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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 21:16 Uhr

Tangstedt : Rattengift ausgelegt? Cockerspaniel Heidi und Samba gerettet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Hasloher Tierärztin rettet zwei Cockerspaniel – sie vermutet eine Vergiftung der Tiere.

Tangstedt | Das war knapp: Buchstäblich in letzter Minute gelang es der Hasloher Tierärztin Dr. Dorina Schoenrock, den beiden Englischen Cockerspaniel Heidi und Samba das Leben zu retten, nachdem sie – so die Vermutung der Ärztin und der Besitzerin Yvonne Arndt aus Tangstedt – beim Spazierengehen Köder mit Rattengift gefressen hatten. Nur der schnellen Reaktion der Tangstedterin ist es zu verdanken, dass sie nicht erneut um ein oder sogar zwei Tiere trauern muss, denn bereits im Juli war ihre sechsjährige Hündin Lillifee an einer Vergiftung durch Schneckenkorn gestorben. Ihre beiden anderen Hunde hatten den Vorfall überlebt.

„Wir kamen am Montagnachmittag von einem Spaziergang im Wald nördlich von Tangstedt zurück“, berichtet Arndt. Dort hätten beide Tiere am Rand des öffentlichen Wegs etwas gefressen. „Ich habe sofort reagiert und das, was noch im Maul war, herausgeholt“, betont Arndt. Dennoch müsse wohl bei beiden Tieren etwas von dem vermuteten Giftköder im Magen gelandet sein. „Etwa eineinhalb Stunden später kippte Samba im Sitzen plötzlich um“, erinnert sich Arndt. Durch die Erfahrung mit der Vergiftung im Sommer war sie sofort alarmiert „Ich wusste instinktiv, dass da irgendwas nicht stimmen kann“, sagt sie.

Wenig später stand sie in Schoenrocks Praxis in Hasloh. Ein Bluttest bestätigte Arndts Vermutung: „Die Gerinnungszeit betrug statt etwa 20 Sekunden mehr als eine Minute“, berichtet die Ärztin.

Unbekanntes Futter erbrochen

Dies könne als Hinweis auf Rattengift gewertet werden, denn der verwendete Wirkstoff Cumarin beziehungsweise seine chemischen Verwandten (Derivate) bewirken genau das: Sie sorgen dafür, dass die Tiere innerlich verbluten.

„Es ist einigermaßen unwahrscheinlich, dass gleich zwei Hunde aus einem anderen Grund gleichzeitig derart schlechte Gerinnungswerte haben“, sagt Schoenrock. Die Wirkung des Gifts sei bereits so weit fortgeschritten gewesen, dass das Blut „so dünnflüssig wie Wasser“ geradezu aus der Vene geschossen sei. Die Ärztin handelte sofort, gab beiden Tieren Brechmittel, eine Infusion und Vitamin K, um den Kreislauf zu stabilisieren und die Gerinnungswerte zu verbessern.

„Im Erbrochenen waren Stückchen, die aussahen wie Fleischwurst – definitiv etwas, das sie nicht von mir bekommen haben“, betont die Besitzerin. Doch anders als im Sommer, wo das Schneckenkorn eindeutig zu erkennen war, konnten keine Reste des Gifts gefunden werden. „Das liegt daran, dass häufig Granulat verwendet wird, das sich im Magen schnell auflöst und so ins Blut gelangt“, erläutert Schoenrock. Ein Bluttest, um das Gift eindeutig nachzuweisen, sei jedoch sehr kostspielig.

Auch zwei Tage nach der Vergiftung sind die Werte der beiden quirligen Hunde noch immer schlecht: Es dauert fast eine Minute, bis das Blut zu gerinnen beginnt. Etwa zehn Tage lang müssen beide Hunde nun täglich in der Praxis kontrolliert werden, darüber hinaus erhalten sie hochdosiertes Vitamin K.

Bei Verdachtsmomenten empfiehlt die Tierärztin, sofort einen Arzt aufzusuchen. „Wenn das Tier ungewöhnlich schlapp ist, die Schleimhäute blass sind und die Temperatur absinkt, muss das als Alarmsignal verstanden werden“, empfiehlt Schoenrock. Und Besitzerin Arndt wird künftig noch aufmerksamer sein.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 16:15 Uhr

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