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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 12:49 Uhr

Karrieren aus dem Kreis Pinneberg : Von Halstenbek nach Karlsruhe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Entscheidungen in letzter Instanz: Morgen erhält Kai Hamdorf in Berlin die Ernennungsurkunde zum BGH-Richter.

Halstenbek/Karlsruhe | Es ist eine Karriere, die ihn vom Wolfgang-Borchert-Gymnaisum in Halstenbek zum Bundesgerichtshof (BGH) nach Karlsruhe geführt hat – zu einem der höchsten Posten, der für einen Richter in Deutschland zu erreichen ist. Morgen wird Kai Hamdorf im Justizministerium in Berlin die Ernennungsurkunde als BGH-Richter erhalten. Die Krönung seiner Laufbahn? „Das darf man sagen. Mit der Wahl zum Bundesrichter geht für mich durchaus ein Traum in Erfüllung.“

Der 43-Jährige hat in den vergangenen Jahren häufig den Dienstort gewechselt. Nach dem Jura-Studium in Freiburg führte ihn das Referendariat unter anderem zu einem Rechtsanwalts nach Berlin und zum UN-Tribunal des Völkermords in Ruanda, das in Tansania stattfand. Über Brüssel (Externer Berater beim Amt für Betrugsbekämpfung) und erneut Berlin führte ihn sein Berufsweg zunächst wieder zurück nach Norddeutschland. Hier war er unter anderem von 2006 bis 2007 Richter am Amtsgericht Pinneberg und später Amtsrichter in Lübeck.

Kai Hamdorf

Kai Hamdorf

Die Hansestadt ist seit dieser Zeit seine neue Wahlheimat: Dort wohnt seine Frau mit dem gemeinsamen Kind. Kai Hamdorf sieht die Familie in der Regel nur am Wochenende: Seit 2014 ist er am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wissenschaftlicher Mitarbeiter des Präsidenten Andreas Voßkuhle.

Für den Posten als einer von knapp 130 BGH-Richtern wurde Hamdorf dann von Schleswig-Holsteins Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) vorgeschlagen, der Bundesrichterwahlausschuss war der Empfehlung im März dieses Jahres gefolgt. Hamdorf wird im Fünften Zivilsenat des BGH für höchstrichterliche Entscheidungen hauptsächlich aus dem Bereich Grundstücks- und Wohnungsrecht zuständig sein.

Seine Arbeit wird sich dabei deutlich von der Zeit im Amtsgericht Pinneberg unterscheiden, bei der manchmal zehn Verhandlungen in zwei Tagen anstanden. „Man hat mehr Zeit für die Entscheidung, aber auch mehr Verantwortung. Jedes Wort aus einem Urteil des BGH wird sehr genau wahrgenommen, diese gelten den Gerichten im ganzen Bundesgebiet in den kommenden Jahren als Orientierung.“

Sein Herz bleibt aber im Norden: „Das ist meine Heimat. Es gibt in Schleswig-Holstein ungefähr 500 Richterinnen und Richter. Das ist eine sehr vertraute Atmosphäre. Man kennt sich.“ Und auch nach Halstenbek kehrt er immer wieder zurück: „Meine Mutter wohnt noch da, ich gehe auch regelmäßig zu den Abi-Treffen.“ Wohl auch 2017, denn dann steht das Jubiläumstreffen an: 25 Jahre Abi am „WoBo“.

BGH Grundsatzurteile aus diesem Jahr

  • Gleichgeschlechtliche Paare können in Deutschland keinen gemeinsamen Ehenamen führen. Möglich ist  Recht nur ein sogenannter Lebenspartnerschaftsname, wie der BGH in der vergangene Woche  klarstellte. Daran ändert sich auch nichts, wenn das Paar im Ausland eine „Ehe“ schließen konnte.
  • „Sie sparen: 30 Prozent“ – solche Rabattangaben in der Werbung dürfen Verbrauchern keine Ersparnis vorgaukeln, die es in Wahrheit gar nicht gibt. Das hat der BGH im März unterstrichen.
  • Eine Patientenverfügung ist nach einer Entscheidung des BGH vom Juli für die Ärzte und Angehörigen nur bindend, wenn sie ausreichend konkret formuliert ist. Lediglich zu sagen, dass „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ gewünscht sind, reicht zum Beispiel nicht aus, entschieden die Karlsruher Richter.
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