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Pinneberger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 05:09 Uhr

Zehn Dörfer wachsen zusammen : Rainer Jürgensen im Interview

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Amtsdirektor Rainer Jürgensen berichtet im Interview von den Herausforderungen der Erweiterung des Amts Moorrege.

Moorrege | Rainer Jürgensen ist im Amt Moorrege seit einem Jahr Amtsdirektor anstatt Leitender Verwaltungsbeamter. Im Interview mit dieser Zeitung erklärt Jürgensen unter anderem, warum es für den Fortbestand das Amts wichtig ist, dass ab 2017 auch die Gemeinden des Amts Haseldorf von Moorrege aus verwaltet werden. Bisher unterstanden Appen, Groß Nordende, Heidgraben, Heist, Holm, Moorrege und Neuendeich dem Amt.

Amtsdirektor Rainer Jürgensen (49) war von Juni 2009 bis März 2015 Leitender Verwaltungsbeamter des Amts Moorrege und wohnt auch in Moorrege. Der verheiratete Vater einer Tochter arbeitete vorher unter anderem als Leitender Verwaltungsbeamter des Amts Breitenfelde. Außerdem ist er stellvertretender Landesvorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetags.

Frage: Was hat sich für Sie persönlich durch die Ernennung zum Amtsdirektor verändert?
Rainer Jürgensen:
Die Außenwahrnehmung ist eine ganz andere. Unser Stellenwert bei der Landesregierung und der Kreisverwaltung hat sich durch die Umstrukturierung vergrößert. Die Stimme des Amts Moorrege hat mit einem hauptamtlichen Amtsdirektor viel mehr Gewicht. In der täglichen Arbeit hat sich nichts Wesentliches geändert, da ich dem Ehrenamt bereits vorher viel abgenommen habe. Ich unterschreibe eigentlich nur mehr Dokumente. Auch die Zusammenarbeit mit Amtsvorsteher Walter Rißler ist weiter sehr eng und partnerschaftlich. Schließlich habe ich ihm einiges zu verdanken und kann von seinem Wissen und seiner Lebenserfahrung profitieren.

Was sind die größten Herausforderungen, vor denen das Amt steht?
Die größte Herausforderung ist sicherlich das Zusammenwachsen mit dem Amt Haseldorf, dessen Gemeinden Haselau, Haseldorf und Hetlingen zum 1. Januar 2017 dem Amt Moorrege beitreten. Aus juristischer Sicht nehmen wir zwar das Amt Haseldorf auf. Das trifft es aber nicht. Aus meiner Sicht wachsen wir zusammen.

Was bedeutet die Vergrößerung für das Amt und die einzelnen Gemeinden?
Der Fortbestand des Amts Moorrege ist gesichert. Ohne die Gemeinden des Amts Haseldorf kümmert sich das Amt Moorrege um weniger als 20 000 Einwohner. Wenn wir unter dieser Grenze bleiben, müssten wir über kurz oder lang damit rechnen, dass das Amt vom Land aufgelöst wird und eine Stadtverwaltung die Verwaltung der einzelnen Kommunen übernimmt. Dass die einzelnen Dörfer nun zusammen verwaltet werden, ist ein Pfund für die Zukunft. Die Kommunen profitieren davon, dass sie eine Verwaltung haben, die das Leben in den Dörfern kennt.

Glauben Sie, dass es zwischen den einzelnen Gemeinden Probleme gibt?
Ich bin davon überzeugt, dass wir es schaffen, eventuelle Probleme zu lösen. Wir haben schon jetzt sieben völlig unterschiedliche Gemeinden mit völlig unterschiedlichen Bürgermeistern. Trotz allem klappt die Zusammenarbeit. Daran wird sich mit drei weiteren Dörfern nichts ändern. Die kommunale Selbstverwaltung und die Finanzhoheit liegen ohnehin bei den Gemeinden.

Wie wirkt sich die Vergrößerung auf die politischen Gremien aus?
Der Hauptausschuss wird größer. Er besteht derzeit aus sieben Mitgliedern, nämlich den Bürgermeistern der einzelnen Gemeinden. Ich gehe davon aus, dass die Bürgermeister der anderen drei Kommunen dazu kommen. Jede Gemeinde hat weiter eine Stimme. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt aber natürlich bei der Politik.

Was bedeutet die Flüchtlingskrise für das Amt?
Wie in allen Verwaltungen auch Mehrarbeit. Deshalb brauchten wir zusätzliches Personal. Dank des großen Engagements der haupt- und ehrenamtlichen Kräfte läuft es bei uns auf Amts- und Gemeindeebene trotz aller Unwägbarkeiten zum Glück gut. Dafür danke ich allen, die sich so aufopferungsvoll einsetzen.

Sie sind auch stellvertretender Landesvorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetags. Was sind die größten Probleme mit denen Kommunen derzeit zu kämpfen haben?
Es gibt diverse Gesetzesvorhaben zur Änderung der Amts- und Gemeindeordnung. Für die Ämter ist von besonderer Bedeutung, dass Kiel darüber nachdenkt, die Amtsausschüsse zu verkleinern und ein Stimmenkontingent einzuführen. Dem Ausschuss sollen dann maximal drei Vertreter pro Gemeinde angehören. Angeblich sollen die Amtsausschüsse zu groß und deshalb in ihrer Handlungsfähigkeit beschränkt sein. Das ist völliger Blödsinn. Dann müssten auch etliche Gemeindevertretungen und Stadträte verkleinert werden. Die Änderung würde dazu führen, dass manche Parteien im Amtsausschuss nicht mehr vertreten sind.

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