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Pinneberger Tageblatt

25. September 2016 | 05:41 Uhr

Welturaufführung in Rellingen : Worte in Musik und Tanz gekleidet

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„La Pavane – Eine Weihnachtsgeschichte“ der Komponistin Christine Kathrina Brückner beeindruckt in Rellingen.

Rellingen | Welturaufführung – am vergangenen Sonnabend kam ein weiteres brandneues Werk in der Rellinger Barockkirche erstmals zu Gehör: „La Pavane – Eine Weihnachtsgeschichte“ der Komponistin Christine Kathrina Brückner, die die Reise von Maria und Josef neu erzählt.

Dabei handelt es sich um Musiktheater, denn außer den Solisten Katja Reusch (Mezzosopran) und Martin Schneekloth (Bariton), der Rellinger Kantorei, Judith Michalski an der Querflöte, Susanne Hahn am Cello und der Komponistin selbst am Klavier gehörte auch die Tänzerin Katja Langbehn dazu – sie setzte das Werk mit Choreographien in Szene.

Michael Schopf vom MRK erklärte in seiner Begrüßung dazu: „Das passt, denn der Titel ‚Pavane‘ ist eigentlich ein würdevoller, höfischer Tanz.“ Außerdem sei das Werk verbunden mit den schrecklichen Ereignissen der heutigen Zeit, die vor allem Frauen beträfen. So erklärt es auch Brückner im Programmheft: „Seit einigen Jahrzehnten geistern diese für uns verjährten biblischen Strafen durch die Medien. [.  .  .] Ich beschloss, in relativ vorsichtiger Weise unsere Jetztzeit mit ein paar Worten in dieses Stück hineinzunehmen.“

Dies wird am Anfang deutlich, wo der biblische Text in gesprochene, fast unkenntliche Fragmente zerfällt und sich in Schlagworte wie „Schande“, „Gewalt“ oder „verschleppt“ auflöst. Auch das Zusammenfügen unterschiedlicher Evangelien zielt auf diesen Effekt ab, so finden sich die Worte von Matthäus (1,18): „Erfand sich’s, dass sie schwanger war von dem heiligen Geist. Joseph aber, ihr Mann, war fromm und wollt’ sie nicht rügen, gedacht aber, sie heimlich zu verlassen.“ Symbolisch dargestellt von den Solisten, die sich Schulter an Schulter im Kreis drehten, den Blick nach vorn, gegeneinander statt miteinander.

Wer zu diesem Ansatz nun schroffe Chromatik und harsche Dissonanzen erwartet hatte, der wurde überrascht. Brückners „Pavane“ greift zurück auf alte Formen wie den Kanon, choralartige Choreinsätze und archaisierende Elemente wie leere Quinten und kombiniert sie mit modernem symphonischem Satz voll sanfter Arpeggien, der an Filmmusik erinnert. Während Hahn mit tiefen langen Noten einen melancholischen Charakter verlieh, setzte Michalskis Flöte mit fliegenden, hohen Tönen direkte Kontraste dazu. Die Musik eignete sich perfekt für Langbehns tänzerische Umsetzung, die mal eine Contemporary-Tanzsequenz zeigte, mal als Engel eine Pfauenfeder wie den berühmten Olivenzweig überreichte oder mal wie ein Derwisch im Kreis wirbelte.

Das Publikum, das unten die Bänke füllte, auf den Galerien jedoch viel Platz frei ließ, war ganz verzaubert von der ästhetischen Performance und honorierte die Leistung der Künstler mit Pfiffen und Standing Ovations. Kantor Oliver Schmidt, der eine Toccata und Fuge von Bach vorweggeschickt hatte und danach die Uraufführung dirigierte, musste zwei Zugaben geben, bis das Publikum sich auf den Heimweg machen wollte. Ein wunderschönes Stück, das hoffentlich ab jetzt neben Bach zum Weihnachtsrepertoire gehört.

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erstellt am 25.Jan.2016 | 16:30 Uhr

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