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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 19:16 Uhr

„Zeit für mehr Solidarität“ : Viel Neues bei der Mai-Kundgebung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bundesweites Motto: „Zeit für mehr Solidarität“. Zentrale Veranstaltung in Elmshorn und Diskussionsrunde mit Betriebsräten geplant.

Kreis Pinneberg | Die Gewerkschaften im Kreis Pinneberg organisieren in diesem Jahr in Elmshorn eine zentrale Kundgebung zum Tag der Arbeit am Sonntag, 1. Mai. „Das Motto lautet diesmal: ‚Zeit für Solidarität‘. Es ist sehr weit gefasst, aber es spiegelt auch den Zeitgeist wider“, sagte Jens Festersen, der im Kreis Pinneberg die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vertritt. Derzeit gelte es, sich solidarisch für vieles einzusetzen, sagte Festersen. Im Bereich Arbeit seien etwa die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern und der Kampf gegen Altersarmut oder prekäre Arbeitsverhältnisse wichtige Themen, aber auch im Privaten müsse man derzeit Solidarität zeigen, etwa mit den Flüchtlingen, die ihre Heimat verloren haben und jetzt versuchen, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen.

„Der 1. Mai wird in Deutschland hauptsächlich als Feiertag betrachtet, dabei ist er als Tag der Arbeit sehr wichtig. Viele machen sich gar nicht bewusst, dass die Rechte der Arbeitnehmer nicht vom Himmel gefallen sind, sondern von solidarischen Arbeitergruppen durchgesetzt wurde“, sagte Michael Kahnert, der ebenfalls bei Verdi aktiv ist. Wie Solidarität innerhalb einer Gewerkschaft aussehen kann, beschrieb IG-Metall-Mitglied Wolfgang Stier: „Wir Gewerkschaftsrentner müssen für unsere Renten nicht mehr kämpfen, aber wir kämpfen für die Renten der jüngeren Generation.“

30 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder sind laut Festersen nicht mehr aktiv im Arbeitsleben. „Das durchschnittliche Eintrittsalter liegt jenseits der 30. Die Menschen treten in eine Gewerkschaft ein, sobald sich ihr Leben gefestigt hat, sie ihre Ausbildung beendet haben und erstmals einen unbefristeten Arbeitsvertrag in den Händen halten“, sagte er. Umso wichtiger sei der solidarische Gedanke, bei dem ihre Interessen auch von älteren Arbeitnehmern vertreten werden.

Mit der Veranstaltung in Elmshorn, die um 10 Uhr beim Gewerkschaftshaus, Schulstraße 3, beginnt, sollen Menschen darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig Zusammenhalt für die Gesellschaft ist. „Wir haben dieses Jahr unser Programm ein wenig verändert, um auch Menschen zu erreichen, die bislang nichts mit dem 1. Mai zu tun hatten“, berichtete DGB-Kreisverbandsvorsitzender Peter Brandt. Ein Mittel, um dies zu erreichen, sei ein Wechsel beim Musikstil. „In diesem Jahr wird die E-Wave-Gruppe NRT auftreten und die Elmshorner hoffentlich wach und neugierig machen“, sagte er.

HINTERGRUND Gedenktag für die Opfer des Haymarket Riots in Chicago

Seit 1890 gilt der 1. Mai als Tag der Arbeiterbewegung mit Massenstreiks und Massendemonstration. Ausgerufen wurde er im Jahr 1989 während des Gründungskongresses der sozialistischen Zweiten Internationalen in Paris. Als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ sollte der 1. Mai künftig dem Gedenken an die Opfer des Haymarket Riots dienen. Am 1. Mai 1886 begannen Arbeiter in den USA für einen Acht-Stunden-Tag in den Streik zu treten. Zentrum dieser Arbeiterbewegung war die Stadt Chicago in Illinois, in der sich in dem Jahr mehrere zehntausend Menschen an den Streiks und Demonstrationen beteiligt haben sollen. Der Streik der Arbeiter dauerte mehrere Tage. Am 3. Mai fand in der Nähe einer Maschinenfabrik eine Versammlung von Arbeitern statt. Die Polizei von Chicago wollte diese Versammlung der Streikenden auflösen und schoss auf die Demonstranten. Mindestens einer der Arbeiter wurde durch die Schüsse der Polizei getötet, einige Quellen sprechen von sechs Toten. Um gegen die Brutalität der Polizei zu protestieren, wurde für den darauf folgenden Tag erneut eine Versammlung einberufen. Diese fand auf dem Haymarket in Chicago statt. Auch der damalige Bürgermeister Chicagos, Carter Harrison, nahm an der Versammlung teil und hielt eine Rede. Nachdem er diese beendet hatte und ein Teil der Demonstranten bereits wieder auf dem Rückweg war, rückte abermals die Polizei an, um die Versammlung aufzulösen. Doch diesmal wurde auf die Beamten eine Bombe geschmissen – vom wem, das konnte nie geklärt werden.

Durch den Bombenanschlag wurde mindestens ein Polizist sofort getötet, weitere sechs sollen später an den Folgen gestorben sein. Allerdings widersprechen sich auch in Bezug darauf die Quellen, einige sprechen von sechs Toten direkt nach dem Anschlag. Auf jeden Fall kam es nach dem Bombenanschlag zu einer Schießerei zwischen den Demonstranten und der Polizei, bei der zahlreiche Menschen getötet und verletzt wurden. Obwohl nie ermittelt wurde, wer die Bombe gebaut und geworfen hatte, wurden acht Männer, die an der Organisation des Streiks beteiligt waren, angeklagt und für schuldig befunden. Das Gericht argumentierte damit, dass die Männer ebenso schuldig seien wie der Täter, da dieser den Anschlag überhaupt nur wegen ihrer Ideen verübt hatte. Vier der Männer wurden aufgrund des Urteils erhängt, gegen zwei von ihnen wurde das Todesurteil im Jahr 1893 aus Gnade in eine lebenslängliche Haft umgewandelt, einer wurde zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt und einer nahm sich in der Gefängniszelle das Leben.

 

Die Musikrichtung sei jedoch nicht die einzige Neuerung bei der Veranstaltung, sagte Brandt. „In den vergangenen Jahren haben sich bei der Kundgebung immer nur Gewerkschaften präsentiert, in diesem Jahr haben auch der Kinderschutzbund, der Weltladen und weitere Organisationen einen Stand auf dem Marktplatz“, berichtete er. Außerdem werde es ab etwa 11.20 Uhr eine Diskussionsrunde mit mehreren Betriebsratsvertretern aus dem Kreis Pinneberg geben, bei der diese über aktuelle Herausforderungen sprechen sollen, etwa über die Übernahme der Uetersener Maschinenfabrik Hatlapa durch den MacGregor Konzern.

Als sogenanntes Highlight der Kundgebung bezeichnete Brandt eine Rede des Hamburger Schauspielers Rolf Becker, der um 10.55 Uhr sprechen soll. „Rolf Becker ist ein sehr politischer Mensch und seit vielen Jahren in Gewerkschaften und in vielen anderen Bereichen aktiv. Ihm zuzuhören lohnt sich immer“, sagte Brandt.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 12:30 Uhr

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