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Pinneberger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 22:55 Uhr

Reiseplanung im Storchennest

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zugvögel In Haselau bereiten Storcheneltern ihren Nachwuchs auf den langen Flug in den Süden vor

Störche können treue Nachbarn sein: Als die Vögel am 14. April bereits zum zweiten Mal das neun Meter hohe Nest in ihrem Garten aufsuchten, war die Freude bei Familie Thomsen aus Haselau groß.

Ob es sich dabei wirklich um die auf die Namen Robert und Rosalie getauften Störche handelte, war lange Zeit nicht ganz klar. Es ist aber anzunehmen, dass sich Robert nach seiner Ankunft und dem fertigen Horstputz eine Neue gesucht hat, denn Störche sind eher nest- als partnertreu. Auch hatte es im vergangenen Jahr nicht mit dem Nachwuchs geklappt, sodass der Storchenmann sich wohl nach einer fruchtbareren Frau umgesehen hatte.

Und tatsächlich fing das Paar nach einiger Zeit treusorgend und abwechselnd an zu brüten und sich nur beim fliegenden Wechsel mit lautem Schnabelklappern zu begrüßen. Am 27. Mai war es dann soweit: Nach 30-tägiger Brutzeit schlüpften die beiden Küken. Die Eltern blieben im Rhythmus ihrer Arbeitsteilung. Liebevoll kümmerte sich abwechselnd Mama- oder Papa-Storch um die Kleinen, ohne sie je allein zu lassen.

Bei glühender Sonne, Regen oder Sturm wurden die Jungstörche mit den breiten Schwingen der Eltern geschützt. Die Erwachsenen achteten streng darauf, dass es bei den ersten Kletterversuchen auf den Nestrand keinen Absturz gab. Der jeweils andere Storch ist derweil auf Nahrungssuche unterwegs und bringt leckere Ratten, Mäuse oder Maulwürfe, die der Partner dann in einem Stück den Schlund hinunter in den Kehlsack bringt und dann zur Fütterung wieder auswürgt. Inzwischen sind sechs Wochen vergangen. Und es gibt eine traurige Nachricht. Denn wie es aussieht, hat nur eines der beiden Storchengeschwister überlebt.

Der Halbstarke ist mit etwa 70 Zentimetern schon fast so groß wie seine Eltern, hat aber noch flauschige weißgraue Federn, schwarze Füße und auch noch einen schwarzen Schnabel. Er sitzt auf dem Nestrand und breitet hin und wieder die Flügel aus, um für die ersten Flugversuche in etwa zwei Wochen zu trainieren. Bis dahin sind Jungstörche Nesthocker.

Viel Zeit bleibt den Storcheneltern nicht, ihre Brut bis zum Abflug ins Winterquartier nach Afrika oder Spanien fit zu füttern. Im August werden die Tiere von ihren Genen in den Süden getrieben. Für den Weg brauchen sie bis zu drei Monate. Bis nach Südafrika etwa legen sie bis zu 10  000 Kilometer zurück. Dann heißt es: Viel Glück den Adebaren. Denn so werden die Störche auf Althochdeutsch genannt. Das Wort leitet sich von „odaboro“ ab. Das heißt Glücksträger oder Segensbringer.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 12:34 Uhr

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