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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 13:30 Uhr

Besuch vom Ministerpräsidenten : Torsten Albig auf Tour durch den Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Landesregierung hat Flüchtlinge und ehrenamtlichen Helfer zum Empfang nach Ellerhoop geladen. Weitere Besuche bei XFEL in Schenefeld und Medac in Wedel.

Kreis Pinneberg | Farouk Swed braucht nur zwei Worte, um das Eis zu brechen. Gerade hat Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) seine Rede beim Empfang „Willkommen in Schleswig-Holstein“ beendet. Der Landesvater hat über Integration gesprochen. Über Flucht vor Krieg, über Ängste, über Terrrorismus und den starken Willen, sich nicht vom Hass die eigene Freiheit nehmen zu lassen. Bewegende Worte, die eine nachdenkliche Stille über den sonnendurchfluteten Raum des Gartenbauzentrum Ellerhoop gelegt hat. Der syrische Flüchtling Farouk Swed nimmt sich das Mikrophon, guckt kurz in die Runde und sagt: „Moin, moin.“ Die Menschen im Saal applaudieren und lächeln.

Im vergangenen Monat befanden sich 3804 Menschen im Kreis Pinneberg in einem laufenden Asylverfahren. Die meisten davon kamen aus Afghanistan (1214), gefolgt von Syrien (1082), dem Irak (474), Iran (294) und Armenien (173). Die Zahl der neuankommenden Asylbewerber – diese werden vom schleswig-holsteinischen Landesamt für Ausländerangelegenheiten zentral zugewiesen – ist weiter rückläufig. Kamen im Januar dieses Jahres noch 296 Schutzsuchende neu in den Kreis Pinneberg, waren es im Juni nur 45. Die höchste Zahl gab es im Dezember 2015: Damals waren es 692.Quelle: Pinneberger Kreisverwaltung (Stand 7. Juli).

Swed war einer von knapp 100 Gästen, die dem Ruf der Landesregierung zum Empfang in Ellerhoop gefolgt waren. Schon zweimal hatte Albig Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer zu einem gemütlichen Beisammensein eingeladen. Bisher in Kiel, diesmal hatte sich die Landesregierung für die Menschen im südlichen Schleswig-Holstein das Gartenbauzentrum im Kreis Pinneberg ausgesucht.

Eine entsprechend kurze Anreise hatte Omar Idris, der seit einem Jahr in Borstel-Hohenraden lebt. Der 33-Jährige war aus Eritrea geflohen: „Vor der Diktatur. Es ist furchtbar“, erzählt Idris in gebrochenem Deutsch: „Hier ist es besser. Hier ist Frieden.“ Torsten Albig appellierte in seiner Rede an die Menschen im Norden, einen Richtungswechsel im Umgang mit Flüchtlingen zu vollziehen. Es müsse nicht mehr um die Frage gehen, wie diese Flüchtlingskrise zu bewältigen ist. Die Debatte müsse sich darum drehen: „Wie werden wir Teil eines Ganzen?“, sagte Albig: „Wir wollen permanent lernen. Es zeichnet uns aus, dass wir in Veränderungen keinen Angriff auf unser Sein empfinden.“

Genossen das gute Wetter und die kalten Getränke: Idris Omar (l.) und Misgun Brasgubar aus Eritrea sowei die kurdische Syrerin Fatma Ismael. Die Landesregierung hatte Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer eingeladen, die zuvor von Gemeinden und Organisationen vorgeschlagen worden waren.
Genossen das gute Wetter und die kalten Getränke: Idris Omar (l.) und Misgun Brasgubar aus Eritrea sowei die kurdische Syrerin Fatma Ismael. Die Landesregierung hatte Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer eingeladen, die zuvor von Gemeinden und Organisationen vorgeschlagen worden waren. Foto: Kleist
 

In Richtung der ehrenamtlichen Helfer sagte der Ministerpräsident: „Sie helfen sowohl den Flüchtlingen als auch unserer Gesellschaft. Sie bringen neue und alteingesessene Bürgerinnen und Bürger zusammen und helfen, sie in unsere Gesellschaft aufzunehmen.“ Farouk Swed war nach Ellerhoop eingeladen worden, um das Kieler Projekt Kultur grenzenlos e. V. vorzustellen. Dabei werden Patenschaften mit Studierenden vermittelt, die dann mit den Flüchtlingen die Freizeit gestalten: Strandbesuche, Zeltausflüge, gemeinsames Kochen. „In Syrien hatte ich Freunde und Familie. Als ich nach Deutschland kam, hatte ich nichts“, erzählte Swed. Inzwischen habe er durch die ehrenamtlichen Helfer wieder Anschluss gefunden: „Es ist ein bisschen wie Zuhause“.

Lob für das deutsche Gesundheitssystem

„Wir sind oft pharisäerhaft“, hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig am Nachmittag bei einem Besuch des Wedeler Pharmakonzerns Medac gesagt. Einerseits verlange die Gesellschaft, dass die Krankenkassenbeiträge nicht weiter steigen, andererseits solle gewährleistet sein, dass Deutschland in Sachen Entwicklung und Sicherheitsanforderungen an der Spitze bleibt.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) besuchte gestern die Medac in Wedel. Mathiesen
Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) besuchte gestern die Medac in Wedel. Mathiesen

„Irgendwann müssen wir uns entscheiden, was wir wollen“, sagte Albig.  Und er empfahl: „Wir sind gut beraten, wenn wir bereit sind, auch die Preise zu bezahlen.“ Schließlich wolle Albig in keiner Gesellschaft leben, in der Erkrankungen einfach hingenommen werden, in der nicht nach Heilmitteln geforscht wird und in der die Versorgung vom eigenen Geldbeutel abhängt.

Als sein Sohn mit einem Loch in der Herzscheidewand geboren wurde, hätte Albig sich als „kleiner Beamter“ in einem anderen Land, etwa den USA, niemals die Behandlung leisten können.

Damals habe er gelernt, „wie wertvoll es ist“, sich im deutschen Gesundheitssystem zu befinden. Andernfalls wäre das Lebens seines Sohnes, der nun Betriebswirtschaftslehre studiert, früh beendet gewesen.

Die Deutschen sollen laut Albig stolz sein auf ihr „effektives, wenn nicht gar das effektivste Gesundheitssystem der Welt“ und auf Pharmaunternehmen wie Medac, die „sehr innovativ“ an einem „schwierigen Markt“ Heilmittel entwickeln.

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erstellt am 03.Aug.2016 | 12:30 Uhr

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