zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

So leben alte Schätzchen länger

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Repair-Café Chef des Jugendbahnhofs in Halstenbek will ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen / Start am 7. Dezember

Drei Fliegen mit einer Klappe schlagen, darum geht es Freimut Falk vom JubA 23 in der Halstenbeker Bahnhofstraße, mit seinem jüngsten Projekt: dem „Repair-Café“. Der Chef des Jugendbahnhofs will erstens ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. Zweitens will er Menschen eine erfüllende Beschäftigung ermöglichen, sei es nach dem Ende der Berufstätigkeit oder während erzwungener Untätigkeit, unter der vor allem Flüchtlinge mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus leiden. Und er will nicht zuletzt generationenübergreifend zu Geselligkeit und zum gemeinsamen Handeln ermuntern. Los geht es am Mittwoch, 7. Dezember, von 16 bis 19 Uhr und dann immer an jedem ersten Mittwoch im Monat.

„Das Rad mussten wir nicht neu erfinden, denn Repair-Cafés gibt es vielerorts schon“, spielte Falk die Vorbereitung herunter. Unter repaircafe.org gebe es im Internet sogar eine Plattform mit vielen Tipps zum Start und Betrieb einer solchen Einrichtung. Von da holte sich Falk unter anderem ein Formular zum Haftungsausschluss. „Denn natürlich kann eine Reparatur auch mal daneben gehen, dann soll ein ehrenamtlicher Helfer dafür nicht auch noch zur Kasse gebeten werden“, erläutert der Halstenbeker Initiator.

So ein Schaden ist aber unwahrscheinlich, denn es sind vielfach Handwerker im Ruhestand, die für ihren Einsatz im Repair-Café auf jahrzehntelange Berufserfahrung zurückgreifen können. Aber die Helfer könnten sich bei ihrem Einsatz ja auch verletzen. Auch dann schützt ein Formular vor Schadenersatzforderungen.

Das muss auch so sein, denn das Repair-Café erzielt keine Einnahmen. Alle Arbeiten sind ehrenamtlich und für Kunden kostenlos. Unterstützung für die neue Einrichtung kommt von der Bruno-Helms-Stiftung, dem Diakonieverein, der Gruppe Willkommenskultur und der Ideenwerkstatt.

Als besonders vielseitiger Helfer fiebert Rainer Bornholdt seinem Einsatz entgegen. Der Fernmeldetechniker im Ruhestand traut sich an alles ran: Fahrräder, Staubsauger, alte Schallplattenspieler und sonstige elektrische Geräte und sogar an alte Telefone. Jüngere JubA  23-Fans kennen sich bestens mit Computern, Handys und dem Internet aus und möchten Älteren gerne allerhand Tricks beibringen. Andere wiederum können nähen und sogar Ledersachen flicken. „Ganz besonders vielseitige Tüftler gibt es unter den Flüchtlingen, die bereits in ihren Heimatländern nichts weggeworfen haben“, weiß Falk. Und gerade diese Menschen brennen darauf, in ihrem neuen Gastland etwas Nützliches zu tun, statt untätig auf ihre Arbeitserlaubnis zu warten. Ehrenamtlich dürfen sie sich ja engagieren.
Wenn dann ab Dezember die ersten Repair-Kunden ihre Geräte anschleppen, dann gibt es auch Kaffee und Kuchen, denn es geht den Organisatoren eben auch um ein geselliges Miteinander.




zur Startseite

von
erstellt am 14.Nov.2016 | 14:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen