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Pinneberger Tageblatt

22. Januar 2017 | 15:17 Uhr

Bönningstedter Schüler besuchen Neuengamme : Zeitzeugin: Hautnah Geschichte erleben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gemeinschaftsschüler besichtigen KZ-Gedenkstätte und sprechen mit einer Augenzeugin

Regelmäßig bietet die Hamburger KZ-Gedenkstätte in Neuengamme Schulklassen an, Überlebende des Holocausts zu treffen und ihre Geschichte zu erfahren. Die Bönningstedter Gemeinschaftsschule Rugenbergen organisiert seit mehreren Jahren die Fahrt zu einem dieser Zeitzeugengespräche an. Die Teilnahme der Schüler aus den Klassen 9 und 10 ist freiwillig.

Hanna Mekelburg und Nick Adolph aus der 10  b waren bereits zum zweiten Mal dabei. „Es war ein mumiges Gefühl, das mich beschlich“, schilderte Mekelburg ihre Empfindung beim Betreten das Saals in Neuengamme. Es sei zu spüren gewesen, dass dieser Ort nicht immer so friedlich gewesen sei.

„Nach kurzer Zeit kam Livia Fränkel: rote Lippen, roter Nagellack, schickes Oberteil, kurze Locken – und Augen, die mehr aussagten, als Worte es je tun können“, beschrieb Mekelburg die 87-Jährige. „Sie kam eigens aus Stockholm angereist“, ergänzte Adolph. Schon bei seinem ersten Besuch sei er schockiert gewesen über den Bericht eines Augenzeugen. „Das hat nicht nachgelassen, auch diesmal sind die geschilderten Erlebnisse einfach schrecklich und unvorstellbar“, sagte der Schüler.

Tief berührt hat Mekelburg der Geschichte gelauscht, in der die damals 16-jährige Livia in Auschwitz das Schicksal ihrer Eltern auf besonders grausame Weise erfährt: „Livia und ihre Schwester wurden an der Rampe nach der Ankunft von ihren Eltern getrennt“, berichtete Mekelburg. Als sie später eine Frau gefragt habe, wann sie denn ihre Mutter wiedersehen würde, habe diese sie an ein Fenster gezerrt, auf einen qualmenden Schornstein gezeigt und gesagt: „Da brennen deine Eltern.“

„Ich weiß nicht, wie ich das verkraftet hätte“, sagte Mekelburg leise. Sie habe großen Respekt und Achtung davor, dass Fränkel die Kraft habe, ihre Geschichte zu erzählen. Auch Adolph zollt Fränkel Respekt für Fränkels Bestreben, gegen das Vergessen anzugehen. Beide betonen, dass die Begegnung eine große persönliche Bereicherung gewesen sei. „Es hat mich sehr bewegt, was Menschen anderen Menschen antun können“, sagte Mekelburg.

Übereinstimmend berichten beide Schüler, dass der Besuch nachhaltiue Wirkungen hinterlassen habe. „Es hat schon meine Sicht verändert – ich verstehe jetzt besser, wie es dazu kommen kann, dass ich im Ausland schon als ,Nazi‘ bezeichnet worden bin“, sagte die Schülerin.

Auch Adolph, der nach dem Sommer ein Jahr lang in Kanada zur Schule gehen wird, fühlt sich besser gewappnet, wenn ihm heikle Fragen gestellt werden. „Außerdem achte ich jetzt mehr darauf, was aktuell in der Welt passiert – früher habe ich mich nicht für Politik interessiert“, gibt er zu.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 14:00 Uhr

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