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Pinneberger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 15:42 Uhr

Elbquerung noch unklar : Südlink: Netzbetreiber informiert die Politik

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Infos über Verlauf der Stromtrasse: Der Netzbetreiber sprach mit Bürgermeistern und Abgeordneten.

Kreis Pinneberg | Wie kommt der per Windkraft erzeugte Strom vom Norden in den Süden? Das ist mittlerweile klar. Über Erdkabel. Doch wo die verlaufen werden, ist noch offen. Um die Elbe zu queren, stehen drei Varianten in der Diskussion: Bei Hetlingen, zwischen Neuendorf und Seestermühe sowie bei Brokdorf. Der Netzbetreiber Tennet wird die Pläne morgen den Bürgern im Kreis Pinneberg vorstellen. Gestern wurden Bürgermeister und Landtagsabgeordnete informiert. Zwei Ergebnisse gab es anschließend: Lob für die Transparenz des Netzbetreibers. Und eine Präferenz für die künftige Trasse: Die Brokdorf-Variante.

Erneuerbare Energien sollen bis zum Jahr 2050 etwa 80 Prozent der Stromversorgung in Deutschland ausmachen. Doch beim Netzausbau hakt es gewaltig. Es fehlen Stromautobahnen, um Ökostrom aus dem windreichen Norden und Osten in den Süden zu transportieren. Mit den Gleichstrom-Trassen Suedlink und Suedostlink primär unter der Erde soll der stockende Ausbau vorangetrieben werden. Bürgerproteste gegen die ursprünglich meist als Freileitungen mit Masten geplanten Stromautobahnen sollen verringert werden. Das dauert länger und wird um viele Milliarden Euro teurer. Als Suedlink der Betreiber Tennet und TransnetBW werden die Leitungen von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden-Württemberg sowie von Wilster in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern bezeichnet. Sie sollen größtenteils auf einer gemeinsamen Stammstrecke geführt werden. Die 800 Kilometer lange Trasse soll die „Hauptschlagader“ der Energiewende werden. Der Suedostlink der Betreiber Tennet und 50Hertz soll zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Isar bei Landshut in Bayern verlaufen. Auch diese Leitung ist nötig, um Öko-Strom gen Süden zu transportieren.

Südlink heißt das Projekt, mit dem von 2025 an der Strom quer durch die Republik geleitet werden soll. Und zwar in einer Schneise, die 40 bis 50 Meter breit sein soll. Ein 25 Meter breiter Teil dieser Schneise wird aufgegraben, in 1,80 Metern Tiefe werden Erdkabel verlegt. Unter der Elbe wird das Kabel in einem Tunnel hindurchgeführt.

Das eigentliche Verfahren beginnt im März. Doch Tennet möchte zuvor die Menschen in den betroffenen Kommunen in das Prozedere einweihen. Zum einen, um ihre Anregungen und Bedenken frühzeitig bei den Planungen mit zu berücksichtigen. Zum anderen aber auch, um mit dieser Offenheit eine größere Akzeptanz des Vorhabens zu erreichen und Klagen zu verhindern

Bürgermeister und Landtagsabgeordnete waren jedenfalls sehr zufrieden mit dieser Vorgehensweise. „Das, was uns vorgestellt wurde, macht einen sehr guten Eindruck. Und dass von Nord nach Süd Erdkabel verwendet werden, sorgt sicher für große Akzeptanz bei den Bürgern“, sagte der SPD–Landtagsabgeordnete Thomas Hölck. „Dass Tennet, bevor der eigentliche Antrag gestellt wird, mit den Bürgern in den Dialog treten will, ist ein sehr guter Weg“, meinte die Landtagsabgeordnete Ines Strehlau (Grüne). Die Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier (CDU) lobte ebenfalls „die große Transparenz des Verfahrens“. Sie begrüßte, dass Tennet möglichst schnell das Gespräch mit dem Kreisbauernverband suchen will. Vor dieser Seite hatte es Bedenken gegeben, der Boden könne dort, wo die Kabel verlegt worden sind, nicht mehr uneingeschränkt genutzt werden.

 

Elisabeth Benecke, Bürgerreferentin des Projekts Südlink bei Tennet, machte deutlich, dass es bislang noch keine Entscheidung für eine Variante gibt: „Eventuell werden deshalb in einer Region schlafende Hunde geweckt, obwohl die Region dann später gar nichts damit zu tun haben wird.“ Kritik an einem möglichen Trassenverlauf durch den Kreis Pinneberg gab es weder von den Abgeordneten noch von den Vertretern der Kommunen. Aufgrund von Siedlungen und Mooren sei dieser Verlauf aber wahrscheinlich schwieriger zu realisieren als im Nachbarkreis, so Strehlau. Hölk brachte es auf den Punkt: „Niemand von uns wird sicher böse sein, wenn die Trasse bei Brokdorf verläuft.“

Wie geht es nun weiter: Morgen werden die Bürger in Moorrege informiert. Deren Wünsche und Bedenken werden in die Pläne von Tennet eingearbeitet. Der Netzbetreiber schlägt im März 2017 eine Variante sowie Alternativrouten der Bundesnetzagentur vor. Denn entscheiden wird nicht Tennet, sondern die Bundesnetzagentur. Die Netzagentur prüft anhand von 50 Kriterien die Varianten der Elbquerung. Anschließend wird dieser Vorschlag den so genannten Trägern öffentlicher Belange erneut zur Stellungnahme vorgelegt. Tennet hofft auf Planfeststellungsbeschluss und Baugenehmigung im Jahr 2020. Dann könnte erstmals 2025 der im Norden erzeugte Strom von Schleswig-Holstein nach Bayern fließen.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 10:00 Uhr

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