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Blind und taub durchs Museum : Wie barrierefrei sind die Museen im Land?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine Umfrage belegt zahlreiche Defizite in schleswig-holsteinischen Kultureinrichtungen. Obwohl Inklusion Teil der Landesverfassung ist.

Besonders auf Blinde und Gehörlose warten in schleswig-holsteinischen Museen teils unüberwindbare Hürden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die vom Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg in Auftrag gegeben worden war. Sie wurde gestern während eines Besuchs von Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) im Elmshorner Industriemuseum präsentiert.

Mit der Studie hat die Genossenschaft Digicult mit Sitz in Kiel untersucht, inwieweit Inklusion in schleswig-holsteinischen Museen bereits Realität ist, also inwieweit alle Menschen Zugang zu den Museen haben. Im Fokus war damit nicht nur die physische Barrierefreiheit für Körperbehinderte, sondern auch die für Menschen mit geistigen Handicaps oder Sprachproblemen wie Migranten.

 

„Den Ergebnissen ist zu entnehmen, dass Inklusion als wichtiges Thema in den Museen erkannt worden ist. Aber die Umsetzung hält sich in bescheidenem Rahmen“, sagte Frauke Rehder, Geschäftsführerin von Digicult. In der Studie sollten die Museen in einem Fragebogen Auskunft über die eigene Barrierefreiheit geben. Von den 263 angeschriebenen Einrichtungen antworteten 105, also etwa 40 Prozent. „Es ist davon auszugehen, dass die Situation in den übrigen 60 Prozent, darunter viele kleine Museen in privater Trägerschaft, vermutlich eher schlechter einzuschätzen ist“, sagte Rehder. Die Daten seien anonymisiert ausgewertet worden. „Es ging darum, sich ein realistisches Bild der aktuellen Situation zu verschaffen“, sagte Rehder.

Ein gutes Zeugnis stellt Digicult den Museen in Sachen Erreichbarkeit aus. Die meisten der 105 Einrichtungen, welche den Fragebogen beantwortet hatten, seien mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Häufig gebe es zudem Behindertenparkplätze. In vielen Museen sei der Zugang für Körperbehinderte barrierefrei gestaltet, etwa stufenlos oder mit Rampen. Die Bedürfnisse von Blinden und Gehörlosen dagegen würden weit seltener berücksichtigt. So fehle es an Informationen in Blindenschrift. Auch die Internetseiten der Museen seien häufig nicht barrierefrei. Besondere Ansprechpartner für Behinderte seien selten. „Nur zwei Museen lassen ihr Personal regelmäßig an Schulungen für den Umgang mit dieser Personengruppe teilnehmen“, sagte Rehder.

Zeugnis der Vergangenheit: Ein Tante-Emma-Laden im Elmshorner Industriemuseum.
Zeugnis der Vergangenheit: Ein Tante-Emma-Laden im Elmshorner Industriemuseum. Foto: Tobias Thieme

„Inklusion ist in der Landesverfassung verankert“, sagte Spoorendonk. Außerdem sei das Land als Träger der Museen Schloss Gottorf und Schloss Eutin auch direkt in der Verantwortung. „Wir brauchen noch eine Vielzahl baulicher Maßnahmen. Aber die Untersuchung ist eine wichtige Grundlage für die Zukunft“, sagte Spoorendonk. Dabei seien behindertengerechte Toiletten nicht das Einzige. „Ausstellungsgestaltung, Wegeführung und Broschüren etwa müssen mitgedacht werden.“ Ein Leuchtturm in der Inklusion sei das Industriemuseum in Elmshorn.

Seit Dezember trägt das Industriemuseum ein Gütesiegel von Museumsverband, Volkshochschulen und Nordkolleg Rendsburg – außer dem Museum Helgoland das einzige im Kreis Pinneberg. Leiterin Bärbel Böhnke fasst zusammen: „Der Aufzug von 1936 tut noch immer seinen Dienst. Es gibt Sitzmöglichkeiten sowie Hör- und Videostationen. Etliche Ausstellungsstücke lassen sich anfassen.“

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erstellt am 03.Mär.2017 | 14:00 Uhr

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