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Pinneberger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 21:23 Uhr

„Die Zustände sind dramatisch“ : Pulverstraße in Wedel: Die Mieter schalten nach der Evakuierung einen Anwalt ein

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Hausverwaltung bringt die betroffenen Wedelerinnen und Wedeler in einem Hotel unter.

Wedel | Mehrere Bewohner eines Blocks an der Wedeler Pulverstraße mussten am Sonntag ihre Wohnungen verlassen, weil nach einem Unwetter Wasser durch das provisorisch gedeckte Dach drang. Nun meldet sich die zuständige Hausverwaltung, die Bauwerk Hamburg, zu Wort. Ein Wedeler Rechtsanwalt erhebt unterdessen schwere Vorwürfe. Er bezeichnet die Zustände in dem Gebäude als dramatisch.

„Die betroffenen Mieter wurden in einem Hotel untergebracht. Einen Mieter konnten wir nicht erreichen. Hier sind Mitarbeiter weiter bemüht“, teilte Bauwerk-Geschäftsführer Martin Rickers gestern mit. Seinen Angaben nach liegen zwölf Wohnungen in dem Dachgeschoss des Blocks und nicht vier, wie zunächst berichtet. Laut Rickers ist eine Mietpartei im Urlaub. Ein weiterer Bewohner sei bisher nicht in seiner Wohnung angetroffen worden, sein Aufenthaltsort unbekannt. Ein Mann sei zudem in eine städtische Unterkunft gebracht worden. Drei weitere Bewohner lebten vorerst in einem Hotel. Eine vierköpfige Familie mit behindertem Kind sei inzwischen in ihre Wohnung zurückgekehrt. Die übrigen Einheiten seien ohne unwetterbedingte Schäden.

In einem Hotel übernachtet auch Bozena Krajewska. Sie ist auf ein Beatmungsgerät angewiesen und war am Sonntag nach der Evakuierung in eine Krankenhaus gebracht worden. „Es geht mir soweit gut. An dem Hotel gibt es nichts auszusetzen“, sagte sie gestern.

Doch bereits vor der Evakuierung am Sonntag hatte Krajewska den Wedeler Rechtsanwalt Klaus-Peter Wassmann eingeschaltet. Der zeigte sich von den Zuständen in dem Block erschüttert. „Ich war in der vergangenen Woche dort. Da hat mich fast der Schlag getroffen. Die Zustände sind dramatisch“, sagte Wassmann. Der Fachanwalt für Mietrecht beklagt massive Schäden und Baulärm. „Die Mieter sind meist ältere oder sozialschwache Leute. Sie unter diesen Bedingungen dort wohnen zu lassen, ist unzumutbar“, sagte Wassmann. Zusätzlich zu Krajewska seien inzwischen vier weitere Betroffene zu ihm gekommen, um ihre Interessen vertreten zu lassen.

Vermieter des Gebäudes sind laut Wassmann Refflinghaus & Röllinghoff. An dieses Unternehmen und an Bauwerk Hamburg hat der Anwalt für Krajewska vor fünf Tagen eine Mängelliste geschickt. Und die ist lang. Der Anwalt rügt etwa eine durchfeuchtete Wohnzimmerdecke, ein beschädigtes Sofa, Schimmel und einen Sechs-Meter-Riss im Schlafzimmer sowie herausgebrochene Deckenteile im Flur. Wassmann hat ein Ultimatum gesetzt. Bis Anfang kommender Woche sollen die Schäden behoben sein. Sonst zieht er mit seiner Mandatin vor Gericht. Der Mietrechtsexperte vermutet, dass die Miete um fast 100 Prozent gemindert ist. „Ein weiterer Aufenthalt in der Wohnung ist meiner Mandantin nicht zumutbar. Bitte bestätigen Sie, dass von Ihnen die Kosten einer angemessenen Hotelübernachtung übernommen werden“, schreibt er an die Unternehmen.

Foto: Thieme
 

Die Unterbringung im Hotel arrangierte Bauwerk allerdings erst nach der Evakuierung am Sonntag. In einer Stellungnahme zum Fall Krajewskaja heißt es von Bauwerk: „Die Renovierungsarbeiten laufen seit Mitte August und sollen Ende der Woche abgeschlossen sein, sodass Frau Krajewska wieder in ihre Wohnung zurück kann.“ Schäden an Möbeln würden von dem Sanierungsunternehmen Wilko Wagner übernommen. Bauwerk werde die Schadensregulierung kontrollieren.

Siegmund Chychla, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Mietervereins zu Hamburg, sieht in dem Vorgehen Methode: „Zwar sind uns weder Refflinghaus & Röllinghoff noch Bauwerk Hamburg bisher durch massive Versäumnisse aufgefallen. Wir beobachten aber, dass bei Sanierungen von Dächern Kosten gespart werden. Eine vernünftige Abdeckung ist machbar, aber teuer.“ Er befürchtet, dass es an der Pulverstraße wieder Wasserschäden gibt. Chychla sagte: „Außer einem Anspruch auf Mietminderung gibt vielleicht auch Schadenersatzansprüche. Die Mieter sollten sich dringend juristischen Rat holen.“

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erstellt am 31.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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