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Pinneberger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 06:07 Uhr

Kreis Pinneberg : Sie wissen nicht, wie es weitergeht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

50 jugendliche unbegleitete Flüchtlinge müssen im Sommer die Kreisberufsschule verlassen und suchen nun Praktika.

Kreis Pinneberg | In ein paar Wochen ist die Schulzeit für 50 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge vorbei. Noch lernen sie Deutsch, bekommen Unterstützung und haben einen strukturierten Alltag in der Berufsschule in Pinneberg. Aber: Wer 18 Jahre alt ist, muss gehen. „Im Sommer ist für diese Flüchtlinge die Berufsschulpflicht erfüllt. Sie werden ausgeschult“, sagt Antje Reese. Die Lehrerin ist in der Berufsschule Abteilungsleiterin für die Berufsvorbereitung. Sie soll jugendlichen Flüchtlingen das Berufsbildungssystem näher bringen, den Übergang gestalten.

„Vom Bildungsministerium wurden wir dafür sehr gut ausgestattet“, sagt sie. Das Geld hat Reese nicht in Sachmittel, sondern in Know-how investiert und Caitlin Griffiths und Sibylle Schulz engagiert. Die beiden Mitarbeiterinnen haben im Mai damit begonnen, die Jugendlichen zu coachen. Sie erarbeiten Bewerbungsmappen, erfragen in Einzelgesprächen Interessen und Talente, stellen Kontakte zu Arbeitgebern her und sind oftmals auch dafür da, die Erwartungen in realistische Bahnen zu lenken: „Viele der jungen Flüchtlinge kommen mit überfrachteten Vorstellungen hier an. Sie wollen studieren oder Mechaniker werden und wissen nicht, dass man dafür auch bestimmte Schulabschlüsse braucht.“

Vordringlich ist, dass die 18-Jährigen zum Sommer hin in Praktika vermittelt werden. 40 Jungen und zehn Mädchen stehen bereit und wollen anpacken. So wie die Zwillinge Fereshteh und Farahnaz, die aus Teheran geflohen sind. Dort haben sie bereits als Friseurin und Schneiderin gearbeitet. Das möchten sie auch in Deutschland. „Ich habe in Teheran Brautkleider geschneidert“, sagt Farahnaz. „Jeden Tag zehn Stunden.“

Netzwerkerinnen in Sachen Berufsorientierung: Caitlin Griffiths (l.) und Dr. Sibylle Schulz knüpfen Kontakte zu Arbeitgebern.
Netzwerkerinnen in Sachen Berufsorientierung: Caitlin Griffiths (l.) und Dr. Sibylle Schulz knüpfen Kontakte zu Arbeitgebern. Foto: Lincke
 

Das Schicksal der Mädchen ist hart. Während der Flucht sind die Eltern ums Leben gekommen. Jetzt sind sie gemeinsam mit einer älteren Schwester auf sich gestellt; sie wohnen in Halstenbek. „Sie lernen schnell“, sagt Griffiths. „Es sind liebevolle, reife Mädchen, auf die man sich verlassen kann.“

Praktika seien wichtig, damit die jungen Flüchtlinge auch nach der Schule weiterhin eine Struktur haben und Deutsch lernen. „Ohne Sprache keine Integration“, sagt Schulz. Das derzeitige Sprachniveau schätzen die Expertinnen als alltagstauglich, aber nicht als berufstauglich ein. Besser sei es, die Jugendlichen könnten noch ein Jahr Schule anhängen. „Aber die Schulgesetze in Schleswig-Holstein verbieten das.“ Das ginge nur in Bayern. „Dort werden unbegleitete, jugendliche Flüchtlinge bis Mitte 20 beschult, wenn der Einzelfall es erfordert“, sagt Reese. In der Beruflichen Schule des Kreises Pinneberg werden außer den 18-Jährigen auch noch 120 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge unterrichtet.

Arbeitgeber, die einen Praktikumsplatz zu vergeben haben, können sich bei Griffiths und Schulz unter Telefon 04101-84340782 melden. Auch per E-Mail sind sie erreichbar. Zudem werden Menschen gesucht, die ein wenig Zeit in die Jugendlichen investieren und mal etwas mit ihnen unternehmen möchten.
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erstellt am 28.Mai.2016 | 16:00 Uhr

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