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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:15 Uhr

Das Sonntagsgespräch : „Wir sind längst Stadt- und Landfrauen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sonntagsgespräch heute mit Christa Dreier, Vorsitzende der Landfrauen Pinneberg.

Pinneberg | Christa Dreier ist Vorsitzende der Landfrauen Pinneberg und Umgebung, dem Mitglieder aus dem gesamten Kreis Pinneberg und sogar aus Hamburg angehören. Im Sonntagsgespräch berichtet sie unter anderem, vom falschen Bild, das der Begriff Landfrauen bei vielen Lesern auslöse.

Wie sieht die Arbeit der Landfrauen aus?
Wir stellen ein Programm zusammen, das unseren Mitgliedern Informationen vermittelt, die ihnen im täglichen Leben helfen. Auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Ernährungs- und Beratungstipps, Gesundheitsvorsorge, kulturelle Veranstaltungen, monatliche Treffen, Tagesfahrten, mehrtägige Bildungsreisen, Weihnachtsfeiern – die Bandbreite ist groß. Politik spielt eher eine untergeordnete Rolle, obwohl viele Parteien unsere Nähe suchen, weil es in Schleswig-Holstein sehr viele Landfrauen gibt. Das Kuchenbacken, das viele mit uns verbinden, gehört ebenfalls dazu. Eine jährliche Cafeteria bringt uns Einnahmen, die wir für unsere Angebote dringend benötigen. Schließlich sind unsere Beiträge mit 25 Euro pro Jahr sehr niedrig. Davon geht auch noch die Hälfte an den Kreis- und an den Landesverband.

Was sind Ihre Aufgaben als Vorsitzende?
Repräsentation nach außen, Ansprechpartnerin für die Mitgliederinnen sein, Anmeldungen für die Veranstaltungen entgegennehmen und überhaupt das große Ganze im Blick haben -– eben die typischen Aufgaben einer Vorsitzenden. Ich bin aber nicht auf mich allein gestellt. Wir haben mit elf Mitgliederinnen einen großen Vorstand, der gemeinsam die Richtung bestimmt.

Was fehlt den Landfrauen aktuell?
Die Raumsituation ist unbefriedigend. Deshalb finde ich es sehr gut, dass die Gemeinde Borstel-Hohenraden den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses plant. Ich würde mir wünschen, dass dort ein Raum entsteht, der Platz für mindestens 150 Personen bietet. Derzeit treffen wir uns immer im Borstel-Hohenradener Schützenhof. Bei Weihnachtsfeiern oder kulturellen Veranstaltungen ist es dort ziemlich eng. Preisgünstige Alternativen sind schwer zu finden. Ein Dorfgemeinschaftshaus wäre ein Gewinn für alle Vereine aus dem Dorf.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Landfrauen?
Es wäre schön, wenn die Öffentlichkeit registriert, dass zu den Landfrauen nicht nur Bäuerinnen gehören. Wir sind längst Stadt- und Landfrauen. Ich selbst bin zum Beispiel Schneidermeisterin und habe mit Landwirtschaft überhaupt nichts am Hut. Vielen ist nicht bewusst, dass wir für alle Frauen etwas anbieten. Es wird deshalb immer schwieriger, jüngere Mitglieder zu gewinnen. Früher war es eine generationenübergreifende Tradition, den Landfrauen anzugehören. Das ist leider vorbei. Schon allein deshalb, weil die meisten Frauen heute viel weniger Zeit haben.

Haben die Landfrauen mit Vorurteilen zu kämpfen?
Das nicht. Die Landfrauen haben einen guten Ruf. Das Problem ist nur, dass die meisten nicht wissen, was wir tatsächlich machen. Es geht nicht darum, nur Kuchen zu backen. Die Landfrauen gibt es zwar schon seit mehr als 100 Jahren. Sie sind aber immer noch zeitgemäß, weil sie immer mit der Zeit gegangen sind. So sind beispielsweise aktuell die aussterbenden Landarztpraxen ein wichtiges Thema für uns. Der Landfrauenverband in Schleswig-Holstein arbeitet eng mit der Ärztekammer zusammen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Wenn kein Mediziner vor Ort ist, sollen gerade Senioren zumindest eine telefonische Beratung von ihrem Arzt bekommen. Für diesen Service muss mehr Werbung gemacht werden, damit die Menschen überhaupt wissen, dass es das Angebot gibt.

Wieso engagieren Sie sich für die Landfrauen?
Ich will etwas für andere Menschen tun und organisiere gern. Deshalb ist die Arbeit bei den Landfrauen für mich ideal und bringt mir riesigen Spaß. Ich finde es zudem toll, dass die Landfrauen auf Landesebene so viele Fortbildungen für Ehrenamtliche anbieten. Die sind enorm interessant und helfen mir bei der täglichen Arbeit.

Christa Dreier (62) ist seit vier Jahren Vorsitzende des Vereins Landfrauen in Pinneberg und Umgebung. Sie wohnt in Borstel-Hohenraden, ist verheiratet und hat drei Kinder.
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