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Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:45 Uhr

Pinneberg : Wirbel um Bordell vor Moschee

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Türkisch-Islamische Gemeinde fühlt sich von den Prostituierten gestört. Flüchtlingsunterkunft im selben Haus.

Pinneberg | Die Friedenstraße in Pinneberg. Von der Riesenaufregung um ein Bordell gegenüber der Moschee ist am Morgen nichts zu spüren. Prostituierte und Freier sind noch nicht zu sehen. Auch auf mehrfaches Klingeln beim Freudenhaus – mehrere Wohnungen sind dort angemietet worden – erfolgt keine Reaktion. Die Tür bleibt geschlossen.

Seref Ciftci, der Vorsteher der einzigen Moschee in der Kreisstadt, tritt aus dem Bethaus, winkt aber gleich ab. Er will nichts sagen. „Ich antworte nur noch schriftlich“, erwidert er auf die Bitte, eine Stellungnahme abzugeben. Er möchte die Fragen per E-Mail und würde sie dann auch beantworten. Nicht alles, was in den vergangenen Tagen in den Medien berichtet wurde, würde stimmen.

Mit dem Wirbel, den der Protest der Türkisch-Islamischen Gemeinde gegen den Puff auslöste, habe Ciftci auch nicht gerechnet, wie er dann einräumt. Vergangene Woche war er an die Öffentlichkeit getreten. Er monierte, dass sich die Prostituierten mit entblößten Brüsten direkt am Fenster zeigten und sich mit Küsschen von ihren Freiern verabschiedeten. Und das, obwohl in der Moschee 170 Kinder betreut würden. So etwas könne er sich auch vor einer christlichen Kirche nicht vorstellen. Deswegen wolle die Türkisch-Islamische Gemeinde mit einer Protestaktion gegen das Bordell vorgehen und Unterschriften sammeln.

Hört man sich in der Nachbarschaft um, stößt die Kritik auf offene Ohren. Das hat weniger etwas mit dem Bordell vis-à-vis der Moschee zu tun. In dem zweigeschossigen Wohnhaus, in dem das Freudenhaus untergebracht ist, hat die Stadt eine Flüchtlingsfamilie mit mehreren Kindern untergebracht. „Das gehört sich nicht. Wie man auch zu dem Bordell steht, das ist nicht angemessen“, sagt ein Anwohner. Das sieht auch Tanja Trinkaus, Chefin von Tanja’s Friseur-Salon in der Friedenstraße, so: „Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt. Aber ein Bordell gehört nicht in eine Wohngegend.“ Zumal in dem Haus auch eine Flüchtlingsfamilie wohne.

Ein anderer Anwohner der Friedenstraße, der nicht mit Namen genannt werden möchte, argumentiert genauso. Er ist selbst betroffen. „Es ist ein Schulweg. Meine beiden Kinder gehen jeden Morgen an dem Bordell vorbei“, berichtet er. Er habe nichts gegen das Gewerbe, doch ein Bordell gehöre in ein Industriegebiet.

Die Türkisch-Islamische Gemeinde hat sich schon während einer Bürgersprechstunde bei Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg beschwert. „Auch wenn die Stadt Pinneberg derzeit keine rechtliche Handhabe hat, solange dort keine Straftaten wie Zwangsprostitution passieren, wird die Bürgermeisterin in dem Konflikt vermitteln“, hieß es gestern aus dem Rathaus. Im ersten Schritt sei ein Gespräch mit Vertretern der Türkisch-Islamischen Gemeinde geplant, das in der kommenden Woche stattfinden wird. „Ich habe der Gemeinde heute meine Unterstützung angeboten, die gern angenommen wurde“, erklärte Steinberg. „Wir werden in der kommenden Woche ein Gespräch führen und gemeinsam Lösungen erörtern.“

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erstellt am 10.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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