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Pinneberger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 15:25 Uhr

Sportabzeichen für die Integration

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Leistungstest Afghanische Familie ließ sich zu Prüfern ausbilden / Ab Donnerstag sollen Übersetzer Flüchtlinge unterstützen

Jasmin Khoshdil lächelt und schüttelt den Kopf. „Nein, so etwas wie das Sportabzeichen gibt es in Afghanistan nicht. Da gibt es auch kaum Vereine“, sagt die 18-Jährige, die vor drei Jahren mit ihren Eltern aus ihrer Heimat floh und heute in Pinneberg lebt. Fitness und Selbstverteidigung sind ihre Sportarten. Per Zufall landete sie in der Abteilung Sportabzeichen des VfL Pinneberg und nimmt mittlerweile selbst Prüfungen ab.

„Wir hatten eine große Sportabzeichenverleihung im Februar und da habe ich Jasmin und ihre Eltern angesprochen, ob sie helfen können“, erinnert sich Björn Manneck, Sportabzeichenkoordinator des VfL Pinneberg. Die drei halfen nicht nur, sondern trainierten bei ihm mit und legten selbst die Prüfung zum Sportabzeichen ab. „Wir haben ein Loch bei Menschen zwischen 20 und 40 Jahren und kaum Flüchtlinge“, stellte Manneck bei der Auswertung der Ergebnisse der Prüfungen fest. Damit war seine Idee geboren, genau diese Gruppen anzusprechen – mit Hilfe von Jasmin Khoshdil und ihren Eltern. „Unser Problem war natürlich die Sprache“, so Manneck. Jasmin sprich außer Deutsch und Englisch auch Persisch, Dari, den indischen Dialekt Urdu und Paschtu. „Vieles habe ich durch das Fernsehen gelernt“, sagt die sprachbegabte 18-Jährige, die eine Ausbildung zur Chemielaborantin absolviert.

Am kommenden Donnerstag, 15. September, sollen Flüchtlinge an der Kampfbahn B ihr Sportabzeichen ablegen. Einige Sprachpaten haben ihre Unterstützung zugesagt und werden beim Übersetzen helfen. „Wir hoffen, dass viele Betreuer mit ihren Schützlingen kommen“, sagt Manneck. Zudem hat er den Flüchtlingskoordinator des VfL Pinneberg angesprochen sowie den Diakonieverein Migration. „Bei uns kann jeder Sport machen und die Prüfung ablegen“, sagt er. Eine Vereinsmitgliedschaft sei kein muss. „Es hat hier auch weniger Prüfungscharakter, sondern wir wollen einfach den Spaß vermitteln“, sagt Manneck. Und er will Vorbehalte und Vorurteile abbauen. „Als wir mit dem Behindertensport angefangen haben, wollten einige Eltern nicht, dass ihre gesunden Kinder mit behinderten trainieren. Mittlerweile ist das ganz normal. Wir wollen für die Flüchtlinge keine Sonderveranstaltung, sondern gemeinsam Sport machen.“

Bis Ende September werden donnerstags und freitags von 17.45 bis 19.30 Uhr an der Kampfbahn B die Prüfungen für das Sportabzeichen abgenommen. Bisher waren es 77 in diesem Jahr – 99 im Vorjahr.

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erstellt am 10.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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