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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 07:06 Uhr

Von Terror, Krieg und Flucht : Wolfgang Kubicki und Harald Kujat diskutierten in der Marseille-Kaserne zum Thema Gewalt und Ethik

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein brisantes Thema haben die Veranstalter der Appener Gespräche ausgewählt: „Deutsche Interessen, Ethik und die gesellschaftliche Akzeptanz der Gewalt“–  so  der Titel der Podiumsdiskussion in der Marseille-Kaserne.

Appen | Wann bricht der nächste Krieg aus? Wie können wir uns vor Terror schützen? Und wieso ist nicht nur der IS für die Flucht etlicher Menschen verantwortlich? Ein brisantes Thema haben die Veranstalter der Appener Gespräche ausgewählt: „Deutsche Interessen, Ethik und die gesellschaftliche Akzeptanz der Gewalt“–  so  der Titel der Podiumsdiskussion in der Marseille-Kaserne. „Und das bereits zum zweiten Mal, weil das Thema eben so spannend ist“, sagte Militärpfarrer und Moderator der Veranstaltung Andreas-Christian Tübler. Außerdem lautet das diesjährige Motto der Unteroffizierschule der Luftwaffe „Gegen Gewalt – Für mehr Zivilcourage“.

Zu Gast waren am Donnerstagabend Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionsvorsitzender in Schleswig-Holstein und stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP, und Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr. Das Thema Gewalt sollte vor den etwa 300 geladenen Gästen im Publikum  aus politischer und militärischer Sicht gemeinsam mit Moderator Tübler beleuchtet werden. „Wir wollen Phänomene von Gewalt bis hin zu Zivilcourage sortieren“, kündigte der Militärpfarrer an.

Harald Kujat.

Harald Kujat.

Die Themen reichten von der Krim-Annexion über Fluchtursachen und Terroranschläge wie jüngst am Istanbuler Flughafen. Ob es bald Krieg geben werde, fragte der Militärpfarrer die zwei Gäste. „Nein, wird es nicht“, waren sich Kubicki und Kujat einig. Der 74-jährige Kujat ergänzte jedoch: „Ist es aber nicht immer so, dass Staaten keinen Krieg wollen aber er dann doch aus der Situation heraus entsteht?“. Auch der Erste und der Zweite Weltkrieg seien aus unvorhersehbaren Situationen entstanden.

Der ehemalige Generalinspekteur kritisierte  den politischen Umgang mit Russland. „In den 1990er Jahren sollte noch gemeinsame Sicherheitspolitik gemacht werden. Jetzt wird Russland wieder zum Gegner“, so Kujat. Er gab zu Bedenken, dass Zypern völkerrechtlich – ähnlich wie die Krim von Russland – von der Türkei annektiert sei. Die Öffentlichkeit schreie bei Zypern aber nicht so auf. Tübler wies auf eine Rede von Kubicki im November vergangenen Jahres hin. Kurz nach den Terroranschlägen  Paris sagte dieser: „Ich war Zeit meines Lebens gegen Soldaten im Ausland.“ Nun gestand er ein: „Mir selbst ist damals klar geworden: gute Worte reichen manchmal nicht aus.“ 

Ob in dieser unruhigen Zeit mit vielen Gewaltphänomenen auch ein Terrorakt in Deutschland bevorstehe, fragte Tübler. „Wir können einen Anschlag hier nicht ausschließen. Die völlige Sicherheit gibt es nie“, sagte Kubicki. Besonders gefährdet seien die Städte Berlin, Hamburg, München und Düsseldorf.

Außerdem sei der  IS nicht die Ursache für die Flucht etlicher Menschen, sagte Kujat. „Er ist nur ein Anlass für die Flucht. Die Ursachen liegen deutlich tiefer und wir haben uns seit Jahrzehnten nicht um sie gekümmert.“ Er  nannte insgesamt drei Gründe.  „Die erste Ursache liegt schon 1200 Jahre zurück. Als der Enkelsohn von Mohammed  in einer Schlacht gefallen ist.“ Der Tod Husseins habe die Trennung von Schiiten und Sunniten besiegelt, ein Konflikt der bis heute anhält.  Die zweite Ursache  sei die mangelnde Demokratie, Gleichberechtigung und Bildung. Die dritte Ursache: „Die natürliche Lebensgrundlage wird in diesen Ländern zerstört. Syrien hat seit 1998 zum Beispiel die größte Dürre seit vielen hundert Jahren erlebt.“  Insgesamt trügen die Ursachen zur Destabilisierung bei. Und das betreffe nicht nur Syrien, sondern viele andere Länder, etwa die Staaten südlich der Sahara.  Kujat gab eine Prognose ab: Die nächsten Kriege werden wegen Wassermangels ausbrechen. „Und dann ist das, was wir bisher als Völkerwanderung erlebt haben, ein leises Säuseln gegen den Sturm der sich dann erhebt.“

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erstellt am 02.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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