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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Ehrenamtlich unterwegs : Tierärztin aus Uetersen engagiert sich in Russland

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit sechs Jahren unterstützt Sonja Schirmer Projekte im Auslandstierschutz ehrenamtlich und reist dafür regelmäßig in Länder, in denen Bedarf besteht.

Uetersen | Nicht überall in der Welt geht es Hunden so gut wie in Deutschland. In Russland zum Beispiel, aber auch in den Ländern Südeuropas sind Straßenhunde ein trauriges Thema. Sie wachsen abseits des Menschen auf und werden, damit sie sich nicht zu sehr vermehren, regelmäßig entweder vor Ort erschossen oder eingefangen. Dann verenden sie oft in qualvoller Gefangenschaft. Zuweilen werden sie auch in den Zwingern brutal getötet. In Russland, sagt Tierärztin Sonja Schirmer, gibt es nach wie vor eine andere Einstellung zum Haustier Hund. Und es gibt diesbezüglich keine staatliche Ordnung. Somit fehlt es an einer Zuständigkeit für Straßenhunde aber auch –katzen.

Die junge Veterinärmedizinerin arbeitet in der Tierklinik Dr. Cornelius van Wees und Jasper Sach an der Lienausallee. Seit sechs Jahren unterstützt die junge Frau Projekte im Auslandstierschutz ehrenamtlich und reist dafür regelmäßig in Länder, in denen Bedarf besteht. Zuletzt war sie im Mai in Gusev. Das ist eine ländliche Region im Gebiet von Kaliningrad. Diesmal wurde das Projekt von dem deutschen Tierschutzverein ITV Grenzenlos finanziell begleitet werden.

Innerhalb von zwei Wochen wurden in dem dafür eingerichteten „Landwirtschaftlichen Kolleg“ 351 Hunde und Katzen sterilisiert beziehungsweise kastriert. Der Uetersener Tierärztin zur Seite standen ein deutscher Kollege sowie zwei russische Tierärztinnen.

Das Interesse in der Bevölkerung sei erstaunlich groß gewesen, berichtet die Uetersenerin. Und auch die Lokalpolitiker seien der Kampagne gegenüber aufgeschlossen gewesen. Die Tierärztin wertet das als einen Beweis dafür, dass der Tierschutzgedanke in die Köpfe der Menschen Eingang findet. Nicht nur herrenlose Tiere wurden behandelt. Auch viele Hundebesitzer schauten im Kolleg vorbei. Für eine Kastration/Sterilisation fallen in Russland Materialkosten in Höhe von 30 Euro an. Die Tierärzte arbeiten unentgeltlich.

Insgesamt beteiligte sich ITV Grenzenlos diesmal mit 8000 Euro. Ziel ist es, insbesondere auch die Veterinärmediziner in Russland (derzeit in Gusev) zu sensibilisieren, sich dem Tierschutzgedanken nachhaltig zu öffnen. Die in das Projekt einbezogenen etwa 15 Studenten des Kollegs sollen in Zukunft Botschafter des Tierschutzes in ihrer Region sein und als künftige Tierärzte fachkundig dazu beitragen, dass Kastrationen zum Wohl der Tiere und zur Vermeidung ungewünschten Nachwuchses weiterhin stattfinden.

Praktikumsplätze für Tierärzte in Deutschland gefunden

In dem Zusammenhang hat ITV Grenzenlos auch mehrere Praktikumsplätze für Tierärzte in Deutschland gefunden. Eine dieser russischen Tiermediziner ist Nadia Tishuk. Sonja Schirmer lernte sie in Gusev kennen. Die Russin unterstützt derzeit die Arbeit in der Uetersener Tierklinik und vertieft dort ihre Kenntnisse der Kastration und Sterilisation, aber auch hinsichtlich diagnostischer Verfahren wie Ultraschall und Röntgentechnologie. Sie soll später eine Multiplikatorin auch hinsichtlich der als notwendig eingeschätzten Aufklärungsarbeit sein – hin zu einem flächendeckenden Tierschutz. Obwohl das sicher ein schwieriger Weg ist. In Moskau zum Beispiel wurden Straßenhunde gerade wieder zum Abschuss freigegeben.

Die Arbeit von ITV Grenzenlos wertet Nadja Tishuk als wertvoll und beispielgebend. Sie weiß aber auch: Wer zum Beispiel Kaninchen an den Tropf hängt, muss es sich leisten können. Viele Hundebesitzer in Russland können oder wollen die Kosten für die Kastration aber nicht bezahlen. Sonja Schirmer freut sich daher, dass ITV Grenzenlos zugesagt hat, die Kastrations- und Sterilisationskosten weiterhin zu übernehmen. Auch in Zukunft wolle sie sich diesbezüglich dort engagieren, wo entsprechende Hilfe nötig und wo das Verständnis gegenüber dem Tierschutz erst noch wachsen müsse.

Mehr zum Arbeitsfeld von ITV Grenzenlos gibt es auch im Internet unter „www.itvgrenzenlos.de“. Dort gibt es auch mehrere Berichte über die von der Organisation begleiteten internationalen Projekte.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 16:15 Uhr

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