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Pinneberger Tageblatt

24. März 2017 | 09:11 Uhr

„Wer die Musik bestellt, bezahlt“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Integration Ausschuss für Schule, Kultur, Sport und Soziales Appen lehnt Förderung eines Chorprojekts ab

Die Mitglieder des Ausschusses für Schule, Kultur, Sport und Soziales Appen haben sich am Dienstagabend mehrheitlich gegen einen Zuschussantrag der Flüchtlinghilfe Appen ausgesprochen. Während die SPD dafür stimmte, 6100 Euro für ein gemeinsames Projekt der Flüchtlingshilfe und des Schäferhofs einzusetzen, stimmten alle anderen Fraktionen dagegen.

„Musik verbindet Menschen und das kommt der Integration zu Gute“, erläuterte Ulrich Rahnenführer von der Appener Flüchtlingshilfe das Projekt. Unter professioneller Anleitung von Catrin Jacobsen, die auch den gemeinsamen Chor der Kirchengemeinden der Kirchengemeinden St. Johannes Appen und St. Michaelis in Moorrege-Heist leitet, sollte ein Musikprojekt entstehen, bei dem Flüchtlinge, Wohnungslose und Appener mitwirken. „Wir wollen mit dem Projekt zeigen, dass wir Integration sichtbar leisten können“, sagte Rahnenführer. Er hatte bereits einen Antrag an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gestellt, das die Aktion „500 LandInitiativen – Förderung für ehrenamtliches Engagement zur Integration von Flüchtlingen“ ausgerufen hatte. „Wenn wir das Geld nicht bekommen oder nur anteilig, brauchen wir die Sicherheit, dass wir das Geld haben und bitten Sie daher um eine Bürgschaft. Sonst können wir nicht starten“, so Rahnenführer.

„Ich finde es eine super Sache“, sagte Nils Meins (SPD, Foto) und urteilte: „Wir sollten das Risiko eingehen.“ Dirk David (CDU) erläuterte: „Ich kann nichts gegen das Projekt sagen. Appen leistet tolle Flüchtlingsarbeit, die sogar auf Kreis- und Landesebene vorbildlich ist.“ Dennoch falle es ihm schwer, das Geld freizugeben: „Es gibt im Kreis und Land so viele Töpfe, die nicht angefasst werden. Vielleicht sollten Sie erst da anfragen, bevor Sie sich an die Gemeinde wenden.“ Auch Heidrun Osterhoff (FDP, Foto) lobte das ehrenamtliche Engagement, kritisierte aber: „Wer die Musik bestellt, bezahlt. Das wäre in diesem Fall der Bund und nicht die Gemeinden, die ohnehin schon belastet sind.“ Sie sei bereit, das Geld bereitzustellen, wenn dieses verstärkt für die Integration von Kindern und Frauen eingesetzt wird. „Das wäre wichtiger als gemeinsam zu singen.“

„Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Ehrenamtlichen“, kritisierte Bärbel Pein (FDP) den angesetzten Stundensatz von 100 Euro für die Chorleiterin. „Das ist kein Ehrenamt mehr.“ Zudem fragte sie, wie viele Menschen erreicht würden. „Wir denken, vier Flüchtlinge aus Appen und vier Wohnungslose vom Schäferhof und etwa 20 Appener. Frau Jacobsen geht sogar von 30 bis 40 aus, aber das halte ich für zu hoch gegriffen“, sagte Rahnenführer, der betonte, dass die Beteiligten als Multiplikatoren gelten würden.

„Unsere Gemeinde hat einen guten Ruf durch Initiativen wie Appen musiziert, aber auch durch die geleistete Flüchtlingsarbeit. Wir enttäuschen nicht nur Menschen, sondern gefährden auch unseren guten Ruf“, warb Walter Lorenzen (SPD, Foto) der Bürgschaft zuzustimmen. „Ich würde mir wünschen, dass weiterhin vorbildliche Integrationsarbeit hier vor Ort geleistet wird.“ Die Gemeinde müsse auch nur für den Differenzbetrag aufkommen oder im Idealfall würde der Bund die gesamten Kosten übernehmen. Der Finanzausschussvorsitzende Hans-Peter Lütje warnte: „Wir müssen in der Planung davon ausgehen, dass die komplette Bürgschaft zum Tragen kommt. Wir können den Antrag auch ablehnen und das Projekt kann starten, wenn das Geld vom Bund da ist.“ Das werden Rahnenführer und sein Team nun auch tun müssen.


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