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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

Das Sonntagsgespräch : „Was uns noch fehlt, ist das betreute Wohnen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sonntagsgespräch: Heute mit Karl-Heinz Weinberg (Bürgermeister Moorrege, CDU).

Morrege | Karl-Heinz Weinberg (CDU) ist seit mehreren Jahrzehnten Bürgermeister in Moorrege. Im Sonntagsgespräch erklärt er unter anderem, warum Fördermittel manchmal mehr Fluch als Segen sind.

Warum engagieren Sie sich in der Kommunalpolitik?
Es bringt mir Spaß, für meine Gemeinde da zu sein und etwas zu bewegen. Deswegen bin ich auch jeden Tag in meinem Büro im Amtsgebäude. Ich freue mich, wenn ich die Sorgen und Nöte der Bürger lindern kann. Dazu kommt: Bei uns in Moorrege gibt es keine langen Diskussionen, die Projekte häufig nur unnötig verzögern. Wir treffen Beschlüsse und setzen sie um. So bereitet einem die Arbeit Freude.

Vor welchen Herausforderungen steht Moorrege in den kommenden Jahren?
Die Entwicklung geht immer weiter. Wir haben einige Baugebiete auf den Weg gebracht, vor einigen Jahren hat sich der Rewe-Markt angesiedelt, das Ärztehaus ist Ende des Jahres fertig – wir sind für die Zukunft gerüstet. Was uns noch fehlt, ist das betreute Wohnen, das von den Älteren sehr stark nachgefragt wird. Wir führen schon Gespräche, damit sich das in absehbarer Zeit ändert.

Was bedeutet die 2017 anstehende Erweiterung des Amts Moorrege um die drei Gemeinden des Amts Haseldorf?
Die Erweiterung stärkt unsere Position gegenüber Kreis und Land. Sollte Kiel Strukturveränderungen planen und das Amt Moorrege davon betroffen sein, haben wir dem etwas entgegen zu setzen. Es war immer unlogisch, dass die Gemeinden des Amts Haseldorf von Uetersen verwaltet wurden, obwohl Moorrege fast in direkter Nachbarschaft liegt. Mit ein wenig mehr Geschick hätte man die jetzige Lösung schon vor zehn oder 15 Jahren haben können. Nun freuen wir uns auf drei weitere Gemeinden, die ab 2017 ebenfalls von Moorrege aus verwaltet werden. Es ist allerdings noch ein Anbau an das Amtsgebäude erforderlich, damit Platz für das zusätzlich erforderliche Personal da ist.

Mit was für Problemen haben Sie als Bürgermeister zu kämpfen?
Wir verbessern in Moorrege die Betreuungsmöglichkeiten. Die AktivRegion Pinneberger Marsch und Geest hat uns dafür EU-Zuschüsse in Höhe von 100  000 Euro bewilligt. Das klingt grundsätzlich positiv. Leider sind Förderanträge aber so komplizierte und langwierige bürokratische Akte, dass sie die Umsetzung verzögern. Wir haben durch die bürokratischen Hemmnisse mindestens ein Jahr verloren. Deswegen haben wir in Moorrege bisher auch auf Fördermittel verzichtet. Wenn wir etwas alleine machen, entscheiden wir alles selbst und werden schnell fertig. Von dem so häufig beschworenen Bürokratieabbau ist nichts zu merken. Im Gegenteil. Es wird alles komplizierter. Dadurch wird es immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden, die sich in den Vereinen oder in der Politik engagieren.

In Ihrem Büro hängen Bilder von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard. Sind der Ex-Kanzler und der ehemalige Wirtschaftsminister der Nachkriegsjahre Vorbilder für Sie?
Ja. Erhard schon allein dadurch, weil er wie ich Zigarrenraucher war. Das verbindet uns. An Adenauer und Erhard beeindruckt mich, dass sie immer klare Kante zeigten und dadurch unser Land nach vorne brachten. Sie haben für die Bürger und nicht nur für sich selbst gearbeitet. Das kann man von der heutigen Politikergeneration auf Landes- und vor allem auf Bundesebene leider kaum noch behaupten. Politiker vom Format eines Adenauers und Erhards gibt es nicht mehr. Und Bürgernähe existiert höchstens noch in den Kommunen.

Was ist Ihnen für Ihre Arbeit als Bürgermeister besonders wichtig?
Moorrege ist schuldenfrei. Das kann kaum eine Kommune von sich behaupten. Die wirtschaftliche Stabilität genießt höchste Priorität. Ist die gegeben, können wir etwas für unsere Bürger tun.

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erstellt am 03.Jul.2016 | 15:03 Uhr

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