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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:58 Uhr

„Wir sollen schlichten, nicht richten“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Schiedsmann Kay Löhr aus Hasloh berichtet von Streitigkeiten im Ort / Der Mediator wünscht sich mehr Schulungen

Im Durchschnitt sind es drei Fälle im Jahr, die der Hasloher Schiedsmann Kay Löhr mit einem offiziellen Schlichtungsgespräch zu bearbeiten hat. „Der weitaus größere Teil kann durch Gespräche mit den beiden Parteien auch ohne amtlichen Vorgang gelöst werden“, so die Erfahrung Löhrs, der das Amt inzwischen seit sieben Jahren inne hat.

Sehr häufig gehe es bei nachbarschaftlichen Streits um Banalitäten. „Ob das nun Laub vom Baum des Anderen oder Wurzeln sind, die den Nachbarn stören – ganz oft stellt sich irgendwann heraus, dass das gar nicht die Ursache der Auseinandersetzungen ist, sondern nur die Suche nach Gründen, um sich über den anderen beschweren zu können“, berichtete Löhr im Gespräch mit unserer Zeitung.

Oft genug stelle sich dann heraus, dass der jahrelang gehegte Groll etwa in einer falschen Bemerkung, einem zu kritischen Blick oder ganz einfach Neid begründet liege. „Meine Aufgabe ist es nicht, festzustellen wer Recht hat“, betonte Löhr. Viel mehr gehe es darum, einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können. „Es geht um Mediation – und darum, dass jeder ein bisschen nachgeben muss“, sagte Löhr.

Durch Kontakte zu Kollegen aus anderen Kommunen während verschiedener Schulungen habe er immer wieder festgestellt, dass statt der Schlichtung die Rechtslage im Vordergrund stehe. „Die interessiert mich erst einmal gar nicht – wir sollen schlichten, nicht richten“, erläuterte der Schiedsmann. Häufig verzichte er sogar darauf, einen Ortstermin zu vereinbaren: Nicht das Recht stehe an erster Stelle, sondern ob und wie die Kontrahenten zu einer Lösung kommen könnten.

„Das Ziel ist es, einen Vergleich zu erreichen und diesen zu protokollieren“, sagte Löhr. Anschließend werde das unterschriebene Dokument besiegelt und habe damit Rechtskraft.

„Es kann beispielsweise sein, dass die Einigung darin besteht, überhängende Äste bis zur Höhe von drei Metern zu entfernen. Kommt der Nachbar dem dann nicht nach, hat der Vergleich vollstreckende Wirkung“, erklärte Löhr. Was letztlich bedeute, dass der Hausbesitzer seiner gesetzlichen Verpflichtung, sich an den Vergleich zu halten, gezwungen werden kann. An diesem Punkt wünscht sich Löhr mehr Schulungen, die sich mit dem Verfassen dieser Vergleiche auseinandersetzen. „Da reicht ein falsches Wort aus und schon kann die Eindeutigkeit in Frage gestellt werden“, beschreibt Löhr. Für Juristen sei das sicherlich kein Problem. „Aber als Schiedsleute sollen ja gerade Laien tätig werden, da wird es dann schon knifflig, rechtssichere Vergleiche zu formulieren“, sagte Löhr.

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erstellt am 27.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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