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Pinneberger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 20:52 Uhr

Diskussion in Bönningstedt : Pflegeberufe: Aus drei mach eins

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Ausbildung soll generalisiert und dadurch aufgewertet werden. Auch der Einsatz in allen Arbeitsfeldern der Pflege soll dann möglich sein.

Bönningstedt | Zu einer Diskussionsrunde mit Politikern und Experten aus dem Berufsleben hatte die Bönningstedter SPD-Fraktion eingeladen. Das Thema: Der Gesetzesentwurf, der vorsieht, aus den Ausbildungsberufen Kranken-, Kinderkranken- und Altenpfleger das neue Berufsbild „Pflegefachmann/frau“ zu schaffen.

„Der Personalbedarf in Krankenhäusern und Altersheimen ist hoch“, erläuterte Pflegepolitik-Expertin Petra Crone (SPD), die die geplanten Änderungen vorstellte. In Hospitälern steige die Anzahl dementer Patienten, während in Seniorenheimen der medizinische Behandlungsbedarf stetig zunehme. „Die Einsatzmöglichkeiten des Personals sind in Zukunft flexibler, die Qualität höher und die Aus- und Weiterbildung durchlässig“, zählte Crone als Eckpunkte auf. Zudem soll eine einheitliche Finanzierung vereinbart werden. „Es kann nicht sein, dass – wie bis vor Kurzem noch üblich – gerade in diesen Berufen Geld bezahlt werden muss für eine Ausbildung“, sagte Crone.

Als Voraussetzung müssten Bewerber zehn Jahre Schulzeit nachweisen, Abitur sei nicht nötig. „Durch diese Generalisierung wird der Pflegeberuf mit mehr als 130.000 Azubis zum größten Ausbildungsberuf“, sagte Crone. Während der Lehre sollten Praxiszeiten sowohl in Krankenhäusern als auch in Altenheimen sowie auf der Kinderstation die Voraussetzung sein. Pflegedienstleiterin Frauke Foth sah dies eher kritisch: „Das Problem für kleinere Einrichtungen wird sein, dass es schwierig ist, Azubis in Kinderkrankenpflegestellen unterzubringen, denn davon gibt es nur wenige“, sagte sie.

Maike Jahn-Gehring, Leiterin des Bönningstedter Fasanenhofes und Ausbilderin, wies darauf hin, dass in großen Betrieben diejenigen, die die Praxisanleitung vornehmen, freigestellt seien. „Da wäre es zu überlegen, ob nicht kleinere Betriebe dies im Verbund organisieren könnten“, so ihr Vorschlag. Wichtig sei jedoch, den persönlichen Kontakt zu den Azubis nicht zu verlieren.

Annika Stawe, kürzlich als beste Pflegeschülerin Schleswig-Holsteins geehrt, wies auf das Problem des Lehrkräftemangels an den Schulen hin. „Es sind ja jetzt schon zu wenige“, so ihre Erfahrung. „Es wird nicht ohne verbindliche Standards gehen“, forderte daraufhin Foth. „Es gibt einen hohen Nachschulungsbedarf bei den Lehrern“, beschrieb sie ihre Erfahrungen. Vielfach seien dort Honorarkräfte im Einsatz. „Da kommen Schüler mit teils haarsträubenden Geschichten an“, berichtete sie. Zuletzt wünschte sich Foth, dass die Pflegeberufe endlich in den Stand erhoben werden würden, den sie verdienten. „Die Wertschätzung dieser Berufe ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, betonte die Pflegedienstleiterin.

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erstellt am 04.Jul.2016 | 16:17 Uhr

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