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Pinneberger Tageblatt

27. August 2016 | 08:24 Uhr

3836 Kilometer bis zum Krieg : Syrien und Flüchtlinge stehen im Mittelpunkt des Ostermarschs in Wedel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Friedensnetzwerk Kreis Pinneberg lädt zur Kundgebung ein.

Kreis Pinneberg |  Zwischen Pinneberg und Aleppo in Syrien liegen 3836 Kilometer. 3836 Kilometer zwischen Frieden und Krieg. 38 Autostunden zwischen dem Warten auf den Frühling und dem Leben in Schutt und Asche und  der ständigen Gefahr, das Kreuzfeuer zwischen Rebellen, IS und Regierungstruppen, die Bomben und Granaten nicht zu überleben. 3836 Kilometer ist weit weg. Und doch hat der Krieg Deutschland, den Kreis Pinneberg erreicht. Flüchtlinge, die dem Schrecken des Krieges entkommen wollen, suchen Schutz. „Die Menschen sind willkommen“, sagt Irmgard Jasker aus Wedel, die seit mittlerweile Jahrzehnten – gemeinsam mit ihrem Mann Werner –  das Gesicht der Friedensbewegung im Kreis Pinneberg ist. „Mir wäre es allerdings viel lieber, sie würden aus anderen Gründen kommen  und nicht, weil sie um ihr Leben fürchten müssen“,  betont sie.

Die Ursprünge der Ostermärsche gehen auf britische Atomkraftgegner in den 1950er Jahren zurück. Zu Beginn der 1960er Jahre starteten auch in Deutschland Ostermärsche. Sie richteten sich unter anderem „gegen atomare Kampfmittel jeder Art und jeder Nation“. Einen zweiten Höhepunkt erfuhren die Demonstrationszüge der Friedensbewegung in den Jahren 1979 bis 1983  im Kampf gegen die Neutronenbombe und den „NATO-Doppelbeschluss“ zur Stationierung von Kurz- und Mittelstrecken-Atomwaffen in der Bundesrepublik. Mit dem Ende des Kalten Krieges verloren die Ostermärsche an Bedeutung.

„Flüchtenden helfen – Kriege beenden“ ist  auch das Motto des traditionellen  Ostermarschs in diesem Jahr am  Sonnabend, 26.  März. Den Schwerpunkt hat das Friedensnetzwerk Kreis Pinneberg auf den Krieg  in Syrien gesetzt, in dem seit Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011 ein blutiger Krieg herrscht, dem laut der Vereinten Nationen bislang mehr als 220.000 Menschen zum Opfer fielen. Mehr als  11,6 Millionen Syrer seien auf der Flucht – viele innerhalb des Landes, mindestens vier Millionen haben das Land laut UN verlassen. „Wenn wir weniger Flüchtlinge wollen, dann  brauchen wir keine Obergrenzen, sondern Frieden und die Abschaffung der Rüstungsexporte“, sagt Jasker.

Der Schwerpunkt Syrien wird sich auch in der Rednerliste des Ostermarschs widerspiegeln. Zwei junge Frauen, die  nach ihrer Flucht aus Syrien in Heidgraben Zuflucht gefunden haben, hatten sich an das Friedensnetzwerk gewandt und Unterstützung angeboten. „Die beiden Schülerinnen werden gleich zu Beginn der Auftaktkundgebung ab 10 Uhr auf dem Rathausplatz in Wedel sprechen“, kündigt Jasker an.

Erstmals seit Jahren  wird auch ein Vertreter der Politik  wieder am Rednerpult stehen. „Wir haben lange darüber diskutiert“, erläutert Jasker. Früher seien auch die Sozialdemokraten mit an Bord gewesen und die Bundestagsabgeordneten wie Lilo Blunck seien mitmarschiert. Aber auch die SPD habe in der Vergangenheit im Bundestag für Kampfeinsätze gestimmt, sodass dieses Bündnis in die Brüche gegangen sei. Diesmal wird dafür Christine Buchholz, Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, dabei sein. „Sie hat sich sehr exponiert für Frieden eingesetzt“, begründet Jasker diese Personalie und betont: „Wir sind überparteilich. Alle, die sich für Frieden einsetzen, sind unsere Verbündete.“

Engagement für Flüchtlinge und für Frieden sehen Jasker und ihre Mitstreiter an vielen Stellen. 1992 kam fast eine halbe Million Flüchtlinge nach Deutschland. Viele aus Rumänien und Jugoslawien. „Damals waren wir deutlich weniger in Wedel, die sich um diese Menschen gekümmert haben“, berichtet Werner Jasker. Dass es so heutzutage viele unterschiedliche Initiativen sind, sieht er als gutes Zeichen. Allerdings: Irmgard Jasker wünscht sich, dass auch viele von denen am Ostermarsch teilnehmen. „Es ist wichtig zu zeigen, dass wir Flüchtlinge willkommen heißen, dass wir gegen Krieg und Waffenexporte sind“, sagt sie. Der Ostermarsch sei die Gelegenheit, dieses nach Außen hin zu zeigen. Und: Krieg, weiß Jasker, bedeutet Leid. „Der Frieden aber macht Spaß.“

Ostermarsch in Wedel: Beginn 10 Uhr auf dem Rathausplatz. Nach der Kundgebung Demonstrationszug durch die Stadt zum Theaterschiff Batavia, Brooksdamm. Dort gibt es ab 12 Uhr ein Friedensfest mit Diskussionsrunde, Ostereiersuche Und Luftballonwettbewerb für Kinder. Es spielt die „Oster-Körner-Band“.

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