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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Pinneberg droht der Wohnungsnotstand : SPD-Landesvorsitzender Ralf Stegner auf Sommerreise

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sommerreise SPD-Landesvorsitzender Ralf Stegner zu Gast in der Diakonie. Der Politiker fordert mehr sozialen Wohnungsbau.

Rellingen | Ralf Stegners Sommerreise steht unter dem griffigen Motto „Soziale Gerechtigkeit“. Und wo könnte der SPD-Landesvorsitzende darüber besser sprechen als in der Pinneberger Beratungsstelle für Wohnungslose der Diakonie in der Bahnhofstraße 12, wo er am Dienstagnachmittag zusammen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten und Pinneberger SPD-Chef, Kai Vogel, zu Gast war.

Die Mitglieder der Einrichtung, Peter Diekmann und seine drei Kolleginnen Anja Valentin, Christa Hausmann und Antje Mause, redeten nicht lange um den heißen Brei herum und schlugen Alarm. „Es gibt in Pinneberg und auch im Kreis zu wenig bezahlbare Wohnungen für Bedürftige“, fasste es Antje Mause zusammen. Der Wohnungsnotstand werde immer schlimmer, zumal Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung ihren Status änderten – sie würden dann unter „Obdachlose“ geführt. Für den Wohnungsmarkt bedeutet es, dass noch mehr Menschen um bezahlbaren Wohnraum werden kämpfen müssen, so die Sozialarbeiter der Diakonie.

Was heißt das konkret? Die Einrichtung ist eine Anlaufstelle für Menschen, die günstige Wohnungen suchen, die im Rahmen der Mietobergrenzen des Jobcenters liegen, heißt es im Sachbericht 2015 der Beratungsstelle. Die Miete für eine Person dürfe inklusive allem 490 Euro nicht überschreiten, so die Analyse.

„Das Thema ‚Bezahlbare Wohnungen‘ wird in Deutschland eine große Rolle im Wahlkampf spielen“, sagte Stegner. Er setzt dabei auf sozialen Wohnungsbau. „Das Land kann nicht selbst bauen“, sagte Stegner. Bund und Land stellten dafür aber große Beträge bereit, doch beispielsweise in Neumünster, wo ihn seine Sommerreise auch hinführte, würden die Mittel für bezahlbaren Wohnraum gar nicht abgerufen. „Die Stadt zahlt die Fördergelder lieber an das Land zurück, statt zu bauen“, kritisierte Stegner. Manche Kommunen würden 30 Prozent gerade noch hinbekommen. Stegner machte für das Defizit die politischen Mehrheiten verantwortlich. Die CDU wolle lieber Einfamilienheime. Man solle sich mal die politische Zusammensetzung in den Ratsversammlungen ansehen.

20 Prozent das Maximum

Oft seien 20 Prozent aber das Maximum, fügte Vogel an. Als Beispiel nannte er das ehemalige Ilo-Gelände in Pinneberg, auf dem 250 Wohneinheiten entstehen sollen. Ginge es allerdings nach Antje Mause, wären 35 bis 45 Prozent sozial geförderter Wohnungsbau für die Kreisstadt angemessen.

Die Zahlen der Statistik 2015, die die Diakonie vorlegt, sprechen eine deutliche Sprache: 524 Menschen kamen in die Einrichtung. 30 Prozent der Hilfesuchenden erhielten eine fristlose Kündigung, und 57 Prozent drohte eine Räumungsklage. „Wenn sie bei uns landen, ist schon eine Menge schief gelaufen“,sagte Anja Valentin von der Diakonie.

Doch nicht nur bei der Wohnungssuche helfen die Mitarbeiter der Beratungsstelle: Sozialberatung, Anträge stellen auf Kindergeld und Wohnungsgeld und der Gang zum Jobcenter – auch diese Aufgaben erledigen die Mitarbeiter. „Wir müssen die Menschen an die Hand nehmen, wenn sie Anträge nicht selbst stellen können“, sagte Stegner. Der SPD-Landesvorsitzende verwehrte sich allerdings dagegen, Obdachlose und Flüchtlinge gegeneinander auszuspielen nach dem Motto: „Warum kriegen die hier alles?“ Davon profitierten dann die Rechtspopulisten. Stegner: „Es ist die politische Notwendigkeit, an solchen Dingen etwas zu ändern.“

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erstellt am 01.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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