davon spendeten Stammzellen, um Krebspatienten zu helfen. „Bei Blutkrebs produzieren die Stammzellen eines Menschen unkontrolliert entartete Zellen“, hieß es in einem Info-Film. Manchen Patienten helfe nur der Austausch des Knochenmarks. Wie berichtet, überwand auch die 17-Jährige Quickbornerin Kim Seeger den Blutkrebs durch eine Knochenmarkspende. Matschke erläuterte, warum die Suche nach Spendern schwer ist: „Mehr als 10  000 Gewebemerkmale müssen 100-prozentig zusammenpassen.“

Der Verein „Quickborn hilft“ unterstützte die Aktion mit 1000 Euro, der Rotary-Club-Quickborn mit 3700 Euro. „Quickborn hilft“-Vorsitzender Andreas Torn (v. r.), DKMS-Mitarbeiterin Julia Matschke, „Quickborn hilft“-Schirmherr Carlo von Tiedemann, Schulsanitäterin Yeliz Ok, Rolf-Peter Dröge, Präsident der Quickborner Rotarier, Rotary-Jugendbeauftragte Ingetraud Schröder und weitere Schulsanitäter präsentierten gestern erfreut die symbolischen Schecks.
Der Verein „Quickborn hilft“ unterstützte die Aktion mit 1000 Euro, der Rotary-Club-Quickborn mit 3700 Euro. „Quickborn hilft“-Vorsitzender Andreas Torn (v. r.), DKMS-Mitarbeiterin Julia Matschke, „Quickborn hilft“-Schirmherr Carlo von Tiedemann, Schulsanitäterin Yeliz Ok, Rolf-Peter Dröge, Präsident der Quickborner Rotarier, Rotary-Jugendbeauftragte Ingetraud Schröder und weitere Schulsanitäter präsentierten gestern erfreut die symbolischen Schecks. Foto: Jan-Hendrik Frank
 

Das ESG hatte vor vier Jahren erstmals eine Typisierung ausgerichtet. Für die gemeinsame Aktion hatten sich die Schülervertretungen beider Gymnasien eingesetzt. Die ESG-Schülersprecherin Maj Jäpel sagte: „Für uns ist es nur ein kleiner Abstrich, aber für andere kann es ein neues Leben bedeuten.“ 18 Schulsanitäter leisteten im DBG Dienst. An langen Tischreihen füllten sie zusammen mit den Freiwilligen Fragebögen aus. Wer sich registrieren lassen wollte, nahm mit zwei Wattestäbchen Abstriche der Wangenschleimhäute. Die 17-jährige DBG-Schülerin Melina Glass sagte: „Wenn ich jemandem helfen kann, der vor dem Tod steht, will ich diese geringe Last gern auf mich nehmen.“

Carolin Feddern aus Barmstedt berichtete von ihrer Stammzellenspende.
Carolin Feddern aus Barmstedt berichtete von ihrer Stammzellenspende. Foto: Jan-Hendrik Frank
 

Carolin Feddern aus Barmstedt spendete 2014 Stammzellen. Gestern berichtete die 23-jährige Steuerfachangestellte, wie es ihr dabei erging. „Es ist anstrengend, aber nicht schmerzhaft“, sagte sie. Im Juli 2013 hatte sie sich in Barmstedt typisieren lassen. Im April 2014 bat die DKMS sie um eine Spende. Feddern ließ sich mehrmals beim Hausarzt Blut abnehmen und schickte es ein. Im September fuhr sie nach Berlin. Dort wurden ihr Medikamente gespritzt, die Stammzellen ins Blut ausschwemmen. An zwei Tagen hing sie insgesamt 7,5 Stunden lang an einer Maschine, die die Zellen aus ihrem Blut filterte. Danach habe sie vor Anstrengung drei Tage lang fast nur geschlafen. Die Empfängerin, eine 67-jährige Frau, starb 2016. „Aber sie hatte durch die Spende noch eineinhalb Jahre mehr Zeit für ihre Familie und hat ihr Enkelkind kennen gelernt“, berichtete Feddern.

Die Registrierung kostet pro Person 40 Euro. Die DBG-Schüler spendeten dafür die Erlöse ihres Budenfestes im November in Höhe von 6000 Euro. Der Rotary-Club-Quickborn unterstützte die Aktion mit 3700 Euro, der Verein „Quickborn hilft“ mit 1000 Euro.

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erstellt am 16.Mär.2017 | 12:00 Uhr

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