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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Strukturwandel und Hochwasser

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach dem Krieg herrscht Wohnraummangel / Überflutung legt Stadt komplett lahm

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Elmshorn eine wahre Bevölkerungsexplosion. Hatte die Krückaustadt noch 1939 lediglich 22  000 Einwohner, so waren es zehn Jahre später bereits etwa 32  500. Der Anstieg ist nur zu einem kleinen Teil mit Eingemeindungen zu erklären. Viel bedeutender war die Zahl der Vertriebenen: Bei Kriegsende hielten sich um die 15  000 Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten im Stadtgebiet auf, die mangels Wohnraum anfangs in insgesamt neun Lagern untergebracht wurden. Ihre Funk- tion als wichtiger Bahn- und Telekommunikationsknotenpunkt erfüllte Elmshorn auch in der Nachkriegszeit

So wurde über die Sendefunkstelle der Bundespost der gesamte bundesdeutsche Fernsprechverkehr nach Übersee abgewickelt. Andere Branchen verloren hingegen an Bedeutung. So endete mit der Schließung der Lederwerke Knecht sowie später der Metzger-Werke Mitte der 1960er Jahre die traditionsreiche, lederverarbeitende Industrie - Bauwerke wie die Markthalle und das Torhaus am Marktplatz sind Baureste ehemaliger Lederfabriken. Auch der Schiffbau kam nach dem Konkurs der Kremer-Werft 1978 nach rund 200 Jahren zum Erliegen. Auf dem ehemaligen Werftgelände befindet sich heute ein Baumarkt.

Tief ins Elmshorner Kollektivgedächtnis hat sich auch die Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 eingegraben. Eine Sturmflut, die auch in Hamburg und an Teilen der deutschen Nordseeküste für schwere Schäden sorgte, setzte beinahe die gesamte Stadt unter Wasser.

Dabei empfanden seinerzeit viele Bewohner den anfänglichen Sturm noch als harmlos. Doch gegen 0.30 Uhr brach, von der Elbe kommend, plötzlich eine riesige Flutwelle herein, die die Deiche an der Krückau spielend brach. In der Innenstand wurde ein Pegelstand von einem Meter gemessen, Häuser stürzten ein, die Stromversorgung kollabierte.

Insgesamt 150 Bundeswehrangehörige fuhren mit Spezialmotorfahrzeugen durch die Straßen, um Menschen aus oder vom Dach ihrer Häuser zu retten. Dabei spielten sich dramatische Szenen ab. So wurden die Bewohner des Altenheims Elbmarsch von Rettern der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks aus ihren im Wasser schwimmenden Betten geholt und in die Rettungsboote getragen. Insgesamt entstand durch die Katastrophe zwar ein Schaden von 30 Millionen Mark, Todesopfer gab es durch das rechtzeitige Alarmieren der Einsatzkräfte im Gegensatz zu Hamburg aber nicht zu beklagen. Das 1969 errichtete Krückausperrwerk bannte die Gefahr weiterer Sturmfluten. Im folgenden Jahrzehnt erhielt die Pinneberger Innenstadt ein neues Gesicht. Zwischen 1975 und 1977 wurden weite Teile des alten Stadtkerns abgerissen. Am 30. September 1982 wurden die Arbeiten an der Ost-West-Brücke abgeschlossen, die seither den beschrankten Bahnübergang an der Nordseite des Bahnhofs ersetzt. Zum stärksten Wirtschaftszweig entwickelte sich die Lebensmittelindustrie.

Seit Juni 2009 ist Elmshorn zudem Sitz der Verwaltung des Kreises Pinneberg. Der Umzug aus Pinneberg, das weiterhin Kreisstadt und Sitzungsort des Kreistags ist, war im Oktober 2011 abgeschlossen.
























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erstellt am 12.Sep.2016 | 12:25 Uhr

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