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„Erst die Sprache, dann die Arbeit“ : Praktika: Junge Flüchtlinge erhalten Einblicke in die Lebens- und Berufswelt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Mechaniker, Friseur, Reporter: Junge Flüchtlinge haben bei Firmen Einblicke in die Lebens- und Berufswelt erhalten.

Pinneberg | In den ehemaligen Räumen des Pinneberger Ratskellers geht es zu wie in einem Bienenschwarm: Junge Flüchtlinge zeigen Besuchern, wie ihr erster Kontakt mit der deutschen Arbeitswelt gelaufen ist. Lorans Habib beispielsweise hält sich erst gar nicht mit der Theorie auf. Er zückt gleich die Schere und zeigt, was er im Rellinger Salon Brühl gelernt hat. Der Friseur in spe schneidet Dozentin Svetlana Kummert beherzt die Haare – und die ist begeistert.

Das wäre keine Arbeit für Bahoz Rustom. Der 22-Jährige aus Syrien hat in seiner Heimat Handys verkauft. Aber seine große Leidenschaft gehört Autos: „Am besten Mercedes.“ Während seines Praktikums im Autohaus Finck und Claus hat er aber nicht nur das Schrauben und die Technik gemocht, auch der direkte Kontakt mit einem deutschen Auszubildenden war sehr wichtig: „Der hat mir erklärt, wie es hier mit der Ausbildung zum Mechatroniker läuft.“ Wenn Rustom besser Deutsch spricht, bekommt er die Chance auf einen Ausbildungsplatz.

Mohamad Alhajji (23) möchte politischer Korrespondent werden. Sein Praktikum machte er beim Pinneberger Tageblatt.
Mohamad Alhajji (23) möchte politischer Korrespondent werden. Sein Praktikum machte er beim Pinneberger Tageblatt. Foto: Sabrina Lincke

Und Mohamad Alhajji zog es in die Medienwelt. Schon in Syrien hat er Videos von den Geschehnissen dort gedreht. Außerdem betreut er eine Facebook-Seite, die über Syrien berichtet. Er hat während seines Praktikums in der Redaktion unserer Zeitung Lokaljournalismus kennengelernt: „Das war richtig interessant dort. Nette Leute.“ Aber sein Herz schlägt für das Fernsehen. „Ich möchte Korrespondent werden und mit dem Mikrofon in der Hand über politische Themen berichten.“

Hier geht’s gleich zur Sache: Beherzt schneidet Lorans Habib der Dozentin Svetlana Kummert die Haare.
Hier geht’s gleich zur Sache: Beherzt schneidet Lorans Habib der Dozentin Svetlana Kummert die Haare. Foto: Sabrina Lincke

Alle jungen Menschen haben an einem Sprachpraktikum des Diakonievereins teilgenommen und nach ihren ersten 700 Deutschstunden das erste Mal ganz direkten Kontakt mit der deutschen Sprache und Arbeitswelt gesucht. So unterschiedlich die Teilnehmer auch sind, Voraussetzung für eine erfolgreiche, berufliche Integration ist für alle die deutsche Sprache. „Erst die Sprache, dann die Arbeit“, fordert Karen Fischer, die pädagogische Leiterin der Sprachkurse des Diakonievereins Migration. „Das wurde schon damals bei den Gastarbeitern vollkommen falsch gemacht.“ Sie unterstützt die neue Sprachförderkette, die sich derzeit bundesweit etabliert und auf mehr Spracherwerb und Sprachkompetenz der Flüchtlinge setzt.

Die wichtigsten Dinge sind für Fischer beispielsweise die Vermittlung zu Arbeitgebern und zu deutschen Jugendlichen. „Unsere Teilnehmer haben zu wenig Kontakt zu Deutschen. Nur so können sie die Sprache lernen. Wir brauchen Mittler, die Brücken bauen.“ Für Habib, Rustom, Alhajji und die anderen Praktikanten im ehemaligen Ratskeller hat Dozentin Hilde von Schwartzenberg diese Rolle übernommen und Arbeitgeber aus dem Kreis Pinneberg für das Sprachpraktikum begeistern können. „Die Rückmeldungen der Arbeitgeber sind durchweg positiv“, sagt sie. Fischer bestärkt begeistert: „Unsere 18- bis 27-Jährigen sind aber auch wirklich höflich und freundlich.“

Diese Unternehmen beteiligen sich: Lienau GmbH, Rauschelbach Zahntechnik, Elektrotechnik Haker, Autohaus Finck und Claus, Kindergarten St. Michael, Katholische Kirche St. Michael, VHS Pinneberg, Elektronik Partner Koske, Arte Lignum GmbH, Tischlerei Nilsson, Metallbauunternehmen Ohlsen, Brühl Friseure, Thomas Dohrn Maler und Lackierermeister, Montageservice Lippert, Schreiber GmbH,Tischlerei Essig, Malereibetrieb Timm, Kunstmann, A. Beig Verlag. Kontakt für Firmen, die Praktika anbieten: k.fischer@diakonieverein-migration.de
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erstellt am 03.Mär.2017 | 10:00 Uhr

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