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250 Jahre Drostei : Pinneberg hat jetzt sein eigenes Bier

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zum 250-jährigen Bestehen der Drostei kredenzt Marco Hurtig einen süffigen Gerstensaft aus seiner Provinzbrauerei.

Pinneberg | Das Bier hat eine leicht rötliche Farbe. Der Geschmack ist süffig und im Abgang leicht bitter. Drei verschiedene Malzsorten wurden verarbeitet. 5,2 Prozent Alkohol und 13 Prozent Stammwürze hat das edle Gebräu. Das „Pinnauer Festbier“, so der Name, stellt der Prisdorfer Marco Hurtig (43) in der Pinnauer Provinzbrauerei im Ziegeleiweg in Pinneberg her.

Wandel der Bierkultur: Craftbiere erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Darunter versteht man vor allem handwerklich hergestelltes Bier, von zumeist kleinen Brauereien. Die Qualität des Bieres und sein Charakter werden hauptsächlich durch die Verwendung natürlicher Rohstoffe und den Verzicht auf Filtrierung und Pasteurisierung beeinflusst.

„Es ist ein klassisches Märzen, ein Craft Beer“, sagt der Bierbrauer. Es soll sich von den herkömmlichen Pilsenern, den Fernsehbieren, wie Hurtig sie nennt, unterscheiden. „Sie schmecken alle gleich. Was mir Spaß macht, ist, dass ich durch die Zusammensetzung der Rohstoffe ein tolles Bier habe und einen vielfältigen Geschmack erreichen kann.“

In den angemieteten Räumen im Pinneberger Gewerbegebiet steht Hurtigs kleine 50 Liter-Anlage, in der er bisher zu Hause seine Rezepturen ausprobiert hat. „Das Brauen dieses Festbieres ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich möchte etwas Gutes für die Region schaffen“, sagt der gelernte Diplomkaufmann.

„Das Bier wird komplett handgefertigt, vom Malzschroten über die Abfüllung bis zum Etikettieren. Es ist unfiltriert und nicht pasteurisiert. Um seinen vollen Geschmack optimal zu bewahren, wird das Festbier vor den Verkaufstagen grundsätzlich frisch abgefüllt“, berichtet er. Selbstverständlich sei es nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. „Vier bis sechs Wochen ist es haltbar. Daran erkennt man ein gutes Bier.“

1516 wurde es vom bayerischen Herzog Wilhelm IV. erlassen: das deutsche Reinheitsgebot für Bier. Er legte damals fest, dass für die Bierherstellung nur Gerste, Wasser und Hopfen verwendet werden dürfen. Mittlerweile zählt auch die damals unbekannte Hefe zu den erlaubten Zutaten, ansonsten hat sich wenig am Reinheitsgebot geändert.

Doch er braucht Unterstützung: Um 1000 Liter Festbier herzustellen, kooperiert der Prisdorfer mit der Ricklinger Brauerei. Zehn Hektoliter sollen es insgesamt sein, die in 500 antikgrüne Flaschen-Siphons abgefüllt werden.

Anlässe für seine Aktivität sind das bevorstehende Jubiläum „250 Jahre Drostei“ in Pinneberg sowie das 675-jährige Bestehen von Prisdorf. Seit etwa einem Jahr reift die Idee, in Pinneberg eine Pinnauer Provinzbrauerei aufzubauen und auch zu etablieren. Gut kann er sich vorstellen, noch zwei weitere 50 Liter-Anlagen anzuschaffen. Auch zur Verkostung und zum Verkauf seines edlen Märzen will er die Räume am Ziegeleiweg nutzen.

Um die Geschäftsidee umzusetzen, ist Hurtig, der zweiter Vorsitzender beim Verein „Prisdorf macht Vergnügen“ ist, sogar aus der Firma ausgestiegen, die er gemeinsam mit seinem Bruder betrieb. Derzeit ist er als freier Unternehmensberater tätig, um Zeit für sein Projekt zu haben, das er forciert: Hurtig betreibt in Pinneberg seit einem Jahr die Hamburg Holsteinische Bierbotschaft, die neben dem CraftBeerMobil, einem Schankwagen mit sechs Zapfhähnen und ausfahrbarem Festzelt, nun auch die Brauerei betreibt. Marco Hurtig ist zertifizierter Hausbrauer und Bierbotschafter der Industrie und Handelskammer (IHK). Im Sommer will er die Prüfung zum Sommelier ablegen.

 Studien unterstützen, was viele Männer schon immer ahnten: Regelmäßiger Bierkonsum ist gesund.  Die Ergebnisse sind indes umstritten, denn andere Studien konnten nachweisen, dass bei regelmäßigem Alkoholgenuss das Gedächtnis nicht mehr so gut funktioniert und auch das Erkrankungsrisiko steigt.

Den Preis für sein Pinnauer Festbier hat Hurtig noch nicht festgelegt. In Prisdorf wird er beim Osterfeuer seinen Gerstensaft ausschenken – von Prisdorfs Bürgermeister Rolf Schwarz erhielt er viel Zuspruch. Am Gründonnerstag möchte er sein Bier in Pinneberg präsentieren. Am liebsten vor der Drostei.

Aus Pinneberg gab es dazu allerdings noch keine Reaktion. Vielleicht auch keine große Überraschung: Denn der Hamburger Gastronom Jens Stacklies, der auch den Pinneberger Weihnachtsmarkt ausrichtet, will seit Jahren in der Kreisstadt eine Brauerei hochziehen. Hurtig sieht sich indes nicht als Konkurrenten, zumal Stacklies eine Brauerei mit Gastronomie bauen möchte. „Was Craft-Beer-Brauereien angeht, ist der Norden ein unbeflecktes Land. Hurtig wünscht sich noch mehr Brauereien in der Region. Er sieht sich eher als ein Vorreiter. „Um Bier zu brauen, muss man keinen Meisterbrief haben. Jeder kann es selbst ausprobieren. Selbst zu Hause im Thermomix.“

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erstellt am 15.Mär.2017 | 17:00 Uhr

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