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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 23:13 Uhr

„Brauchen mehr Platz für Gewerbe“ : Wirtschaftsförderer Stefan Krappa im Interview

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Stefan Krappa befürchtet, dass in zwei Jahren keine Grundstücke mehr in der Stadt vorhanden sind.

Pinneberg | Pinneberg Stefan Krappa ist Wirtschaftsförderer von Pinneberg. Im Interview mit dieser Zeitung spricht er unter anderem über die Entwicklung neuer Gewerbegebiete in Zeiten knapper Kassen und interkommunale Zusammenarbeit.

Was zeichnet den Wirtschaftsstandort Pinneberg aus?
Stefan Krappa
Pinneberg ist ein sehr dynamischer Standort und profitiert von der Nähe zu Hamburg, dem Wachstumskern der Metropolregion. Wir haben eine enge Verflechtung mit der Hansestadt, zum Beispiel bei den Beschäftigten mit etlichen Pendlern. Die kurzen Wege zum Hafen, Flughafen und zur Autobahn sind ein großer Vorteil für Pinneberg.

Wo liegen die Schwächen?
Wir haben zu wenig baureife Gewerbeflächen und müssen deshalb neue Flächen erschließen und entwickeln. Ansonsten können wir Unternehmen in spätestens zwei Jahren nichts mehr anbieten. Dieses Problem muss allen Verantwortlichen immer wieder bewusst gemacht werden, damit wir rechtzeitig gegensteuern. Die Entwicklung wird durch die finanzielle Situation erschwert. Die Stadt müsste für Grundstückserwerb und Erschließung eigentlich erst in Vorleistung treten. Das ist aufgrund der fehlenden Ressourcen im Haushalt nur begrenzt möglich. Deshalb sind kreative Lösungen gefragt, zum Beispiel mit privaten Investoren. Der Umbau der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises und die neue WEP-Kommunalholding bieten uns ebenfalls neue Chancen.

Stefan Krappa (53) ist seit 2009 für die Wirtschaftsförderung in Pinneberg zuständig. Der Diplom-Politologe hat zwei Kinder, wohnt in Hamburg und wurde in Otterndorf bei Cuxhaven geboren.

Was für Flächen kann Pinneberg Unternehmen kurzfristig anbieten?
Wir haben noch einige städtische Areale im Angebot, aktuell beispielsweise auf dem Gelände der ehemaligen Eggerstedt-Kaserne. Dort wollen wir die letzten beiden größeren Grundstücke mit je 9000 und 11.000 Quadratmetern verkaufen. Wenn die Stadt Flächen entwickelt hat, gab es nie Probleme, diese zu vermarkten. Das zeigen unter anderem die Gewerbegebiete Gehrstücken und Am Hafen. Dort wurden alle Grundstücke veräußert und wir konnten attraktive Unternehmen ansiedeln. Die Entwicklung von Gewerbegebieten ist für Pinneberg immer ein profitables Geschäft.

Welche Flächen kommen für Gewerbeansiedlungen in Zukunft in Frage?
Dank des Baus der Westumgehung können wir im Bereich Ossenpadd an der A23 ein neues Gewerbegebiet entwickeln. Auch an der Müßentwiete ist es nun möglich, die Erschließung anzugehen. Potenziale für Wohnen und Gewerbe liegen außerdem im Bereich des Rehmenfelds. Die Politik hat über den Flächennutzungsplan und aktuell laufende Bebauungsplan-Verfahren wichtige Weichen gestellt. Es wurde also erkannt, dass wir dem steigenden Siedlungsbedarf Rechnung tragen müssen. Das betrifft nicht nur die Stadt, sondern den Kreis Pinneberg und die gesamte Metropolregion. Natürlich möchte jeder Betriebe auf den eigenen Flächen ansiedeln. Trotz allem müssen wir auch Grundstücke in anderen Kommunen im Auge haben, wenn das nicht möglich ist. Schließlich ist der Bedarf in der Regel größer als das Angebot.

Wie wichtig ist die interkommunale Zusammenarbeit? Halten Sie die gemeinsame Entwicklung von Gewerbegebieten für möglich?
Bei der Vermarktung auf jeden Fall. Ein erfolgreiches Beispiel ist der Marketingverbund Nordgate. Sechs Kommunen an der A7 arbeiten zusammen, um direkt in Autobahnnähe Unternehmen anzusiedeln. Von so einem Projekt lernt auch der Kreis Pinneberg. Wir Wirtschaftsförderer im Kreis haben uns darauf verständigt, die A23 als Entwicklungsachse zu sehen, obwohl nicht alle Kommunen an der Autobahn liegen. Das ist eine echte Herausforderung für alle. Interkommunale Gewerbegebiete sind auf jeden Fall mittelfristig ein strategisches Ziel. Die interkommunale Zusammenarbeit ist die Antwort auf die globalisierte Wirtschaft. Die Unternehmen denken in größeren Zusammenhängen. Dem dürfen wir uns nicht verschließen.

Welche Bedeutung hat die Westumgehung für Pinneberg?
Sie ist eine wichtige innerörtliche Erschließungsstraße für Gewerbegebiete und entlastet die Innenstadt, die sich dadurch weiter entwickeln kann. Weniger Durchgangsverkehr sorgt dafür, dass die City attraktiver wird. Der Schwerlastverkehr verschwindet aus der Innenstadt und erreicht schneller die Gewerbegebiete. Die Westumgehung erhöht so die Attraktivität des gesamten Wirtschaftsstandorts Pinneberg.

Wie sehen Sie die Rolle des Stadtmarketings?
Das Stadtmarketing ist eine gute Plattform für die Weiterentwicklung der „Marke Pinneberg“ und hat sich durch das Engagement zahlreicher Firmen einen guten Ruf erarbeitet. Mittlerweile gibt es 60 Mitglieder, die sich auch finanziell sehr stark engagieren Wir sehen daran, dass die Pinneberger Wirtschaft ein verlässlicher Partner ist – sei es als Mitglied im Stadtmarketing, oder auch als Sponsor für wichtige Projekte und Events. Das Citymanagement trägt zu einer lebendigen, attraktiven und kundenfreundlichen Innenstadt bei. Damit können wir unsere Position im Wettbewerb um Kunden, Unternehmen und Touristen stärken.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit City-Manager Dirk Matthiessen?
Unsere Aufgaben überschneiden sich nicht. Aber wir stehen in einem engen Austausch und stimmen uns täglich ab. Außerdem bin ich beratendes Mitglied im Vorstand des Stadtmarketings und dort in verschiedenen Arbeitsgruppen aktiv.

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erstellt am 12.Mai.2016 | 14:00 Uhr

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