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Pinneberger Tageblatt

24. Mai 2016 | 09:54 Uhr

Interview : Propst Thomas Drope über die Bedeutung von Ostern und andere Religionen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Menschen gehen lieber Weihnachten in die Kirche als Ostern. Warum eigentlich? Wir haben bei Propst Thomas Drope nachgefragt.

Pinneberg | Die Menschen gehen lieber Weihnachten in die Kirche als Ostern. Warum eigentlich? Wir haben bei Propst Thomas Drope nachgefragt.

Hat der Heiligabend dem Karfreitag den Rang abgelaufen?
Ja. Die Geburt des Jesuskindes stimmt uns optimistisch. Karfreitag versuchen wir gern auszuweichen, weil er mit Tod und Sterben zu tun hat. Dabei ist Ostern zusammen mit dem Karfreitag das zentrale Fest des Christentums. Ohne den Tod gäbe es keine Auferstehung. Und kein Weihnachten.

Wie erklären Sie die Auferstehung jemandem, der nicht damit aufgewachsen ist?
Sie gehört in ihren geschichtlichen Zusammenhang. Wir glauben an sie, weil die Menschen von damals gesagt haben, dass Jesus von den Toten auferstanden sei. Es ist auch eine mythologische Sprache. Als die Menschen zusammenkamen, hatten sie das Gefühl, Jesus sei noch da, lebe weiter. Das gab ihnen Kraft. Die Auferstehung ist die Erfahrung und die Hoffnung, dass Gott den Tod zum Leben wendet.

Und wenn jemand sagt: „Das glaube ich nicht!“?
Dann sage ich: dann eben nicht. Du bist frei zu glauben, was dich trägt. Aber ich glaube es. Für mich zeigt es, dass es immer irgendwie weitergeht. Das trägt mich. Auch in dunklen Momenten. Übrigens schon morgens beim Aufstehen. Jeder Tagesanbruch ist eine kleine Erinnerung an die Auferstehung, finde ich.

Thomas Drope (51) stammt aus Goslar. Von 1996 bis 2006 arbeitete er als Gemeindepastor in der Kirchengemeinde Ellerbek, bis er ab 2007 als amtierender Propst den Kirchenkreis Pinneberg leitete. 2009 wurde er zum Propst gewählt. Und wenn die Kirchengeschäfte ihm mal ein bisschen Freizeit lassen, spielt er Fußball oder geht ins Kino.

Wie positioniert sich die Evangelische Kirche in der aktuellen Flüchtlingsdiskussion?
Erzählungen von Menschen auf der Flucht gehörten schon immer zur kirchlichen Tradition dazu. Angefangen bei Adam und Eva. Sie wurden aus dem Garten Eden vertrieben. Die Geschichten Jakobs. Oder der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Unsere Grundhaltung ist: Es ist Menschenpflicht, Flüchtlingen zu helfen. Und alles dafür zu tun, dass die Flüchtlingsursachen bekämpft werden.

Es kommen viele Muslime in das Land. Ist das ein Problem für unsere christlichen Werte?
Nein. Animositäten sind rein kulturell vermittelt. Es gibt Gemeinsamkeiten. Und es gibt Unterschiede. Ein Beispiel: Wir Christen glauben, dass Jesus mehr als ein Prophet war. Dass er Gottes Sohn war. Daran beißen die anderen sich die Zähne aus. Dass Gott sich in Jesus gezeigt haben soll, ist für Muslime und Juden unerträglich. Das verstehe ich. Aber darüber muss ich reden können. Vielstimmigkeit gehört zum Glauben dazu. Weil er nicht starr ist, sondern lebendig.

Was können beide Seiten für ein gutes Miteinander tun?
Gesprächsbereit sein. Und sich bemühen, den anderen zu verstehen. Und für Verständnis werben. Jeden Tag aufs Neue. Das ist schwer, ich weiß. Aber die, die mit einfachen Antworten kommen, vergessen gern, dass wir alle Individuen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen sind. Das gilt für Menschen, die als Flüchtlinge kommen, genauso wie für uns Einheimische. Ich würde es zum Beispiel gut finden, wenn jeder Neuankömmling das Grundgesetz in seiner Sprache bekäme – aber auch wir Deutschen es kennen und beherzigen würden. In den ersten 20 Artikeln steht das Wichtigste drin, das man zum Leben in einer freiheitlichen Demokratie wissen muss. Sie bieten den Raum, in dem alle Religionen friedlich miteinander leben können.

 

Noch mehr Geschichte rund um das Osterfest lesen Sie im neuen Stadtgespräch, das heute dem Pinneberger Tageblatt beiliegt. Floristin Melanie Prielipp erklärt, wie man einen Osterkranz bindet, Strick-Profi Petra Geisler zeigt, wie man Eierwärmer strickt. Außerdem in der Märzausgabe: Buchtipps von der Buchhandlung Bücherwurm, „Kunst im Klassenzimmer" aus der Heideweg-Schule in Appen und alle wichtigen Ereignisse im März auf einen Blick in dem Kalender in der Heftmitte. 

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erstellt am 26.Feb.2016 | 14:00 Uhr

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