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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 13:48 Uhr

Mit dem E-Bike ausgeliefert : Wenn der Propst mit der Lutherbibel auf dem Lastenfahrrad durch den Kreis rauscht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die neue, überarbeitete Lutherübersetzung wird am heutigen Reformationstag von Propst Thomas Drope mit dem E-Bike im Kreis Pinneberg ausgeteilt.

Kreis Pinneberg | Die neu übersetzte Lutherbibel wird heute im Kreis Pinneberg mit dem Lastenfahrrad an die Gemeinden ausgeteilt. Propst Thomas Drope schwingt sich dafür selbst auf den Sattel. Ebenso wie seine Amtskollegen vom Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein wird er die 2,7 Kilogramm schweren Bücher – anlässlich des Reformationstags – in seine Pinneberger Propstei bringen. Drope wird eine Strecke zwischen 60 und 90 Kilometern fahren, um die 19 Bibeln zu den 16 Kirchengemeinden zu transportieren. Um Strecke sowie Gewicht zu schaffen, fahren die Propste mit E-Bikes.

Die Bibel wurde für das anstehende Reformationsgedenkjahr neu übersetzt. 2017 jährt sich zum 500. Mal der Beginn der Reformation in Deutschland, wo sie überwiegend durch Martin Luther (1483-1546) vorangetrieben wurde. Er war es, der die Bibel in verständliches Deutsch übersetzte.

Alle Bürger sollten sie in ihrer Sprache lesen, hören und verstehen können. Für die revidierte Lutherbibel hat die Deutsche Bibelgesellschaft gemeinsam mit der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) die Übersetzung mit 70 Fachleuten prüfen und überarbeiten lassen. „Die Bibeln sollen von den Gemeinden aus gern eifrig zu Lesungen genutzt werden, damit Gottes Wort auch weiterhin in unsere Region ausgebreitet und verstanden werde: zum Leben und Sterben als Trost und Hilfe“, sagt Propst Drope. Und er ergänzt: „Die revidierte Lutherbibel ist das Basisglaubensbuch unserer Kirche und ein Dokument der Schönheit unserer Sprache.“

Zehn Jahre hat es vom Anstoß bis zum Erscheinen der kirchenamtlichen Revision gedauert. Satz für Satz, Wort für Wort wurden kritisch betrachtet. Dabei orientierten sich die Mitwirkenden an drei Vorgaben:

  • Es sollte die größtmögliche inhaltliche Übereinstimmung mit den ursprünglich in altem Hebräisch und altem Griechisch verfassten Texten erreicht werden.
  • Es sollten die Besonderheiten von Luthers Bibelübersetzung bewahrt bleiben.
  • Der überarbeitete Text sollte im Sinne der Reformatoren allgemein verständlich bleiben.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine von den Evangelisch-Lutherischen Kirchen gemeinsam verantwortete Lutherbibel. Sie war die erste Revision in neuer Zeit. Schon 1912 folgte eine Zweite. „Von der liegen noch Exemplare auf einigen Altären in unseren Kirchen“, sagt Drope.

Die Fachleute aus Theologie, Sprach- und Lexikonwissenschaften seien laut Propst Drope mit den überlieferten Texten verantwortungsbewusst und „voll Hochachtung vor den Urtexten und der lutherischen Übersetzungsleistung“ gewesen. „Interessanterweise haben sie sich in Zweifelsfällen – und davon gab es wohl viele – von Luthers Bibel von 1545 inspirieren lassen“, sagt der Propst. Die neue Bibel beinhaltet also keine modernen Worte, die an die heutige Zeit angepasst sind, sie ist auch nicht in einfacher Sprache geschrieben – solche Übersetzungen gebe es bereits. „Sie ist aber insofern modern, dass sie in mancherlei Anmerkung deutlich macht, dass die gewählte Übersetzung nicht die einzig mögliche oder wahre sei“, erklärt Drope.

Reformation stammt vom Lateinischen „reformatio“ und bedeutet soviel wie Wiederherstellung oder Erneuerung. Sie bezeichnet die kirchliche Erneuerungsbewegung zwischen 1517 und 1648, die zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen wie katholisch, lutherisch und reformiert führte. Der Beginn der Reformation wird generell  auf das Jahr 1517 datiert, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll. Als Abschluss wird allgemein der Westfälische Frieden von 1648 betrachtet. Die Reformation war einer der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes, die schlussendlich zur Spaltung der Christenheit führte.

Und was hat sich nun genau verändert? Im Alten Testament heißt es neuerdings zum Beispiel im Kapitel „Das Stellvertretende Leiden und die Herrlichkeit des Knechts Gottes“: „... so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenskinder“. Zuvor hatte es „so hässlich sah er aus“ geheißen. Grund für die Veränderung von „hässlich“ zu „entstellt“ ist laut den Übersetzern ein Wandel in der Wortbedeutung: Zu Luthers Zeit hatte „hässlich“ nämlich noch den Sinn von „hassenswert/verhasst“, während es heute zu einer rein ästhetischen Kategorie geworden ist.

Texte wie die Weihnachtsgeschichte hingegen sind sogar näher an die ursprüngliche lutherische Übersetzung angelehnt. Beispiel: „Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.“ Statt ein jeglicher hatte es in einer Modernisierung von 1975/1984 „ein jeder“ geheißen. Ziel der Übersetzer war es die rhythmische Prosa der Originalfassung wiederherzustellen.

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erstellt am 31.Okt.2016 | 10:00 Uhr

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