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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 11:03 Uhr

Frauengesundheitswoche : Vortrag: „Gesundheit ist ansteckend“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Dr. Theodor Dierk Petzold sprach im Rahmen der Frauengesundheitswoche über Salutogenese. Positive Ziele setzen.

Pinneberg | Wer nicht auf seinen Körper und seine Bedürfnisse achtet, der wird krank. Klar, theoretisch wissen wir das alle. Danach handeln ist jedoch eine andere Sache – und müssen wir dann zum Arzt, geht es nur um eins: Die Krankheit abwenden. Einen völlig anderen Ansatz präsentierte aber am Mittwochabend der Arzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, Autor und Gründer des Salutogenesezentrums in Bad Gandersheim, Dr. Theodor Dierk Petzold. Zur Frauengesundheitswoche referierte er zum Thema „Gesundheit ist ansteckend – Salutogenese und Krebs“ im Pinneberger Rathaus.

Es war bereits die elfte Frauengesundheitswoche, die im Zuge der Reihe „Frauen brauchen eine andere Medizin“ läuft, organisiert vom Frauennetzwerk Pinneberg sowie den Gleichstellungsbeauftragten der Städte Pinneberg und Rellingen, Deborah Azzab-Robinson und Dorathea Beckmann. Passend zum Thema verlas Beckmann ein sehr persönliches Vorwort der Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk – die eigentlich hatte selbst kommen wollen – über deren eigene Krebserkrankung. „Der Glaube an mich selbst und an meine Kraft, auch schwere Krankheiten zu überwinden, setzt positive Energie frei“, las Beckmann vor, und „Erkennen, was oder wer einem nicht guttut und sich soweit wie möglich davon zu trennen, ist ein wichtiger Schritt. (...) Wenn es sich richtig anfühlt, ist es auch richtig.“

Diese persönliche Erfahrung untermauerte Dr. Petzold mit Wissenschaft. Er erklärte das Prinzip von Salutogenese für alle verständlich. Um die Krankheit, die im Titel angekündigt wurde, ging es dabei kaum, denn der Ansatz von Salutogenese ist ein grundsätzlich anderer: Das Wort Salutogenese leitet sich von salus, lateinisch für gesund, und genese, griechisch für Entwicklung, ab, erklärte Dr. Petzold. Damit ist auch schon alles gesagt: Es geht darum, nach Gesundheit und und einem Gefühl von Stimmigkeit zu streben, anstatt Krankheit zu vermeiden. „Man macht fast das Gleiche, aber das Ziel ist ein anderes“, sagte Dr. Petzold. Und das sei der entscheidende Unterschied. Dies belegte er mit Zahlen und erklärte es den Zuhörern psychologisch anhand von Verhaltensmustern. Er ist überzeugt: „Die moderne Medizin ist mitbeteiligt an der hohen Zahl an Stresserkrankten.“

Einfaches Prinzip

Das Prinzip, das Dr. Petzold seinen Zuhörern vorstellte, ist relativ einfach: Der Mensch reagiert entweder mit Annäherung oder Abwendung auf seine Umwelt (siehe Infokasten). Bleibt ein Mensch im „Abwendungsmodus“ stecken, wird Angst zu einem Dauerzustand und es drohen Depression und Burnout, und auch Krankheiten wie Krebs haben leichtes Spiel. Um da wieder rauszukommen, erklärte Dr. Petzold, muss ein Patient den Sprung in den „Annäherungsmodus“ schaffen und das leiste die positiv orientierte Salutogenese. Kurzes Innehalten und Überlegen, was man braucht und was man tun kann, um sich besser zu fühlen, was in dieser Situation stimmig ist, führe schon zum Ziel.

„Es ist wie beim Auto“, so Dr. Petzold. „Wenn das Warnlicht angeht, überlegen wir ja auch, was das Auto braucht, und kleben nicht ein Pflaster auf das Warnlicht.“ Viele Fragen ließ der Vortrag bei den Zuhörern nicht offen, alle schienen sich bestätigt in eigenen Beobachtungen. Auch für Beckmann war es ein Aha-Moment: „Jetzt verstehe ich, warum unsere Veranstaltungen zu bestimmten Krankheiten nicht mehr so gut besucht sind, dafür aber die, die Stärken hervorkehren.“

Eigentlich ein simples Rezept: Die Selbstwahrnehmung schärfen und wieder lernen auf den eigenen Körper, auf das Bauchgefühl zu hören. Etwas, was selbstverständlich sein sollte, uns aber im Zeitalter von Meetings, Deadlines und Termindruck anscheinend so verlorengegangen ist, dass es als völlig neue Entdeckung daherkommt.

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