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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 15:38 Uhr

Backgeheimnisse und Lieblingssorten : Tag des Apfelkuchens im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Deutsche essen jährlich 25 bis 32 Kilogramm der Frucht. Elstar ist die beliebteste Sorte in Schleswig-Holstein.

Kreis Pinneberg | Die Seiten des Kochbuchs sind schon abgegriffen. Eigentlich liegt es aber nur zur Dekoration in der Küche von Silke Plüschau aus Haselau. Das Rezept für ihre „Apfeltorte mit Mandeln“ kennt die Beisitzerin des Landfrauenverbands Kreis Pinneberg auswendig. Und hat es verfeinert. „Da steht zwar 125 Gramm Butter, aber wenn es ein bisschen mehr ist, dann ist das auch ok“, sagt Plüschau. Ganz genau nimmt sie es nicht.

Silke Plüschau, Beisitzerin des Landfrauenverbands Kreis Pinneberg, schneidet die Apfeltorte an.
Silke Plüschau, Beisitzerin des Landfrauenverbands Kreis Pinneberg, schneidet die Apfeltorte an. Foto: Fröhlig

„Meine Oma hat immer gesagt: eine Handvoll hiervon, eine Handvoll davon“, sagt Plüschau und greift dabei in die Luft. Sie habe sich damals immer klare Anweisungen gewünscht. „Heute mache ich es genauso“, gesteht sie und verrät: „Die Feinheiten stehen nicht im Rezept. Das sind die kleinen Geheimnisse der Hausfrau, die nie jemand aufschreibt.“ Vor allem zur Weihnachtszeit ergänze sie die Apfeltorte mit Marzipan – abweichend vom Rezept.

Apfelkuchen wird im Hause Plüschau nicht nur am inoffiziellen Feiertag des Gebäcks zubereitet, sondern das ganze Jahr über. „Am besten sind natürlich die ganz frischen Äpfel direkt vom Baum. Die schmecken am intensivsten“, sagt Plüschau. Bei der Wahl der Äpfel setze sie auf Boskop oder Elster. „Das sind beides eher säuerliche Äpfel, wobei Boskop die etwas lieblichere Sorte ist“, sagt die Backexpertin. Heute würden oft die Sorten Gala oder Jonagold verwendet – mit süßlichem Geschmack. „Die schmecken nicht ganz so intensiv“, urteilt Plüschau.

„Die letztjährige Ernte war sehr reichhaltig“, sagt Wilfried Plüschau. Etwa 1400 Tonnen produzierte der Haselauer Obstbauer in seinem Betrieb auf 45 Hektar Fläche. Im Alten Land waren es etwa 280.000 Tonnen. „Das war unter dem Durchschnitt von 300.000 Tonnen“, berichtet Plüschau, der Geschäftsführer der Verwaltungsgesellschaft Marktgemeinschaft Altes Land ist. In Schleswig-Holstein wurden laut Statistikamt insgesamt 245.500 Tonnen Äpfel geerntet – 8000 Tonnen mehr als im Vorjahr.
„Elstar ist immer noch die bedeutendste Sorte“, erläutert Plüschau. Das gelte auch landesweit. 22.366 Tonnen der Sorte Elstar – inklusive Elshof und Red Elstar – wurden im Jahr 2015 geerntet. Den zweiten Platz nahm Jonagored mit 13.590 Tonnen vor Jonagold mit 12.793 Tonnen und Holsteiner Cox mit 12.298 Tonnen ein. „Die Sorte Jonami ist im Kommen, wie einige neue Sorten“, sagt Plüschau. Über den Geschmack sagt er: „Sie ist ähnlich wie Elstar, aber länger haltbar und geschmacklich feiner mit etwas weniger Säure.“ Auch die Sorte Wellant sei derzeit gefragt: „Die sind süß und unglaublich saftig.“
„Ich denke, es wird eine normale Ernte“, gibt Plüschau eine erste Prognose beim Blick über die etwa  120.000 Bäume auf seinem Hof ab, schränkt aber ein: „Das hängt von vielen Faktoren ab.“

Drei bis vier Rezepte für Apfelkuchen gehören zu ihrem Standardrepertoire. Die Apfeltorte stehe aber ganz vorn. „Es sind Standardzutaten, die ich immer zuhause habe, und die Zubereitung geht mir leicht von der Hand“, erläutert Plüschau. Doch der wichtigste Grund sei ein anderer: „Meine Familie mag ihn.“ Am liebsten mit Schlagsahne. „Fruchtkuchen und -torten schmecken mit Schlagsahne immer am besten“, ist sie überzeugt.

Doch was macht einen guten Apfelkuchen aus? Plüschau muss nicht lange überlegen: „Die Zutaten sind das Wichtigste. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ich gute Butter oder Halbfettmargarine nehme. Das gilt für alle Zutaten. Wenn es dann am Ende ein paar Gramm mehr sind als im Rezept angegeben, schmeckt es um so besser.“

Seit 10.000 vor Christus

Äpfel werden auf der ganzen Welt produziert. Die Obstbäume sind sehr genügsam und wachsen auf verschiedenen Anbauflächen – überall dort, wo ein gemäßigtes Klima herrscht. Bei den Deutschen steht der Apfel seit Jahren auf Platz eins der beliebtesten Obstsorten. Zwischen 25 und 32 Kilo isst jeder Bundesbürger pro Jahr – je nach Quelle. Dabei wird nur die Hälfte der verzehrten Früchte im eigenen Land produziert. Weltweit stehen Äpfel an vierter Stelle der Produktionsrangliste für Obstsorten – nach Zitrusfrüchten, Bananen und Trauben.

Bereits 10.000 vor Christus wuchsen auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan Äpfel, die auch der Hauptstadt ihren Namen gaben: Almaty, heute Alma-Ata, heißt übersetzt „Stadt des Apfels“. Der asiatische Holzapfel war recht klein und holzig, hatte viele Kerne und schmeckte sehr sauer. Über die alten Handelsstraßen kamen die Äpfel zu Römern und Griechen, die die heute süßen Äpfel züchteten. Von Italien aus gelangte der Apfel mit den Feldzügen der Römer etwa um 100 vor Christus nach Nordeuropa und erreichte dort auch bei den Kelten und Germanen schnell mystischen Status. Tod und Wiedergeburt verbanden die Kelten mit dem Symbol des Apfels. Die Göttin Iduna wachte laut der Sagen der Germanen über goldene Äpfel, die Unsterblichkeit verleihen konnten.

In einer walisischen Zeitung hieß es im Jahr 1866 erstmals: „An apple a day keeps the doctor away.“ Dort hieß es wörtlich übersetzt: „Iss einen Apfel vorm Zubettgehen und dein Arzt kann sich seine Brötchen nicht mehr verdienen.“ Als im 20. Jahrhundert die gesunde Wirkung des Apfels zunehmend bekannt wurde, verbreitete sich das Sprichwort weltweit.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 12:15 Uhr

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