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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 07:03 Uhr

Ende eines Beziehungsdramas : Zweieinhalb Jahre Haft: 53-jähriger Rellinger verturteilt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Angeklagte hatte gestanden, am frühen Karfreitagmorgen seine Noch-Ehefrau geschlagen und gewürgt zu haben.

Rellingen/Itzehoe | Ende eines Beziehungsdramas: Suat E. aus Rellingen ist im Prozess wegen versuchten Mordes vom Landgericht Itzehoe wegen schwerer Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der 53-Jährige hatte gestanden, am frühen Karfreitagmorgen seine Noch-Ehefrau geschlagen und gewürgt zu haben. Renate E. (Name geändert) gab später Todesangst und anhaltende Schlafstörungen zu Protokoll. Der Angeklagte war in der Tatnacht in das Schlafzimmer seiner Frau eingedrungen. Zuvor habe es einen Streit gegeben. Dabei gab es jedoch keine schweren Beleidigungen, befand das Gericht. Renate E. sei „übel zugerichtet“ worden. Wie lange und wie intensiv der Rellinger seine Frau gewürgt hatte, oder ob sie bewusstlos wurde, habe nicht ermittelt werden können. Der erhobene Mordvorwurf habe daher nicht bewiesen werden können. Suat E. sei zur Tatzeit voll schuldfähig gewesen. Obwohl er angegeben hatte, mehrere Vodka-Lemon getrunken zu haben. 

Strafmildernd wurde sein Geständnis bewertet. Der Angeklagte bat seine Frau gestern um Verzeihung: „Es tut mir leid, ich möchte mich entschuldigen.“ Außerdem vermisse er seine Söhne. Der mehrmals vorbestrafte Mann war bis zum Urteil wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Nach dem Prozess ist er wieder auf freiem Fuß, bis er seine Freiheitsstrafe antreten muss.

Strafrichterin Isabel Hildebrandt begründete das Urteil unter anderem damit, dass nicht nachvollziehbar sei, wie lange die Ehefrau gewürgt wurde. Der Mordvorwurf habe nicht bewiesen werden können. Jedoch  handle es sich um einen „sehr schweren Fall häuslicher Gewalt“. Das Paar war seit Mai 2015 zwar getrennt, lebte aber bis zur Tatnacht in dem gemeinsamen Haus in Rellingen. 

Der Prozess hatte am 22. September dieses Jahres mit dem Geständnis des Angeklagten begonnen. Die Staatsanwaltschaft warf dem 53-Jährigen vor, dass er versucht habe, seine Frau im Schlaf zu erwürgen. Demnach soll das Opfer bereits bewusstlos gewesen sein, als die Söhne dazwischen gingen und ihrer Mutter das Leben retteten. Suat E. ist bereits mehrmals vorbestraft: wegen Bankrotts, Trunkenheit am Steuer, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung. Die Bewährungszeit für die Strafen endet 2017.

Gewalteinwirkung nachgewiesen

Zum letzten Verhandlungstag war am Montag auch ein rechtsmedizinischer Gutachter als Zeuge geladen. Er hatte die Ehefrau des Angeklagten am Nachmittag nach der Tat untersucht. Gewalteinwirkungen konnten rechtsmedizinisch nachgewiesen werden, die Bewusstlosigkeit nicht. Diesbezüglich hatte Renate E. sich während mehrerer Vernehmungen widersprochen. Insgesamt diagnostizierte der Mediziner eine potenzielle, nicht aber eine akute Lebensgefahr.

Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Sie ging von gefährlicher Körperverletzung aus, bei der das Strafmaß von sechs Monaten bis hin zu zehn Jahren reichen kann. Strafverteidiger Arne Timmermann hatte für ein geringeres Strafmaß plädiert: maximal ein Jahr und zehn Monate. Der Verteidiger bewertete das Urteil dennoch positiv: „Wenn der Vorwurf des Mordes besteht und dann wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt wird, ist das durchaus ein Erfolg.“ Ob sein Mandant Revision einlegen wird, war am Urteilstag noch unklar. Nach der Urteilsverkündung konnte Suat E. den Gerichtssaal ohne Handschellen verlassen. Der Haftbefehl wegen Fluchtgefahr wurde aufgehoben, er muss nicht zurück in U-Haft.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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