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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 12:44 Uhr

Todesurteil für eine alte Birke

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vandalismus Ein Baumpfleger im Einsatz

Der Garten von Anne Müller (Name von der Redaktion geändert) ist ein kleines Paradies. Der Rasen ist saftig grün, Blumen blühen, rundherum stehen hohe Bäume. Die Blätter einer Birke rauschen im Wind. Ein Idyll. Wäre der Stamm des stattlichen Baums nicht angesägt. Beinahe einmal komplett um den Stamm herum haben Unbekannte mehrere Zentimeter tief eingeschnitten. Müller ruft Baumpfleger Uwe Thomsen zur Hilfe. Er kümmert sich um den Erhalt und die Pflege von Bäumen. „Dadurch wurden die Leitungsbahnen zerstört“, sagt Thomsen. „Der Durchfluss der Zucker wurde dadurch gestoppt und damit kommt es zum Absterben der Wurzeln“, erläutert er. Der etwa 40 Zentimeter lange Schnitt ist damit das Todesurteil für den Baum.

Müller wohnt im Oberen Ehmschen, direkt an der Grenze zwischen Pinneberg und Rellingen. Große Bäume säumen den Straßenrand, die Grundstücke sind großzügig und grün. Die Gärten sind gepflegt. Keine Nachbarschaft, in der Vandalismus erwartet wird. Müller steht neben dem verletzten Baum und blickt auf den Schnitt. „Der Baum wurde einfach angesägt. Wie kann so etwas passieren?“, fragt sie. Bemerkt hat sie die Attacke auf ihren Baum, als sie das Beet, das ihn umgibt, gepflegt hat. Zunächst seien ihr die Sägespäne am Boden aufgefallen. Dann der Schnitt.

Für Baumpfleger Thomsen, der von Müller zur Hilfe gerufen wurde, sind solche Attacken auf Bäume keine Seltenheit. In Kellinghusen wurden im vergangenen Jahr sechs große Bäume vergiftet. Die Folge: Die sechs Baumriesen bis 26 Meter Höhe sind unwiederbringlich verloren. 200 Jahre wurden die Bäume alt – nun müssen sie gefällt werden.

Thomsen hat einen ähnlichen Fall in Elmshorn betreut. Dort wurden mehrere Buchen angebohrt und mit dem Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat behandelt. „Wir haben Proben gezogen und die Analyse hat ergeben, dass das Mittel in sehr hoher Konzentration eingebracht wurde“, so Thomsen. Die über 100 Jahre alte Bäume sind nicht mehr zu retten.

Die Birke in Müllers Garten hat zwar nach ersten Erkenntnissen von Thomsen keinerlei Bekanntschaft mit solchen Mitteln gemacht, trotzdem kann der Baumpfleger auch für den 60 Jahre alten Baum nichts mehr tun. „Es war ein Eingriff, der die Struktur des Baumes nachhaltig geschädigt hat“, sagt er. Mit dem Schnitt haben die unbekannten Täter das Bastgewebe zerstört.

Der Bast ist das lebende Gewebe unter der schützenden Borke von Bäumen und leitet in Wasser gelöste Nährstoffe von der Krone in die Wurzel. Über diese Leitungen werden die Bäume also versorgt. Der Schnitt an der Birke von Müller ist zu tief, als dass eine sogenannte Bypasslösung möglich wäre, um ihn zu retten. Bei dieser werden dem Baum anderswo Rindenstücke entnommen und diese, ähnlich wie ein Pflaster, auf die verletzte Stelle aufgebracht. So kann die Verbindung zwischen Wurzel und Krone wiederhergestellt werden, dazu darf die Verletzung nicht zu schwer sein. „Für uns ist es ganz schlimm nicht helfen zu können“, sagt Thomsen.

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erstellt am 28.Mai.2016 | 16:49 Uhr

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