zur Navigation springen

Pinneberger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 22:21 Uhr

Ein Jahr nach „Appen musiziert“ : Rolf Heidenberger über die Zukunft der Spendenorganisation

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview: Ein Jahr nach der letzten Großveranstaltung berichtet Rolf Heidenberger, wie die Spendenorganisation jetzt weiterarbeitet.

Appen | Die Zeit der Großveranstaltungen ist seit etwa einem Jahr vorbei. Das Ende der Galas bedeutet jedoch nicht das Aus für die Spendenorganisation. „Appen musiziert“ lebt weiter und setzt sich immer noch für kranke Kinder ein. Im Interview mit shz.de berichtet „Appen musiziert“-Macher Rolf Heidenberger, wie er sein Organisationstalent in Zukunft für seine Heimatgemeinde Appen und den gesamten Kreis einbringt. Und er verrät, dass er aktuell an einer Veranstaltung für die zahlreichen „Appen musiziert“-Fans arbeitet.

Der gebürtige Appener Rolf Heidenberger (66) ist verheiratet und hat einen Sohn. Er war 30 Jahre lang Vorsitzender des Spielmannszugs Appen, mehr als 20 Jahre Geschäftsführer der Edeka Fleischwerke Nord und ist inzwischen im Ruhestand. „Appen musiziert“ rief er 1990 ins Leben und machte es zur größten ehrenamtlich organisierten Feuerwehr-Benefizveranstaltung in Europa. Für seinen  Einsatz hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Heidenberger ist unter anderem Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag kürte ihn 2005 in Zusammenarbeit mit dem A. Beig Verlag zum „Mensch des Jahres“. Die Gemeinde Appen ernannte ihn 2015 zum Ehrenbürger.

Die letzte Großveranstaltung liegt etwa ein Jahr zurück. Was ist von „Appen musiziert“ geblieben?
Die unglaublich hohe Spendenbereitschaft ist weiterhin da. Auch ohne Großveranstaltung hilft „Appen musiziert“ kranken Kindern. Die Menschen würdigen zudem, was geleistet wurde und bedauern, dass es keine weiteren Galas gibt.

Wie sehen die aktuellen Aktivitäten aus?
Die Patenschaft zur Marseille-Kaserne werden wir weiter pflegen. „Appen musiziert“ wird immer zu den Soldaten und der Unteroffizierschule der Luftwaffe stehen. Deshalb war es für mich auch selbstverständlich, vor kurzem bei der Organisation des „Tags unter Freunden“ in der Kaserne mitzuhelfen. Derzeit bin ich auf der Suche nach einer Attraktion für die „Appen musiziert“-Fans. Das könnten ein Biker-Treff oder eine Abendveranstaltung in der Distelkamphalle mit etwa 4000 Besuchern sein.

Ist auch eine weitere große Gala möglich?
Viele warten, dass ich einknicke und doch noch einmal zu einer großen Gala einlade. Das wird nicht passieren. Eine Ganztagesveranstaltung unter meiner Regie ist ausgeschlossen. Ich bin inzwischen seit mehr als 50 Jahren ehrenamtlich tätig und irgendwann ist es gut. Wenn jemand bereit ist, diese Aufgabe zu übernehmen, helfe ich natürlich. Schließlich sind die Veranstaltungen sehr stark von meinem Netzwerk abhängig. Aber die alleinige Verantwortung kann ich nicht mehr übernehmen. Sechs Wochen vor der Veranstaltung im vergangenen Jahr hatte ich eine schwere Operation. Vier Tage später war ich wieder für „Appen musiziert“ im Einsatz. Das hätte auch schief gehen können. Wenn ich kurz vor der Gala ausgefallen wäre, hätte das den Super-Gau bedeutet.

Wenn jemand die Aufgabe übernimmt, stünden Sie also an dessen Seite?
Natürlich. Ich würde demjenigen auch mein gesamtes Netzwerk zur Verfügung stellen. Wer diese Aufgabe übernimmt, muss aber wissen, dass er über Monate kein Wochenende hat. Dazu ist häufig sogar vor und nach der normalen Arbeit im Beruf etwas zu tun.

Worauf kommt es noch an?
Man muss viele Einladungen annehmen, um das Netzwerk zu erhalten und zu erweitern. Das Netzwerk ist schließlich das Erfolgsgeheimnis von „Appen musiziert“. Ohne dieses wäre es gar nicht möglich, eine solche Veranstaltung zu organisieren. Ich genieße das Vertrauen von Sponsoren, Helfern, Ämtern und Behörden. Sie wissen, dass sie sich auf mein Wort verlassen können. Um „Appen musiziert“ kann sich nur jemand kümmern, der charakterfest und bereit ist, auf vieles zu verzichten. Auch die Unterstützung der Familie ist eine zwingende Voraussetzung.

Sie sind nicht nur für „Appen musiziert“ aktiv. Was machen Sie sonst noch?
Ich bin im kommenden Jahr als Koordinator an der Organisation der Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen des Kreisfeuerwehrverbandes beteiligt und werde mich außerdem darum kümmern, dass es ein Gelöbnis in Appen gibt. Für das Jahr 2018 habe ich dem neuen Kommandeur, Oberst Michael Skamel, zugesagt, bei der Organisation „30 Jahre Unteroffizierschule der Luftwaffe“ mitzuwirken. 2019 wird Appen 750 Jahre alt. Dazu feiert der Spielmannszug der Feuerwehr sein 100-jähriges Bestehen. An der Organisation werde ich mit Sicherheit beteiligt sein. Das Rahmenprogramm steht bereits. Kurzfristig muss die Appener Gemeindevertretung beschließen, ob und in welcher Größenordnung etwas geplant werden soll. Der Spielmannszug hat bereits entschieden, dass sein Jubiläum groß gefeiert wird. Wenn etwas gemacht wird, dann nur mit Attraktionen. Nichts ist schlimmer, als wenn einen zum Jubiläum nichts Besseres als ein „Tag der offenen Tür“ einfällt. Das kommt für mich nicht in Frage. Wenn ich etwas übernehme, erwarte ich, dass Gas gegeben wird.

Warum bringt es Ihnen Spaß, solche Großveranstaltungen zu organisieren?
Dafür braucht man Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen. Beides habe ich. Diese Arbeit liegt mir einfach und bereitet mir deshalb enorm viel Freude.

Wieso ist es Ihnen wichtig, sich ehrenamtlich zu engagieren?
Entweder hat man diese Gene oder nicht. Mir wurden sie von meinem Elternhaus mitgegeben. Ohne die Hilfe meiner Frau wäre das aber alles gar nicht möglich gewesen. „Appen musiziert“ war sozusagen unser gemeinsames Hobby. Es gibt aus meiner Sicht nichts Großartigeres, als einem kranken Kind helfen zu dürfen. Ich weiß selbst, was es bedeutet, wenn einem gesagt wird, dass man Krebs hat.

Sie haben schon mehrere Operationen hinter sich. Wie geht es Ihnen jetzt?
Sehr gut. Die letzte Untersuchung hat ergeben, dass kein Metastasen-Wachstum festzustellen ist. Daran hat „Appen musiziert“ großen Anteil. Dank meines Netzwerks wurde mir schnell geholfen. Das zeigt: Ehrenamtliches Engagement lohnt sich. Es bringt Spaß und man bekommt enorm viel zurück - auch in Notsituationen. Dafür bin ich das beste Beispiel. Bei mir hat das Ehrenamt sogar dazu beigetragen, mein Leben zu retten.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Okt.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen